Slut – StillNo1

von Sterereo am 20. Januar 2008

in Musik!

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„Platz da! Hier kommt die Säge!”, mag ein Stiernacken aus seinem Blaumann heraus gerufen haben als er den gefühlt dreihundertsten Instrumentenkarton ins Kreuzberger Studio schleppt. Dort sitzen die Exil-Ingolstädter von Slut auf einem babylonischen Turm von Gitarren, Bläsern, Chören, Streichern und besagter singender Säge und schichten auf ihrem neuen Album „StillNo1“ ungeniert eine Gitarrenwand auf die nächste und erreichen damit Schwindel erregende Klangssphären des Indie-Rock-Kosmos.

Nach dem einführenden Gebrummel mit dem weltberühmten Crash-Test-Dummies-Text („hmm“) klimpert „Come On“ wie ein Schlachtruf davon. Rückkopplungen, Klavier und die ersten Chöre, dazu Christian Neuburgers unverwechselbarer Gesang. Hier sind wieder Slut zu hören, wie sie sich ihre Version von hochkarätigem Indie-Rock zusammen friemeln.

„If I Had A Heart“ nimmt die Fahrt heraus und klingt dabei so verträumt, wie viele der Stücke des schillernden 2001er Albums „Lookbook“. Die verletzlichen Verse werden unterstrichen – wie könnte es anders sein? – von Streichern, leiernden Samples und dezent fiependen Keyboards. Nicht weniger schön, dank Pianosorgfalt, die sehnsüchtige Single „Wednesday“ und das trotzige „Ariel“. Wie schon auf „All We Need Is Silence“ haben Slut keine Angst vor Innovation, variieren die Instrumente, wo sie können, und schaffen es, dass zwar alle Songs irgendwie nach ihnen klingen, aber sich nicht wiederholen. Alles scheint mit viel Liebe bis ins allerletzte Detail sorgsam geplant, sei es das Akkordeon beim partytauglichen „Better Living“ oder die stimmstrapazierenden Höhen von „Failed On You“.

Ob jetzt der Titel „StillNo1“ die Vorherrschaft der Ingolstädter im deutschen Indie-Rock bedeuten soll, oder der vergessene Punkt vor der Ziffer auf genau das Gegenteil hinweist – keine Ahnung. Unendlicher Spielraum für Interpretationen. Ich hingegen bin vernarrt in die unerhörte Vielschichtigkeit dieses Albums und legitime Rückmeldung zur eigenen musikalischen Schöpfungskraft nach dem Theaterausflug in die „Dreigroschenoper“.

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{ 4 Kommentare… read them below or add one }

1 RockinBen Januar 21, 2008 um 11:02 Uhr

Das Album muss ja richtig gut sein! Oder ist das nur Geschleime damit die Band Dich beim anstehenden Interview-Termin nicht auffrisst 😉

2 Sterereo Januar 21, 2008 um 13:33 Uhr

Nein, daran liegt das nicht. Du Schelm, der sowas dabei denkt! Wäre das Album richtig schlecht, oder nicht so gut, wie es ist, ich würde es schreiben. Allerdings handelt es sich hier um eine klasse Scheibe der Schlampenjungs, die meine Freude aufs Gespräch und Konzert auch nochmal um einiges gesteigert hat. Also hinhören, hier spielen Slut wieder ihre Qualität aus, wer vorheriges mag wird dieses Album (umso) mehr mögen!

Achja: VÖ ist am Freitag, 25. Januar!

3 Hififi Januar 21, 2008 um 19:54 Uhr

Ich für meinen Teil finde „Lookbook“ mittlerweile grässlich.

4 RockinBen Januar 22, 2008 um 17:41 Uhr

Geschmack ändert sich manchmal… Sind aber irgendwie auch mehr so ne Mädchenband… Zumindest wenn ich von meinem Bekanntenkreis auf die allgemeine Verteilung der Slut-Hörer übertrage. Aber davon bekommen wir ja bald einen Bericht 🙂

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