Sonic Youth – The Eternal

von Pynchon am 3. Juni 2009

in Musik!

Post image for Sonic Youth – The Eternal

Völlig unbefangen kann ich mich einem neuen Album der Indierock-Band Sonic Youth als langjähriger Fan wohl nicht nähern, zumal die New Yorker um Thurston Moore und Kim Gordon inzwischen seit fast drei Jahrzehnten gemeinsam musizieren und vielzählige Alben rausgebracht haben, mit denen sich ein Neuling wie „The Eternal“ zwangsläufig messen lassen muss.

Mit „Sacred Trickster“ geht es schon mal fulminant los! Ein energiestrotzender Rock-Song mit dem typisch gequälten Gesang von Kim Gordon, der sich wohl nie für einen harmonischen Lovesong empfehlen wird, aber perfekt zum disharmonisch gebrochenen Sonic Youth-Stil passt. In „Anti-Orgasm“ liefert sie ein Duett mit Thurton Moore, dass mich mit seinen scheinbar frei improvisierten, virtuosen Gitarrenpassagen sehr an die „Washing Machine“-Aufnahmen Mitte der neunziger Jahre erinnert. Ein Stück über die freie Liebe und die sechziger Jahre, jedoch ohne die angestaubte Attitüde nostalgischen Schwelgens. Trotz eines unvermindert hohen Wiedererkennungswertes klingt die Band frisch und experimentierfreudig wie lange nicht mehr.

Überhaupt scheinen die Zeiten allzu sperriger Klang-Tüfteleien (wie in dem 2000er Album „NYC Ghosts and Flowers“) längst vorüber. „Leaky Lifeboat“ beispielsweise, dem Beat-Poeten Gregory Corso gewidmet, ist als sehr poppiger und melodischer Hymnus ein perfekter Einstiegssong für Sonic Youth-Neulinge. Wenn mich ein Song eher weniger anspricht, dann das etwas träge „Antenna“, dass an jüngere, weniger inspirierte Zeiten der Band erinnert.

Dann folgen wiederum Stücke wie „Calming the Snake“ (ein Post-Punk Stück, dass in seiner ursprünglichen Vitalität problemlos auf dem Album „Sister“ von 1986 Platz gefunden hätte), das wunderschöne „Malibu Gas Station“ (auf dem gar Kim Gordon sanft klingt) oder das poppig-punkige, von Thurston Moore gesungene „Thunderclap for Bobby Pin“. Allesamt Songs, die vermuten lassen, dass Sonic Youth einer kompletten Frischzellenkur unterzogen worden sind. Tatsächlich klingt hier in seiner fiebrigen Intensität nichts mehr nach jahrzehntelanger Band-Erfahrung.

Auch wenn „Sonic Nurse“ und „Rather Ripped“ zuletzt bereits den Aufstieg aus einigen schwächeren Jahren der Schaffenskrise bedeuteten, gelingt Sonic Youth mit „The Eternal“ ein echter Gipfelsturm und zudem das beste Album, dass die Band seit über zehn Jahren abgeliefert hat.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: