Shit Robot – From The Cradle To The Grave

von am 15. Oktober 2010

in Musik!

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40 Year Party People: Wenn ein Enddreißiger DJ sein Debütalbum aufnimmt, ist die Vorgeschichte etwas länger als sonst. Insbesondere in der schnelllebigen Elektrosparte fällt das auf, wenn es auch im Jahr 2010 reichlich Elder Statesmen, die mittlerweile in der zweiten oder dritten Reihe stehen und erzählen, dass und wie sie von Anfang an dabei waren. Marcus Lambkins Geschichte umspannt die Anfänge von Housemusic, die Kommerzialisierung, die Drogen und den Fall. Schauplätze waren und sind Dublin, New York, Stuttgart und wo er sonst alles noch aufgelegt oder gelebt hat. Dabei versuchte er sich stets von der ganz großen Dekadenz fernzuhalten, denn Trillerpfeifen, Drogenexzesse, Schicki-Micki-Clubs waren seine Sache nicht. Ihm ging es immer um die Musik: House, Krautrock, Punk, Electroclash, Synth-Pop. Er lehrte DFA den Beat und wurde ein enger Freund von LCD-Soundsystem-Mastermind James Murphy, bekanntlich einer der einflussreichsten Electro-Konsens-Popper der letzten Jahre.

Lange Vorrede, langes Album. Unter dem programmatischen Namen „From The Cradle To The Grave“ hat Lambkin neun mehr oder weniger minimalistische Housenummern versammelt, kaum eine unter der Fünfminutenmarke, die meisten deutlich darüber. Es lassen sich zahlreiche Referenzen, Anspielungen und Einflüsse erkennen, die den Tracks zum Teil etwas Retrospektives verleihen. Als wolle Lambkin die jeweilige Epoche ins Jahr 2010 zurückholen, nicht ohne sie für die heutigen Clubs aufgearbeitet zu haben.

„Grim Receiver“ krautet mit gniedeligen Can-Gitarren durch eine analog blubbernde Sumpflandschaft, „Simple Things (Work It Out)“ zappelt deephousig durchs Neonlicht und wer durch „Answering Machine“ nicht zurück in die Endachtziger Jahre gebeamt wird, der hat sie nicht erlebt. So gibt es für die alten House-Haudegen viel Nostalgie und für die Nachgeborenen viel retrospektive neue Sounds zu entdecken und abzufeiern. Ferngesteuert werden die Tracks zusätzlich durch die vielen Gastbeiträge: u.a. Juan MacLean (DFA), Alexis Taylor (Hot Chip), Nancy Wang (DFA) und vor allem der unverkennbare Ian Svenovious (Make Up, Chain And The Gang). All diese Komponenten machen From „The Cradle To The Grave“ zu einer sympathisch abgeklärten „Short History Of House Music“. Neueste Geschichte, hoch tanzbar dargereicht.

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