Sven Regener – Der kleine Bruder

von Hififi am 16. Februar 2009

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Auch im dritten Teil der „Lehmann-Saga“ begibt sich unser Held wieder dorthin wo es weh tut und ist auf seine Weise dabei so unglaublich authentisch, dass es eigentlich unmöglich scheint ihn nicht zu mögen. „Der kleine Bruder“, also unser guter Frank, begibt sich auf die lange Autofahrt Richtung Berlin, wo er bei seinem Bruder Manfred unterkommen möchte, zumindest für ein paar Tage, so der etwas unausgegorene Plan. Nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr und dem erbärmlichen Scheitern seiner Wohngemeinschaft, hält ihn nichts mehr in seiner Heimatstadt Bremen und noch viel weniger in der „Neuen Vahr Süd“, dem Stadtteil in dem seine Eltern wohnen. Also, einfach nur weg, die paar Kröten zusammenkratzen und ein neues Leben beginnen. In Berlin angekommen, ist der Bruder verschwunden, jetzt beginnt allerdings nicht das große Krimiabenteuer, es ist eher so, dass Frankie es ganz nebenbei noch hinbekommt, seinen großen Bruder zu suchen. Sozusagen neben den Aktivitäten, die einen am nächsten Tag nicht so gut aufstehen lassen. Und so lernt Frank Lehmann auch dieses Mal wieder einige obskure Charaktere kennen, mit denen er auf seine ganz eigene Weise umzugehen versteht. Die Dialoge haben zumindest nichts an ihrer Schärfe und Klarheit eingebüßt und sicherlich sind sie wieder genauso aus dem Leben gegriffen, wie es in den beiden Vorgängern schon der Fall war. Da ist Sven Regener ein ganz Großer, den Menschen, die er darstellt eigenes Leben einzuhauchen, jedem seine Stärken und Schwächen zuzuordnen. Und so begegnen einem beim Lesen viele alte Bekannte aus „Herr Lehmann“ wieder, die sich auch zehn Jahre früher kaum verändert zu haben scheinen. Zusammen mit Frank ist Kumpel Karl die einzige Figur, die es bis in alle drei Romane geschafft hat und Regener beschreibt über 280 Seiten, wie es zu dieser engen Freundschaft gekommen ist. Denn sie verstehen sich, der Karl den Frank, der Frank den Karl und der Sven den Frank usw. Irgendwie so eine Art Treffen unter Kumpels, die ganz nebenbei die ganz normalen Abenteuer des Alltags zusammen bestehen müssen. Und auch hier ist Sven Regener wieder einmal der ganze weite Wurf gelungen.

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