PJ Harvey – White Chalk

von Hififi am 13. Januar 2008

in Musik!

Post image for PJ Harvey – White Chalk

Polly Jean Harvey zeigt auf „White Chalk“ wieder ein anderes Gesicht. Wenn ein neues Album von ihr angekündigt wird, weiß niemand wie es klingen mag, anno 2007 klingen ihre Songs wie eine Wilddrunen-Version von Joanna Newsoms Elfengesang. Die Gitarre wurde in die Ecke verbannt und nun sitzt sie für elf Songs am Klavier. Ein ganzes Album fast ausschließlich mit Kopfstimme eingesungen, das ist wohl der größte Unterschied zu ihren vorherigen Alben.

„White Chalk“ ist ruhig und besinnlich geworden, so dass man schnell ins Träumen gerät und die Songs an einem vorbei ziehen. Wobei das natürlich auch genau so gut ein Pluspunkt sein könnte, denn trotz der teilweise deprimierenden Texten, wiegt PJ Harvey den Zuhörer in Sicherheit, umhüllt ihn mit einem Teppich aus Harfe und Banjo und natürlich dem Piano. Man muss sich im Klaren sein, dass man sich diesem Album bedingungslos hingeben muss, um es an sich heran zu lassen. Nicht denken, einfach nur fühlen. Solche Alben sind immer mutig, da sie eigentlich fast immer untergehen, aber das kann ihr mittlerweile ziemlich egal sein, denn sie hat auf ihre Weise bereits alles erreicht.

Auf „White Chalk“ riecht alles verdächtig nach Konzeptalbum in Moll. Und an den viel zitierten Sirenengesang erinnert es auch, zuletzt von mir in dieser Weise auf Goldfrapps „Felt Mountain“ wahr genommen. Die elf Songs ähneln sich prinzipiell in ihrer Stimmung, deshalb fällt es schwer welche hervor zu heben. Eigentlich geht es nur über die Intensität der Lyrics und wie PJ Harvey sie vorträgt. Niemand hat jemals so verzweifelt „Oh God, I miss you“ gesungen, wie in „The Piano“. Es werden massenhaft Gefühle transportiert und die sind nicht immer gut nachvollziehbar, müssen sie auch gar nicht sein. Zu guter letzt wird alles zunichte gemacht, alle Emotionen werden zerstört, wenn sie „like a mountain, I feel nothing“ singt, „every tree is broken“ nachschiebt und sich in einen durch Mark und Bein gehenden Schrei versteigt. Darunter grummelt ein Bass der ganz klar verrät, dass wir hier nicht im Märchenwald sind, sondern das Ende der Welt naht, und wir da auch absolut gar nichts gegen machen können. „The Mountain“ ist der letzte Song, der beste, derjenige der ergreift und deshalb dieses Album mit ihm enden muss. Das Album ist traurig, mysteriös und wahrscheinlich nicht von dieser Welt und ich möchte auch nicht in den Kopf von Künstlern schauen, die so etwas erschaffen. Aber ich will es hören, immer und immer wieder.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: