Tapes 'n Tapes – Interview

von Sterereo am 18. Juni 2008

in Interviews

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Entspannt drücke ich meinen Rücken an die warme Steinwand. Der Hintern parkt lässig auf einer dieser balkenähnlichen Bierbänke, während das Kölsch in der Hand langsam die Köpertemperatur annimmt. Spanien schlägt gerade Russland, als sich Josh Grier von den Tapes ’n Tapes dazusetzt und fragt, wo ich das Bier her habe. Nach kurzer Wegbeschreibung greift er schnell eines aus dem mannshohen Kühlschrank um die Ecke und schon bricht planmäßig die erste Frage auf ihn ein:

Tapes n’ Tapes ist euer Bandname. Was liegt näher dich nach deinem ersten Tape zu fragen. Was ist’s und wo hast du’s?

Das erste Tape was ich mich erinnere gekauft zu habe, war Bob Dylans Highway 61 Revisited. Da ich leider kein Kassettendeck mehr habe liegt sie bei meinen Eltern zuhause herum. Dort steht auch noch mein kleiner Kassettenspieler aus meiner Jugendzeit. Mittlerweile habe ich so was nicht mehr.

Wie hörst du denn deine Musik?

Vinyl! Es klingt einfach so viel besser als auf CD. Ich mag es diese Scheiben zu kaufen und etwas in der Hand zu haben (betrachtet eine imaginäre Platte zwischen seinen Händen). Die sind schön groß. Das ist ziemlich cool.

Leidet nicht die Qualität?

Du brauchst schon eine gute Nadel. Aber sieh mal, auf einer CD wird alles auf eine bestimmte Bitrate herunter komprimiert, dass hast du bei einer Schallplatte nicht. Deshalb verkaufen wir unsere Alben auch als Vinyl. Die Leute nehmen’s an und das ist cool.

Da sind wir schon bei eurer Musik. Es gibt die Geschichte, dass ihr irgendwo in der Wildnis in einer Hütte euere ersten Stücke aufgenommen habt?

Es war die EP, die wir tatsächlich in Eigenregie in drei Tagen in dieser Hütte aufgenommen haben. Das war lustig, wir haben nicht wirklich viel geschlafen, dafür viel Bier getrunken und Tiefkühlpizza gefuttert. Das erste Album „The Loon“ haben wir dann in einem Keller von ’nem Kumpel aufgenommen und Erik (Appelwick, Bass) hat’s produziert. Die Geschichte ist leider nicht so glamourös, als wenn wir es auch einer Berghütte aufgenommen hätten (lacht). Es hat jedoch nur eine gute Woche gedauert, bis es eingespielt war. Von morgens 10 bis abends 17 Uhr. Wir haben das Studio quasi benutzt, als der Kellerbesitzer arbeiten war.

Wie eine anständiger Job also.

So könnte man es sagen (lacht).

„Walk It Off“ wurde nun mit David Fridmann aufgenommen. Von der Hütte, aus dem Keller zum bekannten Produzenten ins voll ausgestattete Studio. Was änderte sich für euch?

Es war auf jeden Fall eine komplett andere Umgebung. Soviel Platz. Dabei war die Stimmung wie immer. Wir hatten eine Menge Spaß und kamen super mit Dave aus. Trotzdem war es anders. Wir konnten 24 Stunden am Tag in dem Studio sein und alles Mögliche an Geräten ausprobieren. Wirklich genial.

Hört man das auf dem Album, dass es in einem großen Studio aufgenommen wurde?

Schon. Jeremy (Hanson, Schlagzeug) haut so stark auf die Drums, das wir das unbedingt irgendwie im Sound haben wollten. Dabei helfen natürlich höhere Wände, als in einem Keller. (grinst)

Was passiert, wenn ihr aufnehmt?

Wir spielen alles live und gehen es dann Schritt für Schritt durch. Manchmal müssen wir einen Take von der Gitarre oder so noch mal einspielen. Aber es ist alles live, so sollte es auch klingen. Wir wollten keine 20 Instrumente mit einbinden, die wir auf Tour niemals reproduzieren könnten.

Schreibst du die Songs während der Tour, probierst sie dort aus und braucht sie dann nur noch einmal aufnehmen?

Zum Teil. Ich habe die Hälfte der Songs auf Tour geschrieben vor einem Jahr. Danach haben wir sie noch mal geprobt und abgeschlossen. Etwas anderes war’s mit dem letzten Song von „Walk It Off“, „The Dirty Dirty“. Den haben wir einmal bei einem Auftritt gespielt und ihn im Studio bis zu Unkenntlichkeit überarbeitet. Das hat natürlich auch seinen Reiz. Wir wollten diesmal den Songs auch etwas Raum geben sich zu entwickeln und nicht wieder im nächst besten Keller zusammenwürfeln und später feststellen, dass wir noch viel mehr hätten rausholen können.

Manche Kritiker sagen, dass die Songs weniger innovativ sind als noch auf „The Loon“.

Ich weiß nicht, ob die beiden Alben noch miteinander vergleichbar sind. Immer wenn ich die Songs höre, dann kenne ich den Hintergrund, den sie in unserer kleinen Tapes ’n Tapes-Welt haben. Ich denke aber nicht, dass sich viel am „Feeling“ unserer Band geändert hat. Das einzige, was sich vielleicht geändert hat, ist, dass wir für „Walk It Off“ mit dem Ziel aufgenommen haben, es sehr live klingen zu lassen. Dadurch ist es vielleicht etwas prägnanter geworden (lacht über seine Wortwahl: „concisive“).

Du sollst mehr Zeit mit den Texten verbracht haben. Dabei geht’s auch anders. Ich habe da eine witzige Geschichte entdeckt: John Williams soll die Indiana Jones-Titelmelodie anhand einer Textzeile komponiert haben. Er sang „Indiana fucking Jones/Indiana motherfucking Jones“. Wäre das etwas für dich?

(lacht) Das ist großartig! Aber für mich wäre das nichts. Normalerweise spiele ich Gitarre und von dort aus entsteht ein Song. Die Texte kommen zum Schluss. Vorher murmele ich irgendwelche Wortfetzen, damit so ein Eindruck von Gesang entsteht.

Solche Geschichten findest du in Internet-Blogs. Genauso wie Rezensionen zu euren Alben. Anfangs hat euch die Unterstützung aus der Online-Community sehr geholfen. Wie wichtig ist das Internet für Bands wie euch geworden?

Definitiv, das Internet hat uns sehr geholfen. Ich weiß aber nicht genau, wie groß der Effekt wirklich auf die Leute ist. Du fragst ja nicht während einer Show: „Wie viele von euch haben uns bei myspace gehört?“

Aber es gab einen Wandel in der Musikindustrie.

Den auf jeden Fall! Es ist alles viel demokratischer. Jeder kann schnell die Musik finden, die er sucht. Du musst nicht mehr darauf warten, dass irgendeine Radiostation etwas Neues spielt. Du gehst online und findest neue Musik. Das ist toll.

Ich habe mit Laura von Blood Red Shoes über Hype-Bands gesprochen und sie nannte auch „Tapes ’n Tapes“. Wurdet ihr gehypt?

Ich habe keine Ahnung. Wir hatten schon eine Menge positive Presse. Am Anfang haben wir unsere Musik selbst vertrieben, bis es nicht mehr machbar war. Deshalb brauchten wir Hilfe von einem Label und dann ging’s los. Wir hatten plötzlich so viel Unterstützung, einfach so, aus dem nichts. Aber eine Hype-Band ist für mich etwas Substanzloses. Daher würde ich nicht sagen, dass wir ein Hype sind. Ich würde aber nie zu jemand sagen, er spielt in einer Hype-Band.

Manche Bands qualifizieren sich dafür aber recht gut.

Ja, schon. Es gibt Bands die über den grünen Klee gelobt wurden. Das sind aber solche Dinge, die in unserer heutigen Zeit passieren, dass die Leute verrückt nach einer gewissen Band werden.

Aber das ist doch eine gute Sache.

Ja, das ist es. Aber du kannst nie sagen, dass eine Band genau soviel Aufmerksamkeit bekommt, wie sie verdient. Ich bin mir auch nicht sicher, ob wir dieses ganze Interesse verdient haben.

Nicht?

Keine Ahnung. Es ist so wie mit allem im Leben. Ich bin mir aber nicht sicher, dass es immer das Prinzip „jeder kriegt was er verdient“ ist. Manchmal ist es ein wenig komplizierter.

Dabei fällt mir ein, kriegt ihr mit, was momentan in diesem Land los ist? Mögt ihr überhaupt Fußball?

Definitiv. Wir haben das erste Spiel von Deutschland in Hamburg auf der Reeperbahn gesehen. Es war verrückt, total durchgedreht. Bei jedem Tor dachten wir, die Stadt würde explodieren.

Zwar ist es kein Länderspiel, als die Band-Band-Bande aus Minneapolis auf die Bühne tritt, jedoch schafften sie mit ihrer Spiellust und improvisierten Instrumentalausflügen kontrollierte Konzertfreuden. Um konsequent bei der Fußball-Allegorie zu bleiben, muss ich jetzt wohl schreiben, dass die obligatorische Verlängerung mit der radiotauglichen Floskel „Zwei Superhits am Stück“ abgepfiffen wurde. Nach einem gelispelten „Insistor“ und dem martialischen „Hang ’em All“ blieben zwar die Lichter aus, aber die Band ebenso. Danach konnte sowieso nichts mehr kommen. Nur noch die Niederlage für Griechenland.

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