Simian Mobile Disco – Karlstorbahnhof Heidelberg, 22.10.2009

von Kathy am 30. Oktober 2009

in Feierlichkeiten

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„Ich komme dann um 12 Uhr nach, wenn Simian Mobile Disco loslegt. Die DJs spare ich mir.“ freut sich der Parkplatzwärter beim Abstellen des Autos. Kurzzeitig macht sich Angst breit, wohwissend, wie früh der Wecker am nächsten Tag klingelt. Zum Glück sollte er sich getäuscht und folglich das Konzert vermutlich verpasst haben.

So eine mobile Disco ist eine feine Sache. Ein riesiger Synthesizer für die Musik, an deren Reglern und Knöpfen ständig rumgedrückt und -gedreht wird und der optisch an das Cockpit einer Boeing 747 erinnert. Eine ebenso beeindruckende Installation für die Lichteffekte, die abwechselnd weiss, grün oder rot leuchtet um eine Symbiose mit dem Rhythmus einzugehen. Obendrauf natürlich die DJs James Ford und Jas Shaw, ehemalige Mitglieder von Simian, heutzutage zu zweit als Simian Mobile Disco unterwegs. Innerhalb kürzester Zeit steht kein Bein mehr still, der Auftritt ist eine große Party, der Karlstorbahnhof die Tanzfläche. Einzig die Tanzrichtung erinnert daran, dass da noch etwas auf der Bühne war, was man sich angucken wollte. Wobei es eigentlich nicht wirklich viel zu sehen gibt. James und Jas beim Basteln zuzusehen wird nach ein paar Liedern eher eintönig, die Darbietung lebt von den Beats und der Stimmung und Begeisterung des Publikums. Ohne Ohrstöpsel kann man sich getrost von seinem Gehör verabschieden. Die Wucht der Bässe bläst einem förmlich die Frisur weg. Das Publikum ist begeistert: „Ich höre die Scheibe seit 5 Jahren rauf und runter! Ist das heiss oder ist das heiss?“.

Als Höhepunkte des Abends seien hier „It’s the beat“, der „Attack Decay Sustain Release“ Klassiker „Hustler“ oder „Audacity of huge“ vom neuen Album „Temporary Pleasure“ zu nennen, bei denen zwar nie live eingesungen wird, die eingespielten Hooklines aber über die ein oder andere Zusammenarbeit mit weiteren großen Künstlern Aufschluss geben. Die Lieder gehen nahtlos ineinander über und mit jedem Break und erneutem Einsetzen der Beats steigt die Stimmung in der Menge. Wenn man mich vorher gefragt hätte, was ich von dem Abend erwarte, wäre genau das wohl auch meine Antwort gewesen. Fazit also: es gibt keine großen Überraschungen, aber in Sachen gute Laune und Tanzen bis zum Abwinken sind Simian Mobile Disco ganz oben mit dabei.

Das Warm Up erfolgte übrigens durch die „Young Fathers“ aus Großbritanien, die musikalisch wohl irgendwo zwischen Rap, Dub und Pop einzuordnen sind, quasi Outkast meets Beastie Boys im Boygroupstil. Da Sprechgesang von jeher nicht mein Ding ist, konnte ich mich nicht komplett für die Musik erwärmen, was die drei Hip Hopper aber locker durch ihre unbestritten kreative Performance wettgemacht haben: choreographierte Tanzschritte oder ein spontaner Breakdance Act im Zuschauerraum. Abschließend wurde noch der Tänzer des Abends aus Publikum gekürt: „Hey, what’s your name there? Matthis? You all should dance like Matthis!“

Foto: wichita-recordings.com

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