Sigur Rós – Hvarf-Heim

von Benjamin am 14. November 2007

in Musik!

Post image for Sigur Rós – Hvarf-Heim

Ein Himmel voller Geigen. Dieses Sprichwort beschreibt das Gefühl des Verliebtseins. Alles ist schön. Bei Sigur Rós hängt der Studiohimmel voller Geigen. Zumindest könnte man das meinen, wenn man Hvarf-Heim hört. Der Hvarf-Heim-Himmel hängt hier herinnen. Zumindest solange ich die Songs anhöre. Heulen könnte ich bei den Songs vom Ágætis Byrjun und vom ( ) – Album. Und tue ich auch. Brauch ich mich jawohl nicht zu schämen, dass diese Songs wunderschön sind und zu Tränen rühren und man eventuell auch noch spezielle persönliche Ereignisse mit der Musik konnotiert. Und wollte ich jetzt übertreiben, könnte ich sagen, dass ich bei den anderen Songs auch heulen muss, aber vor Enttäuschung. Natürlich ist es nicht so. Ganz so schlimm ist bei Sigur Rós noch nicht alles. Vielleicht mal geordnet der Reihe nach: Auf Hvarf kommt als erstes der Live-Klassiker „Salka“, bei dem – und bei „Í gær“ – fällt mir dieser Filmtitel „Rebel without a cause“ ein; nur sind Sigur Rós hier diejenigen, die Songs „without a cause“ schreiben. „Salka“ und „Í gær“ starten irgendwo und enden irgendwo. Sie werden nicht geboren und sie sterben nicht. Im Prinzip ist das so, als ginge man in einen Raum, in dem Musik läuft und geht dann irgendwann wieder raus; z.B. wenn es einem zu geigig wird. „Von“ übertreibt es eindeutig mit dem Gegeige und „Hafsól“ ist dann der erste Song, bei dem so richtig das Herz aufgeht; ja, hier hört man die Qualitäten Sigur Rós‘ überdeutlich: diese wunderbare Idee, den Bass mit einem Drumstick zu spielen, dieses D baut sich zu einem exzellenten Song auf, hier scheint man nicht zu ahnen, was sigurrósmäßig passieren könnte, aber auch dieser Song ist ja altbekannt. Weiter geht es dann auf Heim, die eigentlich jetzt nicht wirklich sooo anders klingt als Hvarf, ich verstehe diese Teilung nicht so ganz, als künstlerisches Konzept schon, aber vom Sound her jetzt nicht. Allerdings wird es auf Heim ganz heikel mit den Emotionen, denn da begegnet einem das starke „Samskeyti“, mit mehr Klavier und ohne Glockenspiel, aber auch mit dem Oktavwechsel nach zwei Dritteln. Danach auch schöne Versionen von „Starálfur“ und „Vaka“, beides unendlich starke Songs. Auch das Titelstück vom Ágætis Byrjun-Album ist gelungen, danach wird es aber wieder arg beliebig. „Heysátan“ ist ein schwaches Stück von einem schwachen Album und dass dann noch einmal „Von“ enthalten ist… na ja. Das ist einfach alles in allem ein bisschen zu wenig. Viel schöne Konzeptkunst mit inhaltlich altem Material, das ist schade und etwas vertan. Ich meine, Danke für die neuen Aufnahmen der schönen alten Songs, aber das kann es ja kreativ nicht gewesen sein von Sigur Rós, oder? Wo ist denn der ganze Mut abgeblieben, wo sind denn die Ideen in der Produktion von Ágætis Byrjun und – teilweise – ( ) geblieben, nur noch zuckersüße Geigen, die immergleichen Laute im Gesang, das sinushafte An- und Abschwellen in den Songs wird auf Dauer zu wenig bleiben.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: