Reverend Deadeye – The Trials And Tribulations Of Reverend Deadeye

von Pynchon am 17. April 2010

in Musik!

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Als eine Art Hohepriester des staubtrockenen Midwest-Rock, beheimatet zwischen Saloon und Pferdetränke, tritt uns Reverend Deadeye entgegen. Das Künstler-Pseudonym hängt tatsächlich mit Deadeyes Herkunft zusammen, wie uns der Presse-Text informiert, denn sein Vater war ein Reverend und seine Jugend verbrachte er, so geht die Legende, mit dem Zähmen von Schlangen im Navajo Reservat Arizonas. Die possierlichen alttestamentarischen Bösewichter sollten nämlich für gelegentliche Zeltgottesdienste handzahm gemacht werden, was jedoch nicht so ungefährlich war wie z.B. Hundewelpen-Dressur, sodass eine der besagten Schlangen den Reverend ins Auge langte – so also kam Deadeye zu seinem Namen, und soweit die Hintergrundgeschichte, die man vermutlich kennen muss, um den heiser-abgeklärten Gospelgesang und die knarzigen Gitarrentöne (zusammengebastelt aus einem Wok-Deckel) richtig würdigen zu können.

In diesem Stil geht es also mit „Can´t Take It With You“ los, das die One-Man-Band Reverend Deadeye im Stil alter Folk-Pilger in ein verzerrtes, auf uralt getrimmes Mikro johlt und dabei tapfer die Kick-Drum tritt wie Wayne Rooney auf Kneipen-Tour. Der Retro-Gospel-Rock wird bisweilen angereichert mit Blues-Elementen, aber immer steht der Erlöser im Zentrum, Lord Jesus, denn schließlich liefert Reverend Deadeye eine sakrale Hinterhof-Revuenummer ab, zu der sich jene verlorenen Seelen zusammenfinden mögen, denen die Unwägbarkeiten des Lebens, Ärger mit dem Gesetz und regelmäßiger Alkoholgenuß, schwer zugesetzt haben.

Im Grunde kennt man diese Musik natürlich schon ziemlich gut, vor allem aus diversen Hollywood-Filmen, in denen den alten Zeiten der Depressions-Jahre und ihren seelenvollen Barden gehuldigt wird. Was ich selber mit den „Trials And Tribulations Of Reverend Deadeye” anfangen soll, frage ich mich allerdings schon – zu sehr wirkt Reverend Deadeye aus der Zeit gefallen, zu wenig setzt er dem Sound einer längst vergangenen Epoche eine moderne, oder auch eine eigene Note hinzu. Sicher machen manche Nummern wie „Drunk On Jesus“ durchaus Spaß, vor allem live dürfte der kauzige Reverend eine unterhaltsamer Alleinunterhalter sein, seine Musik muß jedoch erstmal von zentimeterdickem Staub befreit werden.

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