Super700 – Lovebits

von am 28. Februar 2009

in Musik!

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Ibadet Ramadani weint und es rinnt eine lila Flüssigkeit an ihren Wangen hinab. Diese Bild beschreibt perfekt das seltsam-wundervolle Erlebnis, von „Lovebits“, wie wenn Alice dem weißen Kaninchen folgt.

Es könnte sich bei „Lovebites“ auch um ein Konzept-Album handeln, welches von einem Traum handelt, der uns auf eine angenehme Art Angst macht, aus dem wir aber nicht erwachen wollen. Der Hörer wird zunächst mit melodiösem Pop geködert („Tango“ und „S.T.T.S.M.C.“) und so in den Kaninchenbau gelockt. „Komm auf die andere Seite! Hier sind die Leute fröhlicher!“ („The Other Side“). Hier beginnt mit Titel 4 die eindrucksvolle, Traumwelt, die wie ein Korallenriff auf einem alten versunkenen Schiff daherkommt. „We Will Never Drown“, was auch gut ist, da man einmal eingetaucht nicht mehr auftauchen möchte, um das Unterbewusstsein des Ozeans zu erkunden. Den Soundtrack bieten hier die 7 Berliner von Super700 mit ihrem „Surreal-Soul“. „When The Rain Comes“ klingt z.B. wie von David Lynch komponiert. Das Ganze Album ist wie ein David Lynch Film. Man weiß, dass etwas nicht stimmt, doch die Faszination und die Neugierde sind zu groß und so schmeißt man alle Ängste über das, was passieren könnte über Board und lässt sich treiben. Das volle Aroma dieses Albums kann man wirklich nur ganz genießen, wenn man sich von den ungewohnten Klängen leiten lässt. Was als Pop-Song beginnt, wird durch den für Super700 spezifischen Sound, der vor allem auch immer durch den genial eingesetzten Backroundgesang der Ramadani Schwestern definiert ist und schon bei dem Vorgänger-Album „Super700“ bestach, auf eine ganz neue Ebene gehoben. Ein kleines jazziges Licht, welches durch den Raum schwebt, wie die Töne des Ondes Martenots in „Rosebud“. Der Titelsong des Albums („Lovebites“) überrollt schließlich die Zahlen 0,8 und 15 wie eine Dampfwalze, auf welcher Dr. Phibes sitzt und seine Orgel erklingen lässt. So kann und sollte man auch nicht versuchen, diesen Sound mit einer bereits vorhanden Band zu vergleichen. Das ist unmöglich. Super700 versuchen nicht jedem zu gefallen, sondern ihrem Stil treu zu bleiben. Und ihr Stil, das sind wundervoll arrangierte Songs, getragen von einer Soul-Stimme und harmonischen Wendungen, die man beim Hören jedes Mal neu entdecken möchte („Spring“, „We Will Never Drown“ und „Revolution“). Enorm abwechslungsreich und überraschend variiert die Beschaffenheit der Lieder. Es ist wirklich ein kleiner Schatz, den man in Beton eingeschlossen auf dem Meeresboden in eben jenem, von Korallen umgebenen, Schiffswrack verstecken möchte. Aber dann würde man der Menschheit (Ja, der Menschheit!) etwas ganz wundervolles vorenthalten. Augen zu, auf den Boden legen, aufdrehen und tragen lassen von dieser musikalischen Reise ins Unterbewusstsein.

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