Seth Lakeman – Hearts And Minds

von Hififi am 24. August 2010

in Musik!

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Der Verdacht Seth Lakeman würde sich mit „Hearts And Minds“ einfach dem Zeitgeist anbiedern, ist schnell gewonnen. Dieser verfluchte Zeitgeist, der ganz unvermittelt Mumford & Sons in die Charts spült und Laura Marling auf einmal als beste Songwriterin des Hier und Jetzt ausweist, dagegen sind Marcus Mumford und Konsorten gerade einmal eine bessere Spaßkapelle. Denn Folk soll nun einmal nicht in erster Linie Laune machen, sondern gegebenenfalls aufrütteln und vor Melodien nur so strotzen. Seth Lakeman bringt den gebotenen Ernst auf ganz spielerische Weise dar, was vor allem dem ausgiebigen Einsatz der Violine(n) geschuldet ist, die wild in alle Richtungen ausbrechen und so eine relaxte Aufgeregtheit verbreiten. Was natürlich erstmal überhaupt keinen Sinn ergibt, aber die elf Songs strahlen einfach eine Ruhe aus, die sie eigentlich gar nicht in sich tragen. Die ernsten Themen seiner Texte verorten sie schnell im eigentlichen Folk-Kontext, wesentlich mehr Protest-Song als Gute Laune-Gedudel sein zu wollen. Hier geht es um die Wirtschaftskrise, die unter anderem auch in Lakemans Freundeskreis für Arbeitslose gesorgt hat. Und bei aller Getragenheit eines „Stepping Over You“ lässt es sich heraushören, denn die Stimme des Engländers transportiert trotz der warmen Klangfarbe diese Art Weltschmerz, die Kontrast ins Soundgemälde bringt und mit ein wenig Düsternis versieht. Und so erklingt während „Changes“ die Violine so wehmütig, wie wir es eigentlich von diesem Instrument gewohnt sind.

Lakeman ist seit 2002 dabei, also wirklich weit davon entfernt auf irgendeinen Zug aufgesprungen zu sein. Und wenn „Hearts And Minds“ tatsächlich sein Debüt gewesen wäre, hätte Frau Marling in ihrem Genius Konkurrenz bekommen. So ist sein fünftes Album zwar absolut genial, aber eben das Ergebnis eines musikalischen Wachsens – jetzt ist er angekommen auf dem Olymp.

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