The Beatles – Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band

von Benjamin am 21. August 2007

in Musik!

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Am 1. Juni 2007 feierte „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ von den Beatles den 40. Geburtstag. Zeit also, das vielleicht beste Beatles-Album zu würdigen. Auch wenn sich bei der Bewertung „bestes Beatles-Album“ Widerspruch regen wird, es gibt viele Gründe, warum es zumindest ein besonderes Werk ist.

Das Cover alleine ist für damalige Verhältnisse eine Besonderheit: mit 2867 englischen Pfund gab die Band ein ca. 110faches der durchschnittlichen Summe für die Gestaltung der Plattencover (ca. 25 englische Pfund) aus. Das Cover mit den Papp- und Wachsfiguren (letztere aus dem Kabinett von Madame Tussaud) und den Beatles in Militärkapellenjacken kennt vermutlich jeder. Interessanterweise ist im Blumenfeld keine Marihuana-Pflanzen zu sehen, wie den Beatles immer vorgeworfen wurde, sondern eine Pflanze mit dem lateinischen Namen „Peperomia“. Im Plattencover selbst fanden sich einige Gimmicks: Ein Ausschneidebogen mit den Abzeichen, dem Schnurrbart und einigen anderen Sgt. Pepper-Sachen. Auch fand sich auf einer Puppe ein Gruß an die guten Kumpels von den Rolling Stones, obwohl sich die Fanlager sich benahmen wie die Fanblöcke zweier Fußballvereine.

Die Songs auf Sgt. Pepper sind nicht unbedingt die größten Songs der Beatles, aber sie stehen (im Gegensatz zu den Songs auf dem Weißen Album) in einer logischen Reihenfolge. Die letzten Akkorde des Titelsongs und Opener gehen direkt in das von Ringo Starr gesungene „With a little Help from my friends“ über. „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ vermittelt eine Liveatmosphäre und das obwohl die Beatles vor den Aufnahmen zu diesem Album beschlossen haben zunächst nicht wieder live aufzutreten. Tatsächlich haben die Vier nur noch ein Konzert gespielt: Am 30.01.1969 auf dem Dach des Apples-Gebäude. Joe Cockers berühmte Coverversion von „With a little help from my friends“ ist übrigens die einzige Coverversion eines Beatles-Songs, die erfolgreicher war und bekannter wurde als das Original.

Interessanterweise gibt es viele Songs, die auf Drogen hinweisen sollen. Die Vorwürfe lassen sich allerdings durch plausible Erklärungen entkräften. „Lucy in the Sky with Diamonds“ liegt bekanntlich ein Bild von Johns Sohn Julian zu Grunde, „Fixing a hole“ handelt von selbstgerechten Spießern und nicht von Heroinmissbrauch. „Fixing“ wurde erst einige Jahre nach der Veröffentlichung des Songs ein Synonym der englischen Sprache für „Fixen“. Auch „A day in the life“ handelt nicht von einem schlechten Trip sondern behandelt die Beobachtungen und Ereignisse eines Tages, wobei Lennon über Zeitungsberichte singt und wie ein Beobachter von einem Autounfall, vom Krieg und von bürokratischer Banalität singt und Paul die Alltagserlebnisse eines Durchschnittsbürgers beschreibt. Für „A day in the life“ wollten die Beatles übrigens unbedingt die Londoner Philharmoniker haben. 40 Musiker des Orchesters fanden sich dann am 10. Februar 1967 in den Abbey-Road-Studios ein. Auf ausdrücklichen Wunsch der Beatles sollten diese in Abendgarderobe erschienen. Die Beatles selbst, so wie ca. 40 Freunde der Band (Mick Jagger, Brian Jones, Marianne Faithful u.a.) erschienen in bunten Hippiegewändern (Paul McCartney mit einer roten Küchenschürze zum purpur-schwarzen Hemd) und verteilten zu Beginn der Aufnahmesession Pappnasen, bunte Pappbrillen und diverse Kostümteile wie eine Affenpranke für einen Violinisten. Auch wurde das Ende des Fagott mit einem Luftballon bestückt, so dass dieser während des Spiels fröhlich auf und nieder wippte. Eine große, teuere Party! Und ein hervorragender Song zum Abschluss des Albums, oder wie es Olaf Benziger in seinem Buch über das Album schreibt: „Wenn Sie sich zehn Stunden Zeit nehmen wollen, um die Musik der Beatles kennenzulernen, würde ich empfehlen, alle Original-CDs durchzuhören. Wenn Sie dafür nur eine Dreiviertelstunde aufbringen wollen, lege ich Ihnen selbstverständlich Sgt. Pepper ans Herz. Wenn Sie aber nur fünf Minuten Zeit haben, dann schlage ich vor: Hören Sie sich „A day in the life“ an.“

Ein anderer typischer Beatles-Song ist „It’s getting better“. Hier wird das Zusammenspiel von Paul und John als Komponisten deutlich. Die ursprüngliche Songidee ist von McCartney und während er den Song auf dem Klavier vorspielte, kommt Lennon in den Raum und fügt McCartneys „It’s getting better, a little better all the time“ den Satz „It cant’t get no worse“ hinzu ohne mehr als diesen einen Satz des Songs zu kennen. Der zynische Lennon gibt so dem Song den richtigen Biss. Bei diesem Song ist auch das Schlagzeugspiel Starrs besonders zu erwähnen: Ringo variiert in diesem Song intuitiv die Geschwindigkeit zwischen 118 und 126 Schlägen pro Minute.

„Lovely Rita“ ist die positive Darstellung einer Politesse (sie werden in Amerika „Meter Maid“ genannt), wieder ein Beispiel für die unkonventionellen Ideen im Songwriting McCartneys. „When I’m Sixty-four“ ist eigentlich ein ganz alter Beatles-Song, den McCartney in den Anfangstagen der Band mit einer Akustikgitarre zum Besten gab, wenn auf den Clubgigs der Strom ausfiel. Die Idee zu „Being for the Benefit of Mr.Kite!” kam Lennon bei der Betrachtung eines Zirkusplakats von 1843, welches er bei einem Antiquitätenhändler sah. Die Kirmesorgel des Stücks haben Produzent George Martin und Toningenieur Geoff Emerick aus alten Märschen gebastelt: Sie zerschnitten Bänder aus dem Archiv in kleine Stücke, warfen diese in die Luft und fügten sie neu zusammen. Wenn etwas so klang, als wäre es richtig zusammengesetzt, haben sie die Schnipsel einfach umgedreht, so dass das betreffende Stückchen rückwärts erklang.

Alle Stücke haben jedoch eins gemeinsam: Kein Stück kann genauso live umgesetzt werden, da in jedem Stück etwas mit den Möglichkeiten eines 4-Band-Tonstudios (in Amerika arbeitete man zu dieser Zeit bereits mit 8-Band-Geräten) geändert wurde. Da wurden Bänder verlangsamt oder beschleunigt, Samples verwendet wie z.B. die Zuschauergeräusche beim Titelsong oder die Tierstimmen bei „Good Morning Good Morning“.

Auch wenn andere Alben der Beatles bessere Songs enthalten mögen, meiner Ansicht nach, ist Sgt. Pepper das in sich stimmigste Album der Beatles. Wer mehr über dieses Album wissen möchte, der sollte sich die Anthology-DVD angucken und einen Blick in das bereits erwähnte Buch von Olaf Benzinger werfen (Benzinger, Olaf: Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band. München: Piper 2000.)

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{ 3 Kommentare… read them below or add one }

1 Sterereo August 22, 2007 um 14:37 Uhr

Super rezensiert, biografiert und bibliografiert. „For the benefit of Mr. Kite…“

2 RockinBen August 22, 2007 um 14:49 Uhr

Danke für die Blumen 😉

Aber das schlimme ist: Wenn ich eine meiner Rezensionen lese, dann fällt mir meistens sofort ein R- oder G-Fehler auf…

3 RockinBen August 27, 2007 um 10:16 Uhr

So, heute ein eher trauriges Jubiläum aus dem Dunstkreis der Beatles: Heute vor 40 Jahren, also am 27. August 1967, starb Manager (und Entdecker) Brian Epstein an einer Überdosis Drogen.

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