School Of Language – Interview

von Ariane am 20. April 2008

in Interviews

Post image for School Of Language – Interview

Wärst du zu allererst so freundlich und würdest Dich, sowie School Of Language vorstellen?

Hallo! Ich bin David Brewis. Ich komme aus Sunderland, einer ehemalige Schiffsbaustadt an der Nord-Ost Küste Englands (falls Du es nicht wusstest, Sunderland ist Partnetstadt der deutschen Stadt Essen). School Of Language ist ein Projekt an dem ich gearbeitet habe, seitdem wir die Aufnahmen und die Tour zum letzten Field Music Album beendet hatten. Zwischen 2005 und 2007 haben mein Bruder Peter und ich zusammen mit unserem Freund Andy Moore 2 ½ Album unter dem Namen Field Music veröffentlich. Nach der letzten Tour fand es keiner von uns eine gute Idee direkt wieder zurück ins Studio zu gehen und an einer neuen Field Music Platte zu arbeiten, also hat seitdem jeder seine eigenen kleinen Projekte an denen er arbeitet – an manchen davon arbeiten wir zusammen, an manchen solo.

Die School Of Language Platte ist so ziemlich eine Soloplatte. Es gibt nur wenige Gastauftritte. Der Rest bin ich, alleine mit Studio mit meinen Launen und ein paar Sachen ausprobierend. Die Songs selber sind sehr viel mehr Gitarren-orientiert, als wahrscheinlich alles, was wir je mit Field Music gemacht haben. Außerdem fühlten sich die Songs sehr viel weniger als „Band“- Songs an, als ich sie geschrieben habe, dazu sind sie einfach zu verschieden und an sich unzusammenhängend. Das Zusammenspiel von Elektronik und Live-Instrumenten ist auch ein ganz anderes. Dies sicherlich, weil es die erste Platte ist, bei der ich wirklich mit dem Computer gearbeitet habe. Allerdings ist die ganze Platte wirklich auch spontaner als die Field Music Alben – ich habe sehr viel mehr „Fehler“ drin gelassen.

Du hast gerade erst dein Debutalbum „Sea From Shore“ veröffentlich und dies ist deine erste Tour in Deutschland. Hast du irgendwelche speziellen Erwartungen?

Ich habe wirklich keine Ahnung, was ich erwarten soll – ich habe mir über die Jahre beigebracht, mir nicht zu versuchen vorzustellen, wie eine Show sein wird. Wir haben in der Vergangenheit so wenige Konzerte mit Field Music in Deutschland gespielt, dass es sich jetzt wie ein Sprung in das Ungewissen anfühlt. Ich hoffe einfach, dass es ein paar Leute gibt, die die School Of Language Platte schon kennen, genauso, wie ich hoffe, dass es auch welche gibt, die Field Music schon kennen und dass wir einfach wirklich gut spielen werden.

Das School Of Language Live-Setup ist recht einfach – die Musik selber ist schon kompliziert genug ohne dass wir versuchen sie kompliziert zu spielen, also, so hoffe ich, werden wir nicht zu gestresst sein und einfach Spaß beim Spielen haben.

Du hast deine ersten Konzerte außerhalb von England in den USA gespielt. Gab es dafür einen besonderen Grund?

Die Konzerte in den USA waren, ehrlich gesagt, die ersten School Of Language Konzerte als vollständige Band überhaupt. Thrill Jockey haben für mich Kontakt mit einem Bassisten und Drummer aufgenommen um auf deren 15. Geburtstag im vergangenen Dezember zu spielen. Es hat wirklich gut geklappt, obwohl wir nur einmal Zeit zum Proben hatten. Als dann die Möglichkeit zu einer ganzen Tour vor der Tür stand, habe ich meine Sachen gepackt und bin das ganze angegangen.

Alle Shows in England waren bis jetzt reine Solo-Shows – es hat einige Zeit gedauert den besten Weg zu finden auf dieser Seite des Atlantiks wirkliche Bandgigs zu spielen. Sunderland ist ein recht kleiner Ort in der Beziehung – es gibt einfach nicht viele gute Musiker, die nur rumhängen und sonst nichts zu tun haben. Ich hatte Glück, dass die Leute, die ich für die Band haben wollte (mein Bruder Peter und Neil Basset von Former Cellmates und The Golden Virgins) Zeit und Lust hatten, mit mir zu arbeiten. Bis jetzt hatten wir allerdings nicht viel Zeit zum Proben, ich habe hier und da ein paar Konzerte gespielt und die beiden anderen waren ebenso mit anderen Dingen beschäftigt.

