Talk Talk – Laughing Stock

von Hififi am 25. März 2007

in Musik!

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Es gibt immer wieder Alben, deren Entstehungsgeschichte sich derart skurril gestaltet, dass sie in die Musikhistorie eingehen und nach über 20 Jahren immer noch Erwähnung finden. An „Laughing Stock“ ist alles skurril, sechs Songs die nicht einmal entfernt an „Such A Shame“ erinnern, die Brücken bauen zwischen Jazz und Post-Rock. Mark Hollis´ Stimme ist nur noch ein weiteres Instrument und trauriger den je, der Mann ist mit diesem Album in einer Sackgasse gelandet, die nur noch die Auflösung der Band zur Folge haben konnte. „Laughing Stock“ ist sein Vermächtnis.

Wenn man zu diesem Zeitpunkt, im Jahre 1991, von Talk Talk spricht, ist eigentlich nur noch Mark Hollis übrig. Die einstigen Bandmitglieder Simon Brenner, Lee Harris und Paul Webb sind zu Sessionmusikern degradiert worden, nur noch Tim Friese-Greene, Hollis´ Haus- und Hofproduzent, hat ein Mitspracherecht. Sieben Monate ging es in die abgedunkelten Wessex Studios, Depressionen und eine Steißgeburt von Album waren die Folge. „Laughing Stock“ ist ein steingemeißelter Monolith, den wohl niemand erklären kann, er ist einfach da. Geheimnisvoll ist hier jeder kleine Soundschnipsel, eine endlose Aneinanderreihung verschiedener Improvisationen der unzähligen Gastmusiker die durch die Studios geschleust wurden. Der finanzielle Supergau, da nun beim besten Willen keine Single auf diesem Album zu finden ist, der bandinterne Selbstmord. Es wird nie ausgesprochen, aber die Musik gibt Auskunft, alle Beteiligten stellen sich nach Beendigung ihren privaten und psychischen Problemen, und Talk Talk sind Geschichte. „Laughing Stock“ hat alles gefordert und alles genommen, Paul Webb hängt den Bass an den Nagel, um über ein Jahrzehnt später mit Beth Gibbons (Portishead) ein wunderbares Album aufzunehmen, Mark Hollis meldet sich schon 1998 mit einem Soloalbum zurück, um gleich wieder in der Versenkung zu verschwinden. Nur um das Ganze ein wenig zu veranschaulichen; im fast zehnminütigen „After The Flood“ befindet sich ein Gitarrenfeedback, dass dem Hörer 90 Sekunden lang auf den Nerven rumtrampelt, aber auf diesem Album sogar Sinn macht.

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1 alex August 18, 2009 um 13:58 Uhr

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