Rock am Bad – Schöppingen, 06.06.08

von am 9. Juni 2008

in Feierlichkeiten

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In seinem dritten Jahr lockte das kleine Rock am Bad Festival in Schöppingen mit seinem bisher besten Line-Up die Jugend der umliegenden Dörfer ans Schöppinger Hallenbad, um sich gepflegten Indie anzuhören. Nach relativ gutem Start 2006 mit Revolverheld, Karpatenhund und AK4711 und bisherigem Tiefpunkt 2007 mit AC/DC, Guns’N’Roses und Kiss Coverbands dieses Jahr mit den skandinavischen Rockern von Grand Island, den belgischen Mintzkov, den Dresdnern von Polarkreis 18 und den Shout Out Louds aus Schweden.

Nachdem man das Festival nach 2007 also eigentlich abschreiben konnte, dieses Jahr ein erfrischend gutes Booking, gefördert wahrscheinlich auch durch gute Kontakte zu Haldern-Pop, auf deren Label an diesem Nachmittag gleich drei von vier Bands gesignt sind. Eröffnen durften die uns bisher völlig unbekannten Grand Island, leider sind wir nun auch nicht viel schlauer, da wir zur gleichen Zeit ein Interview mit Philipp und Christian von Polarkreis 18 führten, aber soviel ließ sich bei zwei Songs, die wir noch mitbekamen sagen, Grand Island machen ganz nette Rockmusik mit einer Prise Country, zur Eröffnung eines Festivals immer ganz gut geeignet die Stimmung ein wenig zu lockern und natürlich den Bierverkauf anzuregen. Die 200, die schon da waren schienen zumindest ganz angetan.

Nach kurzer Umbaupause betraten dann die Belgier Mintzkov die Bühne mit einem Sänger, der rein optisch eine Mischung aus Conor Oberst, Hugh Grant und Brian Molko darstellte, also was für die Ladies, bei näherem Hinsehen dann aber doch schon etwas verbraucht. Witzig an Mintzkov, vorne auf der Bühne platzierten sie einen zerfetzten Autoreifen mit Mintzkov Aufkleber. Auf dem Weg nach Schöppingen hätten sie einen Unfall gehabt und wären überglücklich heil angekommen zu sein. Neben dieser netten Anekdote war die Musik von Mintzkov dann auch ganz hübsch für einen Freitagnachmittag mit Sonnenschein. Sie präsentierten eine gut durchdachte Interpretation der frühen Placebo, allerdings ohne quäkenden Gesang, oder arg schreiende Gitarren. Sänger und Bassistin wechseln sich ab und zu mit dem Gesang ab und sorgen so für Kurzweil und schaffen so eine etwas stärkere Abgrenzung zu Placebo. Die Songs waren so dann auch eingängig und die Stimmung erreichte einen Status der Aufhellung, der mit dem satten blau des Himmels mithalten konnte.

Nur rein namentlich unpassend zum Sommerabend als dritte Band und Highlight des Abends im Anschluss Polarkreis 18, die sich gleich von Anfang an ins Zeug legten, obwohl ihr ungewohnter Sound doch noch für leichte Verwunderung beim Schöppinger Publkium sorgte. Die Verwunderung ließ aber auch schnell nach und es wurde vielerorts mitgetanzt oder zumindest mitgewippt, unverkennbar dennoch, dass 75% des Publikums einzig für den Headliner Shout Out Louds da waren. Davon ließ sich das Dresdner Sextett aber nicht aus der Ruhe bringen, lieferte eine gute Show mit alten und neuen Songs ab und kam sogar für zwei Zugaben zurück. Felix Solo am Piano und der größte Hit „Dreamdancer“, der vom Publikum, dann allerdings nicht wie erwartet abgefeiert wurde, ein Großteil war nämlich wieder an die Bierstände zurückgekehrt, ganz eindeutig in der Absicht sich noch ein letztes Mal für die Shout Out Louds zu stärken.

Die Shout Out Louds, die wir zuvor im Hallenbad nur in Badehosen gesehen hatten traten dann auch zum Glück, bzw. zum Bedauern (man will ja jeder Auffassung gerecht werden) des Publikums vollständig bekleidet auf. Zum Set lässt sich sagen, dass der frische Indierock von den Shout Out Louds auf dem Debütalbum eindeutig mehr mitgerissen hat, als bei ihrem Zweitwerk, so feierte das Publikum die alten Hits dann wie erwartet ab, „Please Please Please“ markierte dann den Höhepunkt. Leichte Zurückhaltung gab es dann bei den neueren Songs. Insgesamt wirkte das Set etwas sehr runtergespult und routiniert, nicht mehr so energiegeladen, frisch und fröhlich, wie etwa 2005 im Gleis 22. Schade eigentlich. Insgesamt also ein schöner Abend in der Provinz und ein Festival Line-Up, bei dem es die Macher schwer haben werden, es im nächsten Jahr zu übertreffen, aber das ist jetzt kein Grund für Coverbands, Richard!

Fotos bei aatsphotography

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