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Haldern-Pop Festival Donnerstag - Haldern/Rees, 13.08.09
27.08.2009 von Dr.Gonzo
Der erste Festival-Tag beginnt direkt mit zwei Ausfällen. Nein, es fallen keine Bands aus, sondern unser Besuch der beiden ersten Konzerte. Ein Grund dafür war die verspätete Ankunft unseres Fotografen, der sagenhafte zwei Stunden 15 Minuten für die Strecke von Münster nach Haldern braucht und dabei gute 150 Kilometer zurücklegt, obwohl die beiden Orte nur 96 Kilometer trennt.
Da Haldern bekanntlich eine stressbefreite Zone ist, wurde also auf die Visite beim Festival-Opener verzichtet. Das ist im Nachhinein wohl sogar noch verzeihlich, denn dem Vernehmen nach, ist der Auftritt von den Baddies eher dürftig verlaufen. Was uns aber geritten hat, die wundervollen Broken Records links liegen zu lassen, ist unbegreiflich und unentschuldbar. Vielleicht war Dr.Gonzos (besagter Fotograf) „Jetlag“ einfach zu groß und steckte den Rest mit an. Zuverlässige Quellen sprachen später jedenfalls vom ersten Highlight des Festivals. Nun aber genug vom Hörensagen. Live dabei waren wir schließlich und endlich bei den Wildbirds & Peacedrums.
Gott sei Dank, denn das schwedische Duo, das auch privat ein Paar ist, legt einen hin- und mitreißenden Auftritt ab. Die merkwürdige Mischung aus Gospel, Soul, Blues, sowie die ausschließliche Verwendung von perkussiven Instrumenten mag zunächst etwas gewöhnungsbedürftig sein, zieht einen aber unweigerlich in einen geradezu magischen Bann. Andreas Werliin bot eine fantastische, hochenergetische Leistung am Schlagzeug, das noch mit allerlei Klangkörpern wie Glockenspiel und Xylophon „gepimpt“ war, seine Partnerin Mariam Wallentin verzaubert derweil mit ihrer absolut außergewöhnlichen Stimme und sorgt für karibische Klänge mit ihrer Steeldrum. Das Publikum im Spiegelzelt zeigte sich schlichtweg begeistert und dankt es den Skandinaviern mit langanhaltendem Jubel und Applaus.
Nach der schweißtreibenden Performance der Wildvögel ist eine kleine Verschnaufpause hinter dem Spiegelzelt, wo sich der Eingang für die Presse befindet von Nöten. Dort kommt es zu einigen denkwürdigen Ereignissen, die dazu führen, dass wir Palm Springs nur am Rande mitbekommen, was aber auch Aufmerksamkeit genug für die eher maue Darbietung der Briten war. Zunächst vervollständigt die Ankunft eines weiteren Haldern-Veterans unsere kleine Redaktion.
Kurz darauf richtet sich die Aufmerksamkeit der Reisegruppe auf einen gewissen Herrn Talbot von Gravenhurst, der sein Feuerzeug vergessen zu haben scheint. Des Weiteren gesellen sich plötzlich noch Talbots Tourmanagerin sowie seine, aus Göttingen stammende, deutsche Freundin hinzu, was eine illustre und unterhaltsame Plauder-Runde ergib. Unser Chefredakteur reagiert blitzschnell und vereinbart noch flugs einen Interviewtermin für den nächsten Tag (Gravenhurst Interview).
Im Spiegelzelt sind nun Wintersleep an der Reihe. Diese präsentieren hervorragenden Gitarrenlärm, erstklassige Indie-Pop-Hymnen und teilweise recht vertrackte Rhythmen. Der Bandname ist dem Auftritt eher unangemessen, denn für den Winterschlaf haben ja zuvor Palm Springs gesorgt. Die Kanadier sind da eher der heißersehnte Weckruf für das Publikum. Insbesondere Sänger Paul Murphy und Bassist Mike Bigelow sorgen dabei auch noch für die passende Performance und Bühnenpräsenz. Luftfeuchtigkeit, Sauerstoffgehalt und Raumtemperatur im inneren des Zeltes haben inzwischen aber ein bedenkliches Missverhältnis erreicht, sodass es erneut höchste Zeit für frische Luft wird. Unverhofft finden sich zwei unserer Mitstreiter mitten im Gespräch mit einigen Musikern. Das Lob, mit dem Dr. Gonzo dabei den Wildbird & Peacedrums Drummer überschüttet, quittiert dieser mit: „I don´t know why everybody thinks I am the drummer of Wildbirds & Peacedrums, but as I told your friend some minutes ago: I am not! I swear to God!“. Es war der Schlagzeuger von Patrick Watson!
Zurück im Zelt ist es Zeit für den wohl skurrilsten Auftritt des Festivals: The Irrepressibles sind ein zehnköpfiges Kammerorchester aus London, das eine außergewöhnliche Brücke zwischen Indie-Pop und Klassik schlägt. Angeführt werden sie von Jamie Mc Dermott, einem klassisch ausgebildeten Sänger. Die Musik auch nur annähernd in Worte zu fassen, fällt schwer. Sie selbst bezeichenen es auf ihrer MySpace Seite als „Baroque Shock“. Wir empfehlen dringend einen Besuch eben jener Seite (Anspieltipp: „In This Shirt“). Zu ihren Auftritten gehören extravagante Kostüme und eine entsprechende Choreographie. Man könnte auch sagen The Irrepressables sind eine einzige Märchen-Indie-Oper. Jamie Mc Dermott unterhält dabei bestens mit seiner charmant exaltierten Performance. Tja und dann diese Stimme! Neben Asaf Avidan am folgenden Freitag DAS Gesangswunder auf dem diesjährigen Haldern und man kann wohl sagen, dass es so etwas bisher noch auf keinem deutschen Pop-Festival zu sehen bzw. hören gab. Deshalb muss man an dieser Stelle den Haldern-Machern mal wieder danken, dass sie den Mut haben auch solche Acts zu buchen. Plattenfirmen sind da eher zurückhaltend, weshalb man auf ein komplettes Album noch warten muss, dieses versucht das Orchester gerade durch Spenden und den Direktverkauf einer 7-Track EP zu finanzieren. Mehr dazu ebenfalls auf ihrer MySpace-Präsenz. Im Spiegelzelt hinterlassen sie jedenfalls ein überwältigtes und sichtlich beeindrucktes Publikum!
Fotos: Martin Lehmann
Livedabei (gewesen):
http://youtube.com/HififiSterereo
http://www.twitter.com/HififiSterereo |