Da wir eben von den USA gesprochen haben: Da du aus dem Nord-Osten von England kommst, hast du einen relativ starken Akzent. Glaubst du, das ist etwas, das hilft, wenn man als Musiker bemerkt werden möchte oder wird man eher abgestempelt?

Ich bin mir nicht so sicher ob die Leute das wirklich so bemerken. Für Sunderland-Verhältnisse habe ich einen ziemlich weichen Akzent – oft werde ich von Leuten gefragt, ob ich nicht woanders herkomme. In Bezug auf die USA denke ich nicht, dass mein Akzent einen negativen Effekt hat. Wenn überhaupt, habe ich das Gefühl, empfinden es die meisten eher als interessant (wie bei jeden erkennbaren, regionalen britischen Akzent). Der einzige Ort, wo Leute manchmal eher negatives mit dem „north-east“-Akzent assoziieren sind andere Teile von England. Ich denke, es gibt immer noch eine kleine Anzahl von Leuten in der Musikindustrie, die nicht mit dem Gedanken klarkommen, dass auch Leute aus der Arbeiterschicht im Norden sich gewählt ausdrücken können und auch die Geschäftswelt verstehen.

Kannst du mir ein bisschen mehr zu deinem Album erzählen?

Das ist wirklich eine schwierige Frage. Ich habe wahrscheinlich schon die wichtigsten Aspekte des Albums und der Musik genannt. Ich finde es schwer über die Texte zu reden. Ich ergründe selber noch bei einigen um was es da geht. Viele der Songs handeln davon, dass man auf anderen Menschen angewiesen ist und sich andere auch auf einen selber verlassen und wie das mit der ganzen Idee von Unabhängigkeit zusammenspielt. „Marine Life“ handelt speziell davon, wie sehr mich meine Eltern unterstützt haben, besonders innerhalb der letzten paar Jahre, die ein wenig turbulent gewesen sind. „Disappointment ’99“ und „Poor Boy“ beziehen sich zu Teilen darauf, wie seltsam die Musikindustrie ist und wie dünn die Grenze zwischen Vertrauen und Naivität oder Idealismus und Pragmatismus ist. „Ships“, könnte man sagen, befasst sich damit, wie Sunderland sich über die Schiffbausindustrie definiert hat und wie schwierig es geworden ist, noch lokalen Stolz für die Stadt zu empfinden und sich mit ihr zu identifizieren, seitdem die Werften geschlossen wurden.

Du hast die Myspace Seite für School Of Language nicht lange nach der Bekanntgabe der Pause von Field Music erstellt. Wann hast du angefangen an deinem neuen Projekt zu arbeiten und wo genau liegt der unterschied zu Field Music?

Nun, ich hoffe du meinst eine befristete Pause und nicht eine endgültige Trennung, denn wir denken sicherlich nicht, dass wir uns getrennt haben! Tatsächlich habe ich das Myspace-Profil für School Of Language erstellt, bevor wir die Arbeiten zu unserem Album „Tones Of Towns“ abgeschlossen hatten, hauptsächlich, weil ich den guten Bandnamen nicht verschwenden wollte, selbst wenn ich da noch keinerlei konkrete Pläne hatte, ihn zu gebrauchen. Ich habe die ersten Songs für das School Of Language Album im Herbst 2006 geschrieben, also bevor wir „Tones Of Town“ veröffentlich haben. Ernsthaft angefangen an den Aufnahmen zu arbeiten habe ich im April 2007, nachdem wir von der Tour zurück waren. Hauptsächlich ist School Of Language anders, weil es sich dabei nicht um eine Band handelt. Das Album hätte so auch gar nicht von einer Band gemacht werden können, denn ich habe versucht den Zeitabstand zwischen dem schreiben eines Songs in meinem Kopf und dem festhalten des Songs auf Platte zu verkleinern.

