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Melt!-Festival Sonntag - Ferropolis Gräfenhainichen - 16.-18.07.2010
29.07.2010 von theresa
Der Sonntag sollte früher beginnen als die anderen beiden Tage. Bereits vor 16 Uhr sah man große Besuchermengen vom Campingplatz zum Festivalgelände strömen, um das norwegische Duo Kings of Convenience zu sehen. Ferropolis ist wie ausgestorben – die Big Wheel Stage und der Desperados Beach bleiben am Sonntag geschlossen, und auf den anderen beiden Bühnen sollte erst später Programm stattfinden. Nur an der Gemini Stage drängen sich die Besucher dicht an dicht unter das Glasdach. Bei strahlender Sonne erobert der charismatische Erlend Øye wie gewohnt alle Herzen, spielt mit dem Publikum und schafft genau die richtige Sonntagnachmittag-Atmosphäre, während Konfetti und Seifenblasen durch die Luft fliegen. Der Stil von Kings of Convenience ist wieder eine gute Abwechslung zu seinem Zweitprojekt The Whitest Boy Alive, mit dem er im letzten Sommer noch unterwegs war.
Das komplette Kontrastprogramm gab es dann im Anschluss durch die schwedische Band Slagsmålsklubben, deren Musik durch verrückte Synthesizer-Tunes und Basslines geprägt ist. Musik, die ich mir zu Hause vermutlich nie länger als zehn Minuten anhören könnte, weil sie meinen Puls auf 180 treibt und die Beine nicht mehr still sein lässt. Überraschenderweise nervte sie mich während des Auftritts kein bisschen und ich konnte nicht anders, als mit der Menge mit zu zappeln. Darüber hinaus erstaunte es mich, wie die sechs Schweden kreuz und quer auf ihren Synthies und Drumkits herumdrücken, so dass tatsächlich Lieder wie „Sponsored By Destiny“ oder „Malmö Beach Party Night“ wieder zu erkennen waren.
Danach riskierte ich noch einen kurzen Blick zu Get Well Soon, die mir auf der großen Main Stage aber nicht gefielen und ich mir lieber in kleinere Clubs wünschte. Ganz anders auf selbiger Bühne wirkten hingegen Broken Bells, der Zusammenschluss von The Shins Sänger James Mercer und Gnarls Barkeley Mitglied Brian „Danger Mouse“ Burton. Dicht beieinander und nicht auf der weiten Fläche verteilt steht die Band wie in einem gemütlichen Wohnzimmer. Ihre Musik klingt etwas rockiger als auf CD, was auch daran liegen mag, dass Akustik- durch E-Gitarre ersetzt wurde.
Später lieferten dann Massive Attack einen soliden-Headliner Auftritt ab. Ich habe mich zwar nie wirklich mit der Band beschäftigt, aber das Konzert war durchaus interessant, zumal die Band eine gute Lichtshow im Gepäck hatte und man während des Auftritts mittels einer Leinwand hinter der Bühne über aktuelle Neuigkeiten auf dem laufenden gehalten wurde („Meyer-Wölden: kein Schadensersatz von Rapper Sido.“ Schade eigentlich!).
Meinen persönlichen Abschluss des Festivals machte die dänische Band WhoMadeWho, die mich mit ihrer energiegeladenen Musik noch ein letztes Mal richtig forderte. Zur Freude vieler stellten sie einige neue Lieder vor, so dass auf ein gut klingendes neues Album zu hoffen ist. Dafür wurden zwar weniger Songs der Alben „The Plot“ oder „WhoMadeWho“ gespielt, aber dies tat der Stimmung keinen Abbruch. Unter Jubeln verteilte die Band noch Neon-Leuchtbändchen, die artig unter einander aufgeteilt wurden. In einer ersten Zugabe wurde dann „Gigantische Stahlgiganten“, das als Melt!-Hymne ausgewählte Stück, vorgetragen, doch auch danach hatten die euphorischen Melt!-Besucher nicht genug. Hinter den Vorhängen der Bühne entdeckte ich Verantwortliche, die der Band deutlich machen, dass sie nicht weiter spielen sollten, aber WhoMadeWho ließen es sich nicht nehmen, einfach weiter ihre Musik darzubieten, bis ihnen die Songs ausgehen sollten. Damit bekam das schönste Festival der Welt einen würdigen Abschluss. U Melt! My Heart!
Fotos: Mira Höfler (Slagsmålsklubben) und Theresa Bick (Kings of Convinience) |