Switchblade – S/T (2012)

von JonesKorn am 9. Oktober 2012

in Musik!

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Verfolgt man die Entwicklung von Switchblade rückwärts durch die Jahre und zurück zu den Anfängen am Ende der 90er, so fallen drei Dinge besonders ins Auge: Switchblade formen ihre Musik gerne neu, sie bringen bis heute nur „self titled“ Alben heraus und – sie werden kontinuierlich weniger Mannen in der Stammbesetzung.

Abermals drei Jahre seit der letzten Veröffentlichung haben sich die nunmehr nur noch zwei Schweden Zeit gelassen, um 2012 diesen Grenzgänger zwischen Doom und Sludge und schleppender Düsternis herauszubringen. Abermals mastered by Magnus Lindberg (Cult Of Luna), mit dem man schon auf dem Vorgänger erfolgreich zusammengearbeitet hat. Und abermals wartet hier wieder ein Leckerbissen, der mit interessanten Gastmusikern verfeinert wurde.

Da leihen Jonas Renkse (Katatonia, Bloodbath), David Johansson (Kongh) und The Cuckoo (Terra Tenebrosa) die Stimmen und Per Wiberg (Opeth, Candlemass, Clutch) unterstützt am Keyboard, während Johan Folkesson (Gitarre) und Tim Bertilsson (Schlagzeug) zur festen Mannschaft gehören. Da kommen reichlich erfahrene Musiker zusammen und schnüren uns hier einen Mittelstreckenflieger aus drei Titeln, der es auf gut 37 Minuten Spielzeit bringt und bei dem trotz der prominenten Vokalisten ganz klar die Instrumente die Hauptrolle spielen.

Mindestens zu Kongh glaube ich dann auch eine Verwandtschaft feststellen zu können, während „Movement I“, „Movement II“ und „Movement III“ – so die einzelnen Titel, jeder für sich länger als 10 Minuten – über mich hinwegbranden. Diese ausführlichen Titel sind wiederum in Teilstücke gegliedert, aus denen die einzelnen Teile durchaus ihren Bezug auf Teile eines anderen Stücks haben können. Untertitel wie „Grave“ oder „Elegy“ geben die Stimmung vor, solche wie „Coda“ oder „Nocturne“ das Selbstverständnis. Das Album „S/T (2012)“ ist ein Geflecht, eine Gesamtkomposition. Mit Gitarrenriffs wie mächtige Betonwände: schwer, dunkel und bedrohlich. Sie bilden den Rahmen, dazwischen setzt sich die Stimmung, da steht und fällt die Spannung, reihen sich Aufs und Abs aneinander. Die Vocals gehen bewusst fast unter, wenn man sich nicht ernsthaft darauf konzentriert. Wann sie anfangen und enden, lässt sich zuweilen erst nach dem zweiten oder dritten Hören halbwegs gesichert festlegen. Wenn überhaupt; und wer will das schon so genau wissen und wozu auch?

Etwas konzentrieren sollte man sich aber ohnehin auf die 2012er Veröffentlichung, denn sonst vermengen sich die drei Stücke zu einem Brei, der sich nur schwer sinnvoll erschließen oder sinnfrei genießen lässt. Das ist (beides) mit der gebotenen Aufmerksamkeit aber ein Erlebnis. Wer mag, kann mit Digipak in der Hand die einzelnen Untertitel aus dem jeweiligen Stücke klamüsern. Das kann aber man auch einfach lassen. Augen zu und wegschweben.

Wer sollte sich das jetzt anhören? Erstens, wer Switchblade sowieso schon kennt. Als Referenzen werden u.a. noch Uriah Heep, Black Sabbath oder Bohren & der Club Of Gore genannt. Die würde ich alle streichen und ich würde eher die bereits genannten Kongh (wenngleich diese etwas aggressiver zu Werke gehen) oder, viel besser noch, den Schlusssatz des Waschzettels als passender nennen: „Less is still more.“ Wer sich mit schweren Riffs und einfacher aber punktgenauer Instrumentation anfreunden kann, der greift hier zu.

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