Radioaisle @ Prototypen://-Festival Dortmund – 04.09.2010

von Hififi am 18. September 2010

in Feierlichkeiten

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Das Prototypen://-Festival in Dortmund steht unter keinem guten Stern. An diesem Samstag komme ich am Hauptbahnhof an, beobachte fünf Nazis, die von dreißig Polizisten „beschützt“ werden und gehe gen Nordausgang. Meinem Empfangskomitee war es geradeso möglich mich mit einem klapprigen Damenrad abzuholen. Zur Feier des Tages trage ich mein rotes Fred Perry-Shirt. Zur Not kann ich also auch im braunen Mob abtauchen, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Wir werden an jeder zweiten Straßenecke kontrolliert, denn wir könnten ja „Linke“ sein, denn wir tragen Bärte. Wir wollen zum „hippieskesten“ Festival überhaupt, dem Prototypen. Wir wollen Elias alias Radioaisle schremmeln sehen. Wir wollen Fremdform, die sich redlich bemühen unglaublich viel Kabel vor der Bühne auszurollen, Glühbirnen und Papierschiffe sollen erstrahlen. Und auch nur, wenn genug Strom erzeugt wird, denn wenn nicht, geht es auf die bereitgestellten Fahrräder. Ernsthaft, Strom gibt es nur, wenn anständig geradelt wird.

Radioaisle erzeugt einen ungeheuer „kaputten“ Gitarrensound, der nicht mehr nach frühen Grunge-Heroen klingen könnte. Dinosaur Jr.-kaputt-kaputt … Elias‘ fragil-belegte Stimme stimmt insofern überein, dass sie seiner Gitarre Ausdruck verleiht, sein Gesang manchmal nicht ganz so verzweifelt klingt, wie sie die Tiefen des Moll und die Lyrics oftmals zu treiben scheint. Er nach seinem Auftritt nicht müde wird zu schimpfen, wir seinen grandiosen Gitarrensound loben, aufladen, strampeln, denn „Brazil“ soll gezeigt werden und uns dann von Dannen machen.

Elias‘ „Postscript“-EP trotzt seinem Hörer derweil alles ab, ist so geradeaus trocken, leise, unerschrocken, als ob es keine Arab Strap, keinen Casiotone For The Painfully Alone, oder wie ich erst verstanden haben „Radio Hail“ gäbe, was wiederum eine Mischung aus Radiohead und deren grandioses Album „Hail To The Thief“ gewesen wäre. „Postscript“ ist so leise, wie gut!

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