Sidewaytown – Years In The Wall

von Hififi am 6. Januar 2010

in Musik!

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Wenn es was nun wirklich nicht häufig gibt, dann Shoegazing aus Deutschland. Und als ob dem Braten so recht niemand trauen wollte, wird im Infotext vorsichtshalber schnell der schwermissbrauchte Post Rock hinterher geschoben. Im Falle von Sidewaytown aus Berlin ist das nicht völlig verkehrt, wobei es vor allem Markus Baltes Gesang ist, der an Sigur Rós und vor allem an Jónsi Birgisson gemahnt. Das Neue ist dann wohl die Mischung (die’s macht) aus Shoegaze im Allgemeinen und dem permanent verhallten, wie verhaltenem Gesäusel, der eben an die Isländer denken lässt. Wobei vielen Sigur Rós irgendwann zu abgehoben klangen, der Bombast in Form von Streichern drohte zu dem alle Ecken und Kanten zu beseitigen, aber beispielsweise der Anfang von „Paper Walls“ würde auch auf „Ágætis Byrjun“ eine gute Figur machen. Denn die introspektiven, wie ambienten Synthies passen wie angegossen zu der nach zwei Minuten einsetzenden Wall of Sound, die natürlich Shoegaze pur atmet. Zudem wird der Fehler erfolgreich umschifft, unbedingt Tanzflächenfüller oder Quotenballaden aufs Album hieven zu wollen und so bewegt sich „Years In The Wall“ im angenehmen, wie angemessenen Midtempo-Bereich. Dort wo Schuhgestarre gerne zuhause ist und hin gehört. Selbstverständlich ist damit nicht das Gesamtkonzept verraten, dafür gibt es vielerorts Raffinessen zu entdecken. Manchmal sind einfach die Gitarren etwas „krachiger“ auftreten, als es bei handelsüblichen Vertretern der Zunft Usus ist, manchmal spielt sich gar das Schlagzeug in den Vordergrund und beugt mäandernden Harmonien vor. Wir reden hier wohlgemerkt von einem Trio (besagter Markus Baltes, Markus Stock und Fabian am Schlagzeug – von dem sich nur der Vorname auftreiben ließ), welches hier Klangschichten aufeinandertürmt, als gäbe es keine Liveauftritte. Gelobt sei der Loop, denn anders wird das zu dritt auf der Bühne nicht funktionieren. „Years In The Wall“ ist Baltes‘ dreizehntes (!) Album und dabei das Debüt von Sidewaytown, denen ich das ausdrückliche Kompliment aussprechen möchte, mit diesen zehn Songs Außerordentliches geleistet zu haben.

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