Robin Guthrie – Carousel

von am 4. September 2009

in Musik!

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Robin Guthrie ist zweifellos eine Koryphäe auf dem Gebiet des ätherischen Dreampop. Als Mitbegründer der Cocteau Twins prägt der gebürtige Schotte nun schon seit über zwanzig Jahre das Genre des ambientartigen Electro-Dreampop. Als Multiinstrumentalist und Produzent war er an zahlreichen Projekten beteiligt: Ob bei den 90er-Jahre Shoegazern Chapterhouse, Lush und Medicine, seinen jüngsten Kollaborationen mit Ex-Ride-Sänger Mark Gardener oder dem Secret Machines-Nebenprojekt School Of Seven Bells, oder schließlich bei seinen Soundtrackarbeiten stand er stets für traumwandlerische, flächige Klangteppiche aus schwebenden Gitarren und hallenden Keyboardwolken. Als großer Beeinflusser von Bands wie My Bloody Valentine oder Slowdive kommt man an Guthrie sowieso nicht vorbei, wenn man sich mit Dreampop, Shoegaze oder Ambient beschäftigen will. Auf seinen Soloalben reduzierte er die Höhe der Wall of Sound und geht mehr und mehr in die Breite, wodurch er schließlich langsam bei Ambientmeister Brian Eno ankommt. Guthries Sound bleibt dabei stets von einer sanften Kühle umweht, die sich auf beinahe allen seinen Veröffentlichungen wiederfindet. Nach der erst vor kurzem erschienenen 4-Track EP “Angel Falls” legt der Großmeister nun ein Full-Length-Album nach, auf dem er seine sommerlich-leichten Soundscapes weiter ausdehnt. „Carousel“ ist so unspektakulär wie betörend. Man wird von den zehn Soundszenarien nicht mitgerissen, sondern förmlich in die Tiefe gezogen. Er schreibt keine Songs mehr, sondern kreiert gleichsam fremdartige wie vertraute Landschaften, deren faszinierende Schönheit sich bereits in den ersten Sekunden offenbart und einen dann auch nicht mehr loslässt. Wo fangen Tracks an, wo hören sie auf? Konventionelle Hörgewohnheiten greifen hier nicht. „Carousel“ hört man entweder vollständig durch, oder gar nicht. Man muss den filmmusikartigen Bildern aus Klängen nur etwas Zeit geben, sich zu entfalten, dann findet man sich hypnotisiert und entspannt in einer Unterwasserwelt wieder, in der Gitarrenfiguren wie leuchtende Quallen vorbeischweben. Die maritime Covergestaltung unterstützt diesen Effekt zusätzlich und besteht – man höre und staune – aus 100% recyceltem Material, Druckfarben auf Sojabasis und wurde vollständig ölfrei hergestellt.

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