Ob bei Field Music oder jetzt mit School Of Language, die Bezeichnung „Band“ scheint mit dem Namen Brewis nicht gut einher zu gehen. „Projekt“ wird eher bevorzugt. Warum diese Abneigung? Als Field Musik die Pause bekannt gegeben haben, war das zum Teil, weil Leute angefangen haben, das Projekt nach dem zweiten Album in ein bestimmtes Genre zu stecken. Denkst du, dass die Bezeichnung „Band“ im Gegensatz zu „Projekt“ einen im musikalischen Arbeiten eher einschränkt?

Ich wünschte, es gäbe ein anderes Wort! Eine Band beinhaltet, für mich, einen Haufen Typen, der in einem Raum sitzt. Einer von denen kommt mit ein paar Akkorden und ein paar Worten an und alle spielen sie solange, bis ein anderer mit einer weiteren Idee kommt. Ich denke diese Vorgehensweise führt in den seltensten Fällen dazu, dass die Leute in Bands über ihre Grenzen hinausgehen – sie arbeiten ausschließlich innerhalb des ihnen Bekannten, auch was ihre Instrumente angeht. Weder ich, noch Peter schreiben Musik so. Wir „jamen“ nicht. NIE! Wir tendieren eher dazu, eine ziemlich gute Idee davon zu haben, wie das fertige Produkt aussehen soll, bevor wir den Song dem Rest der Band präsentieren. Es ist ziemlich leicht als Band in den Köpfen der Menschen stilistisch reduziert zu werden und was dann kommt, ist der Druck den Erwartungen anderer Leute gerecht zu werden, wie man sich anhören sollte. Das kann einen sehr einschränken, wenn die Leute entschieden haben, dass dein erstes Album wie „sonniger, poppiger“ Indie klingt, du selber aber viel mehr an dem eigenwilligen musikalischen Grundgerüst, den Dissonanzen und Jazzmelodien auf der Platte interessiert bist. So wie es im Moment aussieht, wissen die Leute nicht, was sie von uns erwarten sollen. In ein paar Jahren werden anspruchsvolle Musikfans hoffentlich nur noch „Oh, einer der Typen von Field Music hat eine neue Platte gemach, die könnte gut sein, aber auf jeden Fall interessant“ sagen. Das ist das einzige Genre zu dem ich zählen möchte: Gut und interessant.

Der Opener auf deinem Album ist „Rockist Pt 1“. Dann gibt es da noch „Rockist Pt2“ und „Rockist Pt3“. Als ich mir dein Album das erste angehört habe, war ich schon etwas irritiert. Aber dann habe ich mir die einzelnen Parts hintereinander angehört und sie haben einen Sinn ergeben (ungefähr so, als stünde ein einzelner Song für jeweils einen möglichen Part eines ganzen Songs). „Rockist Pt 4“ am Ende scheint ein alle die verschiedenen Elemente der anderen Parts zu vereinen (korrigier mich bitte, falls ich das falsch sehe). Was ist die hauptsächliche Idee hinter „Rockist“ und gibt es einen bestimmten Grund dafür, dass du die einzelnen Parts nicht zusammen gelassen, sondern über den Anfang und das Ende des Albums verteilt hast?

Ich weiß, ich hab sie „Parts“ genannt. Abgesehen von 1 und 4 sind sie alle aber eigentlich eigenständige Songs, Songs mit einer Menge ähnlicher musikalischer und/oder textlicher Ideen. Wenn ich Songs schreibe, ist das ein wenig, als würde ich ein Spinnennetz spinnen. Ich fange mit einem Strang an und weitere eingeflochtene Stränge breiten sich von diesem einen Strang aus und füllen alle Lücken aus, bis das Netzt fertig ist. Mit „Rockist“ haben sich ein paar dieser Stränge zu eigenen kleinen Netzen entwickelt. Part 4 sehe ich eigentlich nicht unbedingt als eine Art Zusammenfassung der anderen. Ich hatte diese Einzelteile Musik, die ich „Rockist“ nannte, die aber gar nichts mit Rock-Musik zu tun hatten. Mit Part 4 umarme ich sozusagen „den Rock-Song“, wobei die anderen fast Kommentare gegenüber Rock Musik sind. Part 4 ist eine Art Antwort bezogen auf die einfachen Freuden des Rock’n’Rolls. Warum er so gut ist, warum er funktioniert, warum Einfachheit manchmal am besten ist, warum laute Gitarren und eine gut platzierte Triangel manchmal ein Problem lösen können, während eine clevere Akkordabfolge dies nicht vermag. Ich mag auch die Komplexität und ich will sicherlich nicht alberne, nichtssagende Musik machen, aber diese kleine Homage meinerseits an Aerosmith schien eine gute Art das Album abzuschließen.

Dein Album, oder School Of Language an sich, folgt nicht gerade den eigentlichen Regeln der modernen und profitorientierten Musikindustrie. Ich habe mit ein paar Leuten gesprochen, die dein Album nicht mögen, weil es nicht so leicht zugänglich ist. Das hört sich für mich ein bisschen wie eine Ausreden an, sich weiterhin mit „bubblegum-indie-pop“ zu begnügen und sich nicht mit echten Musikern herumschlagen zu müssen. Persönlich habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass mich Platten, die ich eventuell zwei oder drei mal mehr hören muss, bevor sie sich mir gänzlich erschließen, viel länger gut unterhalten, als der neueste Song einer weiteren neuen, jungen Band, die gerade einen Plattenvertrag unterschrieben hat und gleich auf Platz 1 der Charts geschossen ist. Möchtest du dazu vielleicht etwas sagen?

Es gibt verschiedene Menschen, die ganz verschiedene Arten von Musik auf ebenso verschiedenen Ebenen hören möchten. Ich versuche die Art von Musik zu machen, die ich mir anhören möchte, etwas, dass mich direkt anspricht, aber ansprechend auch nur in Teilen, da ich weiß, dass ich beim ersten hören nicht gleich alles verstehen kann und so sehr viel Spaß dabei haben werden, mir die Platte immer und immer wieder an zu hören, bis sich schließlich alle verschiedenen Ideen entfaltet haben. Ich verstehe durchaus, warum Leute sich Sachen anhören wollen, die sie vom Fleck weg verstehen und in einer Indie-Disco zu herumspringen können. Für mich gibt es jedoch nichts langweiligeres, als Musik, die mich beim ersten hören packt. Ich bin fast gänzlich immun gegen diese Art von Musik, mein Gehirn schaltet einfach ab. Ich denke es ist scheinheilig eine Platte zu loben auf der einzigen Basis, dass die „catchy“ ist – es gibt so viele furchtbare Songs, die unglaublich „catchy“ sind. Wenn „catchy“ so sehr gefällt, warum nicht einfach sich die Osmonds oder Boyzone anhören. Es ist simpel, aber ich denke „catchy“ könnte man als etwas bekanntes, einfaches und ständig Wiederholtes bezeichnen. Ich liebe Pop-Musik, aber ich möchte auch, dass sie ein Mix aus dem Bekannten und das Ungewöhnlichen ist, wie zum Beispiel der beste Neptunes Stücken („Milkshake“ by Kelis), oder „Good Vibrations“, ebenso wie „Bohemian Rhapsody“ oder „Strawberry Fields Forever“.

Letzte Frage. Es ist natürlich sehr früh, aber gibt es schon irgendwelche nahen Zukunftspläne für School Of Language? Oder vielleicht sogar einige Pläne Field Music betreffend?

Die sehr nahe Zukunft von School Of Language wird ein Sommer voller Live Shows sein. Danach hoffe ich genug neue Songs für ein zweites Album zu schreiben. Es wäre besonders gut, wenn dies geschehen würde, bevor ich kein Geld mehr habe und mir wieder einen Vollzeit-Job suchen müsste. Es ist sehr viel leichter ein Album zusammen zu stellen, wenn du nicht von 9:00 – 17:00 arbeitest). Wir werden außerdem ein wenig touren um das neue Album meines Bruders („The Week That Was“) zu promoten, das im August oder September veröffentlich werden soll. Wirkliche Pläne auf Field Music bezogen gibt es der Zeit nicht. Mich würde es aber nicht wundern, wenn wir irgendwann nächstes Jahr ein paar Konzerte spielen würden. Ich denke es wird aber noch ein wenig länger dauern, bevor wir ein weiteres Field Music Album in Angriff nehmen werden. Der Hauptplan ist beschäftigt zu bleiben und viel Musik zu machen, wobei ich hoffe, dass dies alles gut und interessant wird.

Share Button

{ 1 Kommentar… read it below or add one }

1 Iain April 21, 2008 um 10:33 Uhr

sehr gesprächiger junger mann ;o)

Previous post:

Next post: