Pardon Ms. Arden – This Ain´t Indie/Lemon Tea

von Dr.Gonzo am 22. Oktober 2009

in Musik!

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Eigentlich wäre die Doppel-single This Ain´t Indie/Lemon Tea der Münchener Band Pardon Ms. Arden in wenigen Sätzen abzuhaken, um sie danach zu vergessen, was mir persönlich nicht schwer fallen wird, denn, so viel sei schon verraten, keiner der Songs blieb trotz häufigen Hörens irgendwie haften. Warum also viele Worte machen? Weil an der vorliegenden Promo-CD für mich so ziemlich alles, vom Cover bis zu den Songs, ärgerlich und manches verwunderlich ist und zum Beweis, dass ich mich trotzdem immerhin ausführlich mit dem Rezensionsobjekt auseinandergesetzt habