Sophia – Forum Bielefeld, 31.01.2007

von Benjamin am 1. Februar 2007

in Feierlichkeiten

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So, da stand ich im Dezember 2006 und überlegte, was ich meiner Freundin zu Weihnachten schenken könnte. Wir waren lange nicht mehr gemeinsam auf einem Konzert, also Konzertkarten, Sophia Ende Januar im Forum, da kann man nichts verkehrt machen, auch wenn ich die Musik nicht wirklich kannte. Aber was ich kannte, kann live durchaus spannend sein, dachte ich. Also, Freundin eingepackt und auf ins Forum!

Aufwärmen soll uns Malcolm Middleton, der schottische Singer-/Songwriter und (früheres) Mitglied von Arab Strap. Von Akustikgitarre und (meistens) Schlagzeug begleitet erzählt uns Middleton kleine melancholische Geschichten. Traurig-schön ist das, was er singt, wie er es singt, wie er seine Gitarre dazu spielt und wie sich der Schlagzeuger punktgenau einbringt. Mit einem Pint Belhaven in der Hand könnte ich Malcolm Middleton noch Stunden zuhören. Perfekte Einstimmung für einen Konzertabend!

Nach einer etwas längeren Pause (kam mir zumindest so vor), betraten dann Sophia die Bühne. Eigentlich ist Sänger Robin Proper-Sheppard Sophia, zumindest spielte er auf dem letzten Album außer den Drums alle Instrumente selbst ein. Da er live nicht alle Instrumente selbst bedienen kann, stehen im zwei Gitarristen, ein Bassist, ein Drummer und ein Keyboarder zur Seite. Die Songs wechseln zwischen ruhigen Parts und verzerrten Gitarren, zwischen Coldplay und Gitarrenrock. Auch wenn Proper-Sheppard über sich und seine Musik sagt „Everything about my music is how I feel“, wirken seine düsteren Lyrics oft sehr plakativ, die Musik vorhersehbar und emotionslos. Dabei ist die Musik nicht schlecht, sie packt mich nur nicht. Und meine Freundin auch nicht. Schade! Wenigstens sind die Fotos schön. Und Malcolm Middleton war das Kommen defintiv wert!

Update:

JonesKorn schrieb in den Kommentaren:

Mein Eindruck des Auftritts im Forum war ein etwas anderer.

Malcolm Middleton und Begleitung waren okay, sogar gut, stimmt. Einen richtig bleibenden Eindruck hat der Auftritt bei mir aber nicht hinterlassen, dazu war er dann auch irgendwie zu dezent.

Etwas mutig fand ich den Schritt von Sophia, mit einem Titel wie „I left you“ zu beginnen. Ein schwermütiger Song und immerhin fast acht Minuten lang; den sozusagen auf nüchternen Magen zu servieren ist schon gewagt. Nach anfänglichen Zweifeln war ich aber schnell der Meinung, dass gerade dies eine gute Wahl war.

Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt (mich plagte an dem Abend eine fiese Halsentzündung und ich habe leider etwas neben mir gestanden), wurde direkt im Anschluss „Swept back“ nachgelegt. Für mich optimal, da ich nur die beiden letzten CD Veröffentlichungen kenne und mich somit schnell orientieren konnte, da dies bereits der zweite Titel vom „People Are Like Seasons“ aus 2004 war.

Spätestens ab der ungewohnten, weil viel härteren, Auslegung von „Oh my love“ kann ich dem Artikel im Visions ePaper teilweise zustimmen: es gab einiges auf die Ohren. Das hätte ich so nicht erwartet, aber mich hat es positiv überrascht, ich hatte ein bisschen eine melancholisch-ruhige Veranstaltung erwartet. Einzig der wirklich unpassend zuckende Gitarrist, der sich neben dem Keyboard befand, hat das Bild etwas gestört. Leider verschwimmt die Playlist in meiner Erinnerung ziemlich, aber ich kann mich dunkel erinnern, dass eigentlich nur noch „Where are you now“ zu einem späteren Zeitpunkt mehr oder weniger normal und damit eher ruhig gespielt wurde. Alles in allem habe ich einen guten Eindruck mit nach Hause genommen.

Auch die Aussage mit dem emotionslos und das arroganter Wichser kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Wer seine CD „music for picnics“ benennt (so der Titel der Bonus CD der aktuellen „Technology Won’t Save Us“ 2-CD) kann kaum ernsthaft als emotionslos bezeichnet werden (von den vielen gefühlsbeladenen Songtiteln einmal ganz abgesehen). Und den arroganten Wichser, der sich bei der Autogrammstunde mit seinen gebrochen Englisch sprechenden Fans geduldig im Plauderton unterhält, mag ich mir auch nicht recht vorstellen.

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1 die eingepackte Freundin Februar 6, 2007 um 16:22 Uhr

Kann nur zustimmen, Malcom war toll, was danach kam, nun ja…habe schon besseres erlebt ;o)

2 otic Februar 6, 2007 um 21:03 Uhr

„Emotionslos“ trifft’s ganz gut. Ich war umgeben von Sophia-Anhängern & stand mit meiner Kritik ziemlich alleine da. Robin Proper-Sheppard ist ein arroganter Wichser, und demensprechend geht mir seine Musik auch ziemlich am Arsch vorbei, obwohl prinzipiell viele Zutaten dabei sind, die ich mag.

Konzertkritik Münster nächste Woche online an bekannter Stelle…

3 otic Februar 6, 2007 um 21:05 Uhr

Achja: Malcolm war kurz & gut wie immer.

4 RockinBen Februar 7, 2007 um 18:26 Uhr

und wir dachten, wir stehen mit unserer Sichtweise alleine da… Arroganter Wichser habe ich übrigens auch gedacht, aber das wäre mir in der Rezi zu subjektiv gewesen 😉

5 otic Februar 9, 2007 um 10:18 Uhr
6 RockinBen Februar 9, 2007 um 15:41 Uhr

Ein großartiger SChlusssatz! „Zurück bleibt das unentschlossene Gefühl einem Ereignis zwischen großartiger Inszenierung und inszenierter Größe beigewohnt zu haben.“
Bin neidisch auf diese treffende Formulierung!

7 Hififi Februar 9, 2007 um 18:51 Uhr

Um es dann abschließend sagen zu dürfen: Ich habe Sophia vor ca. zwei Jahren auch live sehen dürfen und kann das hier nicht ganz nochvollziehen. „Arroganter Wichser“, was unser Freund Liam dann wohl erst ist, gibt es da noch Steigerungsformen?

8 JonesKorn Februar 9, 2007 um 22:16 Uhr

Mein Eindruck des Auftritts im Forum war ein etwas anderer.

Malcom Middleton und Begleitung waren okay, sogar gut, stimmt. Einen richtig bleibenden Eindruck hat der Auftritt bei mir aber nicht hinterlassen, dazu war er dann auch irgendwie [i]zu[/i] dezent.

Etwas mutig fand ich den Schritt von Sophia, mit einem Titel wie „I left you“ zu beginnen. Ein schwermütiger Song und immerhin fast acht Minuten lang; den sozusagen auf nüchternen Magen zu servieren ist schon gewagt. Nach anfänglichen Zweifeln war ich aber schnell der Meinung, dass gerade dies eine gute Wahl war.

Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt (mich plagte an dem Abend eine fiese Halsentzündung und ich habe leider etwas neben mir gestanden), wurde direkt im Anschluss „Swept back“ nachgelegt. Für mich optimal, da ich nur die beiden letzten CD Veröffentlichungen kenne und mich somit schnell orientieren konnte, da dies bereits der zweite Titel vom „People Are Like Seasons“ aus 2004 war.

Spätestens ab der ungewohnten, weil viel [i]härteren[/i], Auslegung von „Oh my love“ kann ich dem Artikel im Visions ePaper teilweise zustimmen: es gab einiges auf die Ohren. Das hätte ich so nicht erwartet, aber mich hat es positiv überrascht, ich hatte ein bisschen eine melancholisch-ruhige Veranstaltung erwartet. Einzig der wirklich unpassend zuckende Gitarrist, der sich neben dem Keyboard befand, hat das Bild etwas gestört. Leider verschwimmt die Playlist in meiner Erinnerung ziemlich, aber ich kann mich dunkel erinnern, dass eigentlich nur noch „Where are you now“ zu einem späteren Zeitpunkt mehr oder weniger normal und damit eher ruhig gespielt wurde. Alles in allem habe ich einen guten Eindruck mit nach Hause genommen.

Auch die Aussage mit dem [i]emotionslos[/i] und das [i]arroganter Wichser[/i] kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Wer seine CD „music for picnics“ benennt (so der Titel der Bonus CD der aktuellen „Technology Won’t Save Us“ 2-CD) kann kaum ernsthaft als emotionslos bezeichnet werden (von den vielen gefühlsbeladenen Songtiteln einmal ganz abgesehen). Und den arroganten Wichser, der sich bei der Autogrammstunde mit seinen gebrochen Englisch sprechenden Fans geduldig im Plauderton unterhält, mag ich mir auch nicht recht vorstellen.

Da würde mich interessieren, wie dieses Meinungsbild entstanden ist.

