Ryan Adams – 29

von Hififi am 20. Mai 2007

in Musik!

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Irgendwie war es ja klar, irgendwann würde man sich mit ihm auseinandersetzen müssen, dem Wunderkind des Singer/Songwritertums. Das ich nun „29“ gewählt habe, ist purer Zufall, allerdings interessant, da der Zufall nun so wollte, dass ich es mit einem puren Soloalbum ohne seine Stammband The Cardinals zu tun bekommen habe. Dementsprechend regieren die leisen Töne, das Hauptaugenmerk liegt auf Klavier und Akustikgitarre und dem ungemein wandelbaren Organ des Protagonisten. Er kann wirklich alles, Blues, Country, Folk und das alles ganz spielerisch hintereinander. „29“ ist schon eher heterogen, nicht aus einem Guss, aber das macht auch einen gewissen Reiz aus und Adams zeigt einmal mehr, dass er einfach alles kann.

Der Titeltrack und zugleich Opener ist ein wütender und dreckiger Brocken Blues, den Adams mit seiner Akustischen beginnt, um ihn in einem einzigen Solo und unter Geschrei zu beenden. Und wenn mit „Strawberry Wine“ auf einmal ein achtminütiges Epos Marke Dylan auf den Hörer wartet, ist dieser natürlich erstmal verwirrt und so geht es auch weiter, versprochen. „Nightbirds“ ist schon wieder völlig anders, leise und verträumt, geheimnisvoll und verstörend setzt Adams seine Verse und steuert langsam dem Gänsehaut-Finale eines einzigartigen Songs entgegen. Die Zeile „But we sink/ into the ocean“ ist mit einem Delay unterlegt, das mir immer wieder Schauer über den Rücken jagt und als sei das alles nicht genug, jagt er ein Gitarrenfeedback hinterher, dass mir endgültig die Kinnlade herunterklappt. „Carolina Rain“ ist wiederum purer Country, den mit Sicherheit auch die Cold War Kids gehört haben dürften, denn hier gibt es wirklich etliche Gemeinsamkeiten zu entdecken. Müßig zu erwähnen, dass ich, wenn (natürlich rein hypothetisch), von einem der besseren CWK-Song spreche. „The Sadness is mine“ brüllt es einem entgegen, hier beschäftigt sich der Herr mit mexikanischen Mariachi-Klängen und lässt seinem Frust freien Lauf um mit „Elizabeth, You Were Born To Play That Part“ gleich danach einen unglaublich schönen Schmachtfetzen auf den Hörer los zu lassen. Das ist natürlich auch ungemein pathetisch und genau der Grund, weshalb manche Kritiker ihm gerne einen Strick drehen würden, aber das wäre nicht fair. Dieser Song erinnert in seiner Intensität und Melancholie an Damien Rice, aber lässt den ganzen schnöden Streicherbombast außen vor und das sorgt für einige Pluspunkte. Das abschließende „Voices“ hätte es zugegebenermaßen nicht mehr gebraucht, da der Meister zu den Klängen seiner Klampfe ein wenig uninspiriert herumjodelt, was diese Album eigentlich nicht wirklich schmälert. Außerdem macht es Ryan Adams ein wenig sympathischer, da er wohl doch nicht immer 100%ig richtig liegt.

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1 Ariane.S Mai 21, 2007 um 22:45 Uhr

Als Vorbereitung auf das neue am 22. Juni erscheinende Album Easy Tiger ne Top-Aktuelle Rezension und einen Freund (riesen Ryan Adams Fan) hat sie sogar dazu bewegt 29 mal wieder auszupacken, nachdem dort seit Monaten nur Cold Roses von Ryan und den Cardinals und 9 von Damien Rice im Wechsel zu finden waren :o)

2 Hififi Mai 22, 2007 um 16:55 Uhr

Na, das hört man doch gern!

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