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   Melt!-Festival Samstag - Ferropolis Gräfenhainichen 16.-18.07.2010
Melt!-Festival Samstag - Ferropolis Gräfenhainichen 16.-18.07.2010
28.07.2010 von theresa

Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht wurden nach einem kleinen Regenschauer am Morgen die Temperaturen immerhin etwas gnädiger, dennoch konnte ich meinen Hintern erst am Abend gegen 20 Uhr auf das Festivalgelände bewegen. Eigentlich lobte ich immer das Melt! dafür, dass die Bands noch nicht zu unmenschlich frühen Zeiten, so wie es auf anderen Festivals üblich ist, beginnen zu spielen, doch mit fortschreitendem Alter und jener immer noch nicht verarbeiteten Enttäuschung über das Verpassen von Booka Shade am Vorabend, hätte ich mir manchmal doch gewünscht, dass meine Lieblinge nicht erst so wahnsinnig spät an der Reihe sind. In meiner Müdigkeit entdeckte ich dann eine mir bis dahin unbekannte Leidenschaft für Wodka Red Bull, und somit konnte es gut gelaunt zu Darwin Deez gehen. Kurz vor seinem Auftritt traf man den durchgedrehten, schlacksigen Musiker mit den wohl schönsten Locken sogar noch vor dem Zelt, das nun die Intro unter ihre Fittiche genommen hatte, und die Darwin Deez im Vorfeld schon ausgiebig lobte. Unglaublich sympathisch war er noch für kleine Plaudereien zu haben, bevor er dann wieder verschwand, um sich auf seinen Auftritt vorzubereiten (er kümmerte sich sogar noch eigenhändig um den Soundcheck). Eine Stunde sollte er spielen dürfen, und somit war ich durchaus neugierig, wie er diese ausfüllen würde, denn sein einziges Album dauert gerade mal eine gute halbe Stunde. Tatsächlich nutze Darwin die Zeit dafür, um mit seiner Band leicht grobmotorische, aber liebevoll einstudierte Tanzeinlagen vorzuführen, die nicht nur den weiblichen Teil des Publikums zum ausgiebigen Jubeln brachte. Stefan Lehmkuhl, der Chefbooker des Melt!, sprach zuvor in einem Interview über das Line-up, dass in diesem Jahr eines "zum neue Lieblingsbands-Finden sei", und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Darwin Deez das bei einigen Besuchern geschafft hat. Zumindest hat er mein Herz sehr viel höher schlagen lassen.
Nach so viel Euphorie lief ich zur Gemini Stage, um mir Miike Snow anzuschauen. Doch bereits nach ihrem ersten Song „Cult Logic“, eigentlich eins meiner liebsten Lieder der Band aus Stockholm, machte sich große Ernüchterung breit. Sowohl Band als auch Publikum wirkten gelangweilt und ich hatte das Gefühl, dass auf meinem Wohnzimmerteppich daheim mehr los ist, wenn mein CD-Player das Lied spielt. Schade. Immerhin bekam die Band es hin, den Auftritt etwas zu steigern, so dass die Menge beim letzten Titel, „Animal“, ausgelassen tanzte.
Die geschonte Kraft nutzte ich dann, um mich an der Big Wheel Stage zu einigen elektronischen Klängen zu bewegen, in diesem Fall zu Joris Voorn, DJ aus den Niederlanden. Sowieso sei erwähnt, dass wahnsinnig viele unserer netten Nachbarn aus Holland, aber auch viele Englänger oder Dänen sich auf dem Melt! herumtrieben; nach Aussage in der Abschlusspressekonferenz stammten sogar 30% der Besucher aus Ausland. Aber zurück zu Joris. Seine Musik wurde gut betanzt, jedoch wurde meine Aufmerksamkeit vielmehr innerhalb des Publikums gehalten. Andere Besucher brachten die verrücktesten Dinge mit zu dem Auftritt, so tanzten zum Beispiel ein Papp-Skelett oder ein aufblasbares Känguru im Stroboskop-Licht – ein durchaus interessanter Anblick.
Danach hätte ich mir gerne Chris Cunningham angeschaut, jedoch gab es einen Slot-Change im Timetable, so dass bereits DJ Shadow auf der Hauptbühne sein Unwesen trieb. Ach, wie ärgerlich es doch immer ist, wenn solche Zeitänderungen an einem vorbeigehen! Allerdings möchte ich betonen, dass sonst nie ein Grund zur Beschwerde bestand und alle Zeiten erstaunlich gut eingehalten wurden, vor allem wenn ich an die vielen Ungereimtheiten im Jahr 2008 zurück denke. Da hat sich jemand die Fehler wirklich zu Herzen genommen. Außerdem ist noch positiv anzumerken, dass nur eine einzige Band, die Dirty Projectors, nicht auftreten konnte.
Zu späterer Stunde sollten dann als letzter Act der Main Stage Moderat, die nicht nur namentliche Fusion aus Modeselektor und Apparat, spielen. Einflüsse beider sind in der Musik stark zu spüren – auf der einen Seite stehen die intensiven, knarzenden Beats von Modeselektor, auf der anderen der zarte Gesang und Gitarrengefrickel von Sascha Ring alias Apparat. Das Konzept funktioniert, und so genossen viele Menschen den souveränen Auftritt.




Fotos: Theresa Bick

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