Telekinesis – Interview

von alex am 29. Juni 2009

in Interviews

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Noch ganz frisch ist sie, die neue Platte von Michael Benjamin Lerner alias Telekinesis. Nach seinem Auftritt auf dem immergut-Festival 2009 hat er sich ein wenig Zeit genommen, über Waschbären, Studioaufnahmen und das Singen in Mülleimer zu plaudern.

Toller Auftritt, den ihr da gerade gespielt habt!

Danke!

Es ist außergewöhnlich, dass du Schlagzeug spielst und singst. In den meisten Bands spielt der Sänger Gitarre.

Nun ja. Ich fing vor 10 Jahren an Schlagzeug zu spielen. Es ist das einzige Instrument, mit dem ich mich auf der Bühne wohl fühle. Wenn ich in einem Aufnahmestudio bin, kann ich Gitarre spielen, aber nicht auf der Bühne. Es gibt viel, was man da beachten muss. Und es ist weniger beängstigend.

Ich hab mir die Videos auf eurer MySpace-Seite angesehen. In einem davon saß ein kleiner Stofftier-Waschbär auf deiner Bassdrum. Heute hattest du ihn aber nicht dabei.

Den haben wir im Tourbus in Amerika vergessen. Wir absolvieren gerade eine Tour in den USA. Wir sind von Chicago aus losgeflogen (sie kommen aber ursprünglich aus Seattle, Anm.). Einfach zu viele Dinge an die man denken muss.

Eine Art Glücksbringer, das Tierchen?

Ja genau, ein Glücksbringer. Daheim haben wir auch T-Shirts fürs Merchandising. Da ist der Waschbär aufgedruckt. Meine Eltern haben ihn mir in einem Truck Stop in Kalifornien gekauft.

Auf eurem Debut-Album „Telekinesis!“, was hast du da alles gespielt. Gesang und Schlagzeug nur?

Die meisten der Instrumente auf der Platte habe ich selber eingespielt. Geholfen hat mir Chris Walla. Er hat die CD produziert, er spielt in Death Cab for Cutie. Daniel, der in der Band für die Tour Gitarre spielt, hat auf einigen Stücken die Bass-Gitarre beigesteuert. Aber ansonsten ist das alles von mir gespielt. Es ist seltsam eine Platte komplett im Alleingang zu machen.

Ihr habt die Lieder auf einer Bandmaschine aufgenommen, oder?

So ist es. Das war eine 24-Spur-Bandmaschine. Im Anschluss wurden die Songs von der 24-Spur- auf eine 2-Spurmaschine überspielt und gemischt. Somit komplett Analog das Ganze. Was ziemlich cool ist.

Hört sich auch viel natürlicher und schöner als Digitalaufnahmen an, wie ich finde.

Absolut. Nicht nur das es angenehmer klingt, es zwingt dich auch dazu sich auf eine Idee festzulegen. Du kannst nicht einfach „Undo“ drücken. Man kann nicht sagen: „Oh, das habe ich in den Sand gesetzt, machen wir es noch mal“. Man spielt besser. Ich spiele besser. Ich arbeite in einem Aufnahmestudio und sehe so viele Bands ihre Aufnahmen mit Pro Tools oder Logic machen. Da spielst du etwas ein, und es war nicht die beste Performance. Grundsätzlich wird dann „Wir biegen das später wieder hin“ gesagt. Meiner Ansicht nach sollte es direkt so gespielt werden, wie es ursprünglich gedacht war. Das war unsere Überzeugung als wir die Platte gemacht haben.

Wie lang hat der Aufnahmeprozess denn insgesamt gedauert. Und wo habt ihr aufgenommen?

Insgesamt waren wir zwei Wochen im Studio von Jason McGerr, dem Drummer von Death Cab for Cutie. Aber Chris Walla hat die Aufnahmen geleitet. Ausserdem arbeite ich in dem Studio, sobald ich wieder nach Hause komme.

Auf flickr habt ihr Tour und Aufnahmen dokumentiert. Auf einem der Fotos singst du in einen Mülleimer aus Metall, in dem ein Mikrophon angebracht ist.

Das haben wir auf einem Stück, das „Tokio“ heißt gemacht. Chris Walla ließ mich ganze 30 Mal in diesen Mülleimer singen. Immer dieselbe Zeile: „I want to Tokio“. Immer und immer wieder.

Wenn in einen solchen Eimer gesungen wird kann der Sound nirgendwo hin. Echos entstehen eine Zeitlang. Coole Sache.

Warum habt ihr „Telekinesis“ als Namen gewählt, gibt es einen tieferen Sinn dahinter?

Telekinese bedeutet, Gegenstände mit dem Verstand zu bewegen. Es ist eines dieser Dingen, von denen niemand beweisen kann ob es unmöglich oder möglich ist. Ist es nicht verrückt zu glauben, es sei möglich einen Löffel herbeizurufen um ihn dann zu verbiegen. Offensichtlich ist es Zauberei. Doch niemand kann das erklären oder widerlegen. Für mich war das ein ausgesprochen interessantes Konzept.

Schlussendlich noch eine Frage zum Cover deines Debut-Albums. Der Big Ben ist darauf abgebildet, allerdings auf dem Kopf. Was hat es damit auf sich?

Das war absolut nicht meine Idee! Die Platte wurde in Amerika auf Merge Records veröffentlicht. Deren Art Designerin Maggie habe ich das Foto des Big Ben, der auf das CD-Cover sollte, zugeschickt. Sie fand, es sehe umgekehrt einfach besser aus. Das fand ich auch, ein großartiger Einfall!

Für das Europa-Release hat Julia von Morr Music den Big Ben aus Papier ausgeschnitten und ebenfalls andersherum verwendet. Das ist die Geschichte dazu.

Danke für das Interview!

Klar, gerne!

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