Stars – In Our Bedroom After The War

von Benjamin am 7. Oktober 2007

in Musik!

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Nach dem großartigem “Set Yourself on Fire” konnte man gespannt sein, in welche Richtung der neue Longplayer der Stars gehen wird. Ein wenig mehr Pop, dafür weniger Rock, Mut, mit “My favourite Book” und “The Ghost of Genova Heights” uncoole Sounds der 80er einfließen zu lassen. Also: Die Frage nach der Richtung bleibt, das Ziel aber ist eindeutig: der perfekte Popsong. Ob es gelingt, soll jeder Hörer selbst herausfinden, denn jeder Hörer hat ja auch andere Maßstäbe.

“In our bedroom after the war“ beginnt mit einem instrumentalen Synthiestück bevor “The night starts here“ mit der wunderbaren Stimme Amy Milans die Angst nimmt. Der Wechselgesang mit Torquil Campbell und bezaubernde Melodien bestimmen den Song. “Take me to the riot“ erinnert stark an The Smiths, das anschließende “My favourite book” ist ein swingender Fahrstuhlsong mit einem poppigen Jazzintro. Isoliert vom Album würde ich ihn hassen, aber hier nimmt er die Wucht des vorherigen Songs und bereitet den Boden für den verspielten “typischen Stars-Pop” in “Midnight Coward”. Wer nicht weiß, was typisch für die Stars ist, dem eine kurze Erläuterung: Zu Gitarre, Schlagzeug, Bass, Keyboard gesellen sich Syntheziser, Streicher und viele andere Instrumente, die begleitet von melodiösem Gesang feine, vielschichtige und verspielte Popsongs spielen, die an der einen oder anderen Stelle kleine überraschende aber nicht störende Momente aufweisen. Musik, die – nebenbei gehört – schön anzuhören ist, die aber auch – konzentriert gehört – Klangwelten und Tiefen beinhaltet, die einen immer wieder staunen lassen.

“The Ghost of Genova Heights” ist mit dem Falsett-Gesang im Refrain gewöhnungsbedürftig und versetzt den Hörer direkt in die bunte Disco-Welt der 80er. Die “bösen 80er “ werden hier zitiert, nicht die guten wie in “Take me to the riot”.

Das balladeske Duett “Personal” entschädigt. Eine schöne Textidee (Kontaktanzeige), ein schönes Lied, ein Song für eine Kompilation für eine schöne Frau. Da könnte allerdings auch “Barricade” drauf, obwohl der Song an manchen Stellen an frühe Kuschelrock-Ausgaben erinnert. Eine klassische Ballade eben. Allerdings – und das macht die Stars eben besonders – mit einer singenden Masse, die sich in der Mitte und zum Ende des Songs einmischt. Feiner Song! Ebenso “Window Bird”, wo das Tempo wieder angezogen wird und den fast auschließlich Amy Milan singt. Melodiewechsel und Gitarrensolo inklusive. Auch “Bitches in Tokyo” ist verspielter und mit mehr Überraschungen versehen als andere Tracks. Ein weiteres Highlight unter vielen. Ebenso “Life 2: The unhappy ending”: Der Gesang erinnert zunächst an George Michael; aber keine Panik: Wie so häufig bei diesem Album denkt man sich, “jetzt ist die Popschraube überdreht, jetzt kommt der Weichspülerpop” und dann kommt z.B. wie hier ein kurzer harter Synthiepart. Versöhnlich träumerisch ist der Abschluss mit dem Titelsong.

Schönes Album!

PS:Dem Digi-Pack ist eine DVD beigepackt, die sich mal lohnt: 55min vollgepackt mit Live-Performances (u.a. “ageless beauty”, “he lied about death”, “one more night”), kurzen Interviews mit den Bandmitgliedern, Einblicken in den Bandalltag (Drummer Pat McGee beim Augenbrauenzupfen) und einer wunderbaren visuellen Umsetzung der Überballade “Celebration Guns”.

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1 RockinBen Oktober 11, 2007 um 14:29 Uhr

als Nachtrag: ich habe lange überlegt, an wen mich „the ghost of genova heights“ erinnert: The Bee Gees!

und: je öfter ich das Album höre, desto mehr Kleinigkeiten fallen mir auf. Wie liebevoll jedes Instrument an den jew. Stellen eingesetzt wird, wie gut es an eben diese Stelle im Stück passt. wie verspielt einiges ist, ohne in den Vordergrund zu rücken oder andere Instrumente gar übertrumpfen zu wollen. Die STARS sind große Klasse! Ohne Frage!

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