Sven Regener – Ringlokschuppen Bielefeld, 06.05.2011

von Hififi am 8. Mai 2011

in Feierlichkeiten

Post image for Sven Regener – Ringlokschuppen Bielefeld, 06.05.2011

Die Jahre mit Hamburg Heiner haben ihn gezeichnet, im jahrelangen Dialog mit einem Freund, der vielleicht auch einfach nur der nervige, kleine Bruder, oder der umso nervigere alte sein könnte, führen zu der Art Zerfahrenheit, Lässigkeit und der unablässigen Ironie des Regeners. Einem der Letzten, der auszog der Leserschaft Tagebücher nahe zu bringen, Logbücher dazumal, Blog-Einträge. Hamburg Heiner zuallererst der große Kritiker ist – vielleicht der einzige, auf den Sven Regener hören mag, oder ihm zumindest zuhört – ehemaliger Student und verwegener Kämpfer gegen jede imaginäre Flutkatastrophe. Schrulliger ist gerade mal Oliver Uschmanns Hartmut – Hamburg Heiner allerdings ein weiteres Alter Ego des Element Of Crime-Sängers zu sein scheint, wenn es Frank Lehmann nicht auch schon war. Soviel zur Authen(ti)zität. Authentisch halt zu jeder Sekunde.

Als ich wenige Minuten vor Beginn der Lesung an der Theke ein Kristallweizen bestelle und ich vom Barkeeper gefragt werde, ob mit oder ohne Zitrone, bin ich mir der Situationskomik nicht bewusst und ein paar Minuten später, fällt mir siedend heiß ein, dass wir hier offensichtlich unter Lehmännern sind. (Zu meiner Entschuldigung sei bemerkt, dass wenn die Wahl zwischen Herforder vom Fass und irgendetwas anderem besteht: Immer das andere, von mir aus auch Schultheiss oder Kindl, bei Herforder ist halt Schluss mit Schulterschluss). Lehmann scheint ganz offensichtlich die einzig vernünftige Erklärung für eine (für Regener-Verhältnisse) eher spärlich besuchte Lesung zu sein, die Fangemeinde lieber vom besagten Lehmann unterhalten würde. Hamburg Heiner ist ein würdiger Ersatz, und wenn sich jemals ein Stelldichein mit Regener ergeben sollte, wäre es doch umso schöner, wenn Hamburg Heiner mit am Tresen sitzen würde. An absurder Gesprächskomik bieten die Logbücher („Meine Jahre mit Hamburg Heiner“) ein geradezu unfassbar breites Spektrum . Ob nun „Oh Tannenbaum“ besser der 3/4- oder 4/4-Folge untersteht, oder doch noch ein paar 2/4s mit reinspielen, können auch Sven und Heiner nicht hinreichend klären. Jedenfalls klopfe ich das Weihnachtslied im Geiste ab, und jawohl, die Kontroverse lässt sich nachvollziehen. Zwischendurch am Kristallweizen-Tresen meines Vertrauens wird auf einer Leinwand ein Stranglers-Konzert gezeigt, Jean-Jacques Burnel hat sich sein weißes Hemd aufgeknöpft um der Welt seinen käsigen Astral-Körper zu kredenzen. Ja danke, Kontrast muss nun einmal sein. Hamburg Heiner ist für diesen Abend unser bester Freunde und liest Sven immer wieder die Leviten, der Sven lässt sich aber nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Warum auch? Wer hat, der kann…

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: