Sven Regener – Neue Vahr Süd

von Hififi am 10. November 2005

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Sven Regeners zweiter Roman über Frank Lehmann, dem Helden des Alltags, und eines wird ganz klar: Regeners Protagonist hat Zivilcourage und ordentlich einen an der Waffel, wie alle anderen Figuren des Romans auch.

Frank ist noch nicht Herr Lehmann – „Neue Vahr Süd“ spielt zehn Jahre früher in Bremen – und muss zur Bundeswehr, weil er es „irgendwie verpennt hat zu verweigern“. Deshalb kommt es Daheim zur Krisenstimmung, da Vater Lehmann „schließlich den Krieg ja noch erlebt hat“ und auch Muttern kann wenig Verständnis für Franks Versäumnis aufbringen, und Frank schon lange keins mehr für seine Eltern. Aber schnell muss er begreifen, dass die Kommunikation bei der Bundeswehr auch nicht die beste ist, er ist überwältigt von all dem kollektiven Stumpfsinn. Frank wäre nicht Herr Lehmann, wenn er es nicht innerhalb kürzester Zeit schaffen würde, überall anzuecken, aber ein paar Stubenkameraden halten zu ihm, so dass häufiger ordentlich gesoffen wird. Zuhause hält ihn auch nichts mehr, und so beschließt er mit einigen Freunden in eine WG zu ziehen, wobei Martin Klapp sein einziger Freund zu sein scheint, was sich im Laufe der Zeit aber auch gibt, da Sibille auf der Bildfläche erscheint.

Die größte Stärke von Regeners Zweitwerk sind die unglaublich witzigen und gleichzeitig unglaublich belanglosen Dialoge, während denen einzig Frank einen gewissen Intellekt erkennen lässt. Sowieso ist er ein „Gutmensch“, der allerdings leicht reizbar ist, so kommt er an der einen oder anderen Schlägerei nicht vorbei, allerdings immer in der Bereitschaft anderen zu helfen. So schwankt (weil meist alkoholisiert) er von einer Skurrilität zur nächsten, aber man hat immer das Gefühl: “Der schafft das schon irgendwie.“ Ja tut er, auf seine „Herr Lehmann-Art“ halt.

Sven Regener lässt mit Frank Lehmann einen absoluten, vom Chaos beherrschten, Antihelden auf die Menschheit los, bloß das er eigentlich dann doch ein Held ist (wird?!). Aber eins steht fest, mit dem würde ich auch einen saufen gehen.

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{ 4 Kommentare… read them below or add one }

1 kaete April 6, 2007 um 00:34 Uhr

ich auch..;)

2 otic April 23, 2010 um 22:15 Uhr

FIlm ist übrigens in der Mache.

3 Sterereo April 24, 2010 um 14:57 Uhr

Wieder mit dem Ulmen? Vorher noch Facelifting, für Franks Jugendjahre?!

4 otic April 24, 2010 um 16:29 Uhr

Leider nicht. Die Hauptrolle übernimmt Frederick Lau, den ich in „Die Welle“ gesehen haben muss, woran ich mich aber nicht im Geringsten erinnere.

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