Philipp Poisel – Bis nach Toulouse

von Pynchon am 11. September 2010

in Musik!

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„Wie soll ein Mensch das ertragen?“, fragt sich Philipp Poisel im Opener seines zweiten Albums und hebt dabei so brüchig und verletzlich an, dass man fast Angst haben muss, der Junge bricht gleich in Schluchzer aus. Er kriegt dann aber doch noch die Kurve und besingt in bewährter Schmuserock-Art die Augen der lyrischen Adressatin des Textes. Melancholie und Befindlichkeit, in zarte, Gitarren-dominierte Stücke gekleidet, geben den Ton an bei „Bis nach Toulouse“. Poisels Stimme tropft zumeist sehnsuchtsvoll aus den Boxen, Worte werden – etwa in „Für keine Kohle dieser Welt“ – mit allem Pathos schwerer Wehmut hervorgestoßen, als sei sich der Sänger nicht sicher, ob er sie überhaupt aussprechen dürfe, ohne dass sie Gefahr laufen, draußen von irgendeinem unsensiblen Depp vergewaltigt (oder verrissen) zu werden. Gut, dass Poisel sein Album auch mal, zumindest melodisch, mit etwas leichteren Stücken wie „Im Garten von Gettys“ aufheitert. Trotzdem hat seine Stimme auch da einen näselnden Trauerpflänzchen-Unterton, den man wohl mögen oder herzig finden muss. Fans von Jack Johnson, geht mir spätestens nach dem ersten Drittel auf (und ganz offenkundig beim Song „Froh dabei zu sein“), werden auch die zwischen einfühlsam und kuschelig angesiedelten Kompositionen von Philipp Poisel lieben. Da ich persönlich keine zwei Jack Johnson-Songs am Stück ertragen kann, ist der Weg „Bis nach Toulouse“ für mich leider ziemlich beschwerlich, allen tiefgründigen Texten zum Trotz.

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