Ryan Adams and the Cardinals – Cold Roses

von am 25. Mai 2007

in Musik!

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Rückblickend betrachtet war es ein Glückstag für Ryan’s Songwriting, als er bei seiner „Rock ’n‘ Toll“ Tour 2003 bei einem Konzert in Liverpool von der Bühne fiel und sich das Handgelenk brach. Ok, es folgte eine mühevolle Reha und eine fast 2-jährige Karrierepause. Diese Pause nutzte er allerdings nicht für Selbstmitleid, sondern dazu sein Gittarenspiel zu verbessern, seine Probleme mit Drogen und Alkohol in den Griff zu bekommen und um viele neue Songs zu schreiben. Ryan begab sich in die Hände von J.P. Bowersock (Gitarren-Guru der Strokes) und lernte viele neue Kniffe. Besagter J.P. Bowersock ist bekanntlich nun auch Mitglied von Ryan’s Band den Cardinals, zu denen sich auch Ryan’s großes Vorbild Neal Casal gesellte. Großartige Voraussetzungen also für ein großartiges Comeback-Album „Cold Roses“ im Frühling 2005 (2 weitere sollten im selben Jahr noch folgen).

Großartig trifft auch die Stimmung des ersten Songs. Magnolia Mountain geleitet sanft in das Album. Ein ruhiger Song in klassischer Americana-Tradition, bei dem Ryan, wie auch auf dem größten Teil des Albums, gesanglich von der wundervollen Catherine Popper begleitet wird. Magnolia Mountain mündet in breiter Instrumentierung und bereitet den Klangteppich für die folgenden Songs.

Sweet Confusion greift die Eingangsstimmung mit einer kleinen Geschichte von den Irrungen und Wirrungen der Liebe, wieder auf und markiert and dieser Stelle schon das zweite Highlight des Albums und einer von Ryan’s besten Songs.

So kann es weiter gehen, denkt sich der Hörer und wird nicht enttäuscht. Es folgt

Meadowlake Street, ein ruhiges, getragenes Kleinod, das sich gegen Ende zum nächsten Höhepunkt zuspitzt. When will you come back home?, die nächste Ballade, die rein der Stimmung nach genauso gut auf Love is Hell hätte unterkommen können, auf der aber auch deutlich der Einfluss der Cardinals auf das Songwriting erkennbar ist. Das wird auch bei Beautiful Sorta klar, ein rotziger kleiner Country-Song, der einem ins Gesicht springt, als wolle Ryan sagen, na und, dann war mein Handgelenk eben gebrochen, ich bin trotzdem zurück!

Now that You’re gone könnte auch von Heartbreaker stammen und zeigt, dass Ryan immer noch am Schönsten jammern kann. Cherry Lane greift wieder das Tempo von Beautiful Sorta auf, ein Glas zerspringt, und die erste CD neigt sich langsam dem Ende. Allerdings nicht, bevor mit Mockingbirdsing und How do you keep love alive noch zwei hochkarätige Balladen hinterher geschoben werden. Sagte ich die erste CD. Ja, Cold Roses ist ein Doppelalbum.

Die zweite CD startet mit Easy Plateau, einem kleinen Song, der irgendwo zwischen Country, Folk und David Bowies The Man Who Sold the World steht. Easy Plateau ist zwar nicht das Highlight des Albums (aber davon gibt es ja auch schon genug), er schafft es dennoch die Gesamtstimmung des Albums weiter zu transportieren und den Boden für das nächste Highlight zu schaffen. Let it Ride, mein persönlicher Lieblingssong des Albums (und Klingelton) führt optimistischer und mit höherem Tempo durch eine kleine typisch amerikanische Geschichte. Bei Rosebud lässt das Album wieder etwas nach, ähnlich Easy Plateau, allerdings kann man spätestens beim folgenden Song darüber hinweg sehen.

Cold Roses, der Titelsong des Albums, hätte auch das Album eröffnen können und funktioniert vom Songwriting ähnlich, wie die ersten beiden Tracks, nur dass Ryan noch schöner jault. If I am a Stranger jagt den Hörer nach dem ruhigeren Vorgängertrack gleich in das nächste Folk-Country-Americana-Stück, ähnlich Let it Ride, das nächste Highlight.

Dance all night, Blossom, Life is Beautiful und Friends, dreirecht unterschiedliche Songs folgen, jeder besitzt Ähnlichkeit mit einem Song der ersten CD-Hälfte und verdichtet die Gesamtstimmung des Albums zusehends. Im letzten Track Tonight, ein Song, der auch von Rock ’n‘ Roll stammen könnte, wird noch einmal das Tempo erhöht, ein wenig abgerockt und der Hörer am Ende versöhnlich und zufrieden zurück gelassen.

Wir lernen,

1. Manchmal sind vermeintliche Schicksalsschläge für einen Künstler vielleicht auch nur eine Möglichkeit, sich neu zu definieren und mit einem Knall zurück zu kehren.

2. Ryan Adams kann nicht selektieren, das erklärt den Umfang des Albums und die paar eher durchschnittlichen Songs, die es auf’s Album geschafft haben.

3. Ryan schreibt keine durchschnittlichen Songs, nur Songs, die sich gegen die Überhighlights nur schwerer profilieren können.

4. Ryan mit den Cardinals ist vielleicht sogar besser als Ryan solo!?

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{ 1 Kommentar… read it below or add one }

1 JonesKorn September 21, 2007 um 17:55 Uhr

Das Album habe ich kürzlich gebraucht für lumpige sieben Euronen und in einem Topzustand erworben (als ich es sah, kam mir die Rezi hier in den Sinn). Gefällt 🙂

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