Rumen Welco, I Never Learned To Raise My Fist

von am 15. Dezember 2009

in Musik!

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„Aufregend wie eine Runde Cross-Country-Golf im Einkaufszentrum” werden Rumen Welco auf ihrer Myspace-Seite beschrieben. Wer da J. Mascis mit Dinosaur Jr. im Kopf hat, wie sie zu Feel The Pain im Golfbuggy durch die City cruisen und das ganze Areal samt Wolkenkratzern und Malls zu ihrem Territorium erklären, ist schon sehr nah dran. Nur dass hier alles eine Nummer kleiner und vor allem friedlicher ausfällt. Auf I Never Learned To Raise My Fist kommen keine Passanten zu Schaden. Wie auch? Rumen Welco sind Slacker, wie sie in den Neunziger Jahren an jeder Straßenecke standen. Heute ist diese Spezies eher selten geworden: Mehr Leistung, mehr Vermarktung, mehr Mehr. Und so befinden sich die musikalischen Bezugspunkte eher in der (jüngeren) Vergangenheit Amerikas: Pavement, Smog, Howe Gelb, oder frühere Wilco – man beachte die wunderbar schiefen Gitarren in Marylou. Vor allem die weniger schrägen, eher folkigen Songs von Stephen Malkmus & Co werden immer wieder zitiert und liebevoll nachgezeichnet. So klingt der Albumstarter Manipulation wie ein gedrosselter Hybrid aus Major Leagues und Carrot Rope. Bemerkenswert ist der Umstand, dass sich Rumen Welco in ihrer innigen Liebe zum Americana-Sound, einen leichten – typisch deutschen – Touch von künstlerhafter Kopflastigkeit bewahren, die sie eine Brücke von ihrer Heimatstadt Dresden weit über den Atlantik schlagen lässt und somit auf subtile Weise einzigartig macht. Als säße ein Bandmitglied an der Westküste Amerikas und bliese mit einem gewaltigen Blasebalg Ideen über das Meer, die schließlich tief im Osten Deutschlands als wohltemperierter Strom in den Songs auf I Never Learned To Raise My Fist landen. Bewegender, altmodischer, hierzulande dringend benötigter Westwind, der zu Herzen geht.

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