Slut – Köln, Underground 22.01.08

von Sterereo am 23. Januar 2008

in Feierlichkeiten

Haufenweise Röhrenjeans, Seitenscheitel, Schlips- und Chucksträger pilgern durch Kölns Nacht. Die meisten ohne Blick für das Plakat am Underground, wo in schwarzen Lettern „Slut – Soldout“ prangert. Nein, sie wollen den Drogen-Messiahs sehen, wie er launisch wenige Mid-Tempo Nummern in die nahe gelegene Live-Music-Hall rotzt. Ich nicht.

Für diesen Abend freue ich mich darauf zu sehen, wie die das spannende Album „StillNo1“, mit seiner geballten Instrumentenfront, auf der Bühne in Angriff genommen wird. Noch vor dem Interview erfahre ich durch die kurze Irritation seitens Bassist Gerd Rosenacker („Bist du die Trompete?“ – „Nein, trotzdem Danke“), dass es wohl an diesem Abend an Blasmusikern mangelt. In jeder Stadt hatten bisher örtliche Musiker die Chance Slut während „Say Yes To Everything“ den Marsch zu blasen. Leider nicht in Köln. Schade.

Dafür schwingen sich die fünf Ingolstädter während des Auftritts in einem fröhlichem Ringelrein von einem Keyboard zum nächsten, Schlagzeuger Matthias Neuburger klettert aus dem Halbkreis von Becken und Trommeln ans Xylophon und Gitarrist Rainer Schaller rotiert fleißig seine Saiteninstrumente. Gezollter Tribut an den breiten Sound des neusten Schützlings, aus dessen Stücken der Bärenanteil der ersten Sethälfte besteht. Da die Platte selbst noch gar nicht im Ladenregal zu ergattern ist, zeigt sich das aneinandergeschmiegte Kölner Publikum eher verhalten begeistert. Obwohl es sich erahnen lässt, welche Freudenstürme in Zukunft Songs wie „Come On“ oder „Better Living“ heraufbeschwören können. Zwar sitzt hier noch nicht alles, Sänger Christian Neuburger darf mit dem Akkordeon noch etwas üben, doch die Ingolstädter spielen sich augenscheinlich warm. Titelsong des vier Jahre älteren „All We Need Is Silence“ wird gebührend bekreischt, ebenso wie die digitale Vorab-Single „Wednesday“.

Die Post geht erst so richtig während der Zugaben ab. Bei „Mackie Messer“ lernen wir, dass der Haifisch Zähne hat und bei „Why Pourquoi“, dass zu Slut gehüpft werden darf. Einziger Lookbook-Track sollte „Caretaker’s Dream“ sein, bis ein noch älteres Sammlerstück der Fans erster Stunde den endgültigen Schlussakkord liefert, ohne den manch einer nicht nach Hause gegangen wäre: „Cloudy Day“.

Bleibt die Erkenntnis, dass in den neuen Stücken von Seiten der Band und Publikum noch einiges an Abrock-Potenzial schlummert. Bis März dürfen also alle Beteiligten die neuen Songs einstudieren und der kommenden Tour entgegen fiebern.

Foto: Gerald von Foris (Pressefreigaben)

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