The Decemberists – Prime Club Köln, 12.02.07

von Sterereo am 13. Februar 2007

in Feierlichkeiten

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Rauchverbot durch die Decemberists. Aus gesundheitlichen Gründen soll diesmal der Glimmstängel kalt bleiben. Ob ihnen mit der Aufforderung ihr persönliches oder das kollektive Wohl am Herzen liegt, darüber darf spekuliert werden. Auf der Bühne gibt es jedenfalls keine Anzeichen für Atemnot.

Beim Warten hält man sich also an einer anderen Stange fest: der Kölschstange. Doch vor der Ungeduld kommen Lavender Daimond auf die Bühne. Püppchen Barbie hat diesmal das 60er Hippie-Outfit an und lächelt charmant. Eigentlich heißt Barbie gar nicht Barbie sondern Becky und singt etwas, was so klingt wie das, was ihre Eltern mit Blumen im Haar beim Kiffen gehört haben. Becky hat nicht mehr als ein Stimmchen zur Verfügung, versucht aber das Beste draus zu machen. Über den höflichen Applaus freut sie sich mit kleinen Hopsern und Colgate-Lächeln. Nach einer halben Stunde mit Liedern über Liebe und Frieden scheint der ausverkaufte Primeclub wie in Watte gepackt. Niemand verspürt die geringste Lust etwas Verbotenes zu tun, vielleicht raucht deswegen tatsächlich niemand?

Nach kurzem Intro sind sie schon da: die Decemberists. Den Anfang macht der letzte Teil der Crane-Wife-Triologie, ebenso wie auf der aktuellen Platte ‚The Crane Wife’. Colin Meloys Stimmorgan ist gewaltig, sie geht durch Mark und Bein und transportiert die melancholische Stimmung des Songs wie ein Supraleiter. Nach einer ordentlichen Rückkopplungsorgie geht es nahtlos in die 12-minütige Songpastete ‚The Island:Come And See/The Landlord’s Daughter/You’ll Not Feel The Drowning’ über. Großartiges Liedgut, trotz fürchterlich verstimmter Akustikgitarre. Während der Reparaturarbeiten freut sich Colin Meloy über das kleine, volle Haus. Nach ein paar alten (‚16 Militäry Wives’) und neuen (‚O Valencia!’) Bekannten verordnet Dr. Meloy kleine gymnastische Übungen. Kniebeugen, Klatschen und Hüpfen gelingen nicht in jeder Ecke des Publikums, so dass der Oberarzt für eine Stippvisite herabsteigt und vorturnt. Dies soll nicht der letzte Fankontakt für diesen Abend gewesen sind. Doch erstmal erbittet sich die Band die Hilfe des Publikums fürs fulminante Finale von ‚Sons and Daughters’. Unter „Here are the bombs that fade away“-Sprechchören verabschieden sie sich hinter die Bühne, um nur wenige Momente später für die Zugaben wieder zu erscheinen. Nach nur wenigen Sekunden von ‚July, July’ landen Keyboarder und Schlagzeuger von Lavender Daimond im Publikum. Dann lässt sich Colin Meloy Gitarre spielend durch den Zuschauerraum tragen. Auch Bassisten Nate Query wagt den Sprung und war für mehrere Minuten nicht wieder gesehen. Multiinstrumentalist, Chris Funk schafft es zwar „nur“ bis zur Bar, bekommt dafür aber direkt ein Bier in die Hand gedrückt. Ein völlig verrückter Abend scheint damit seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Doch Pustekuchen. Obwohl die Abbauarbeiten auf der Bühne schon begonnen haben, lassen es sich die Decemberists nicht nehmen eine weitere Zugabe zu spielen. Nun dreht der komplett aufgedrehte Schlipsträger Meloy durch, wickelt sich die Mirkofonschnur um den Hals und singt den allerletzten letzten Song des Abends aus dem Zuschauerraum.

Hatte ich mich in erster Linie über folkigen Indie-Rock mit Akkordeon, Geige und anderen Raritäten eingestellt, hat mir diese Show die Socken in den Schuhen ausgezogen. Damit sind die Decemberists meine absolute Konzertempfehlung. Geht hin und schaut, was bei Euch im Überrauschungsei drin ist.

Fazit des Abends: Eine Menge Dampf, trotz Rauchverbot!

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