P.S.: Danke an [i]RockinBen[/i] für die Rezension und vor allem die Photos. Ich habe natürlich mal wieder meine Kamera vergessen…

rock on
Jens

9 otic Februar 12, 2007 um 12:44 Uhr

Ich habe mich schon gewundert, warum bisher noch keine Gegenstimmen erhoben wurden. Sophia – insbesondere Proper-Sheppard – polarisieren traditionsgemäß das Publikum. Über die musikalischen Qualitäten von Sophia muss man eigentlich nicht streiten, die sind zweifelsfrei herausragend, wenn auch mir persönlich etwas zu glatt.
Aber mich haben sie nie sonderlich berührt, obwohl – wie oben bereits erwähnt – ich grundsätzlich Musik dieser Art mag. Es ist Sheppards Person, die mich abstößt, und seine Musik gleich mit runterzieht.

Ich muss zugeben, dass er auf dieser Tour – im Gegensatz z.B. zur letzten – ziemlich gut drauf war, d.h. kaum bissige Bemerkungen über das Publikum, keine mehrfach abgebrochene Songs & Pöbeleien, weil ihm das Publikum zu laut sei etc…
Aber trotzdem war sein ausgeprägtes Ego bei jedem Gesichtsausdruck, bei jedem gesungenen Seufzer zu spüren. Kann ich nicht näher erklären, finde ich unsympathisch & irgendwie unehrlich gekünstelt affektiert, gerade im Kontrast zur melancholisch-emotionalen Musik, die dadurch einfach an Glaubwürdigkeit verliert.

Wie sollte ich diesem Typen auch seine tiefe Nachdenklichkeit & Melancholie abnehmen, wenn er mit seinem Ego das Venue zu sprengen droht? Die Interviews, die er gibt, tragen auch nicht gerade dazu bei, dass ich ihn sympathischer finde.
Ebensowenig „gefühlsbeladene Songtitel“.

Ich kann auch verstehen, dass Malcolm Middleton eher als unspektakulär abgetan wird. Die Schotten – insbesondere die Glasgow-Chemikal Underground-Szene – sind, ausgenommen MOGWAI vielleicht, ja nicht gerade für ihre tollen Showeffekte & dramatischen Inszenierungen auf der Bühne bekannt. Es geht eben hauptsächlich um die Musik und um wirkliche, d.h. ungeschminkte Emotionen.
Es wird weniger darauf geachtet, dass die Frisur sitzt, und man smart angezogen ist, was ich in diesem musikalischen Kontext einfach sympathischer finde.
Middleton ist ein sehr zurückhaltender Typ, der fantastische Songs schreibt, aber diese nicht an die große Glocke hängt. Der kann dann nachher auch ganz locker im Publikum stehen, sich Sophia angucken & ein paar Biere trinken.

Er wäre wohl peinlich berührt gewesen, wenn man ihn um ein Autogramm gebeten hätte, obwohl er über zehn Jahre im Geschäft ist, und mit ARAB STRAP schon Musikgeschichte geschrieben hat. Insofern sind Proper-Sheppards (mit den vergötterten God Machine als Ex-Band) und Middletons musikalische Biographien schon miteinander zu vergleichen. Haben sich nur sehr unterschiedlich entwickelt, die beiden.

Bei Sheppard hat das ganze schon mehr mit Stardom-Fame zu tun, was ich persönlich bei dieser Art von Musik abturnend finde. Das ist auch ein Grund, warum mich z.B. Conor Oberst nicht sonderlich bewegt.

Rockstars wie Townshend, Bowie, die Gallaghers (@Niko) oder meinetwegen auch jüngere Bands, wie Razorlight, oder Pete Doherty dürfen das. Allerdings befinden sich diese Bands auch an einer ganz anderen Stelle im meinem Herzen: Der Rock-Star-Abteilung.

Insofern war der Abend ein gelungener These-Antithese-Event, und die Leute, die Middleton eher langweilig fanden, standen um so mehr auf Sophia – und umgekehrt.
Warum auch nicht.

10 RockinBen Februar 13, 2007 um 09:32 Uhr

@Otic: Bin mit dem was Du schreibst völlig einverstanden… Ok, bei den Bright Eyes stimme ich Dir nicht zu (habe sie auf ihrer ersten (?) Deutschland-Headliner-Tour 2001 live gesehen, das war sehr beeindruckend und seitdem bin ich Fan. Danke Hififi), aber egal.

Wie man oben lesen kann, fand ich Robin Proper-Sheppard auch „emotionslos“. Was daran lag, dass jede Bewegung einstudiert wirkte. Er bedient sich, um irgendetwas auszudrücken, den standardisierten Formen der Gefühlsdarstellung, so mein Eindruck. Ritualisierte Emotionen statt authentischer Gefühle.

Aber über Musik lässt sich ja bekanntlich vortrefflich streiten. ABer ich habe Spaß an diesen Diskussionen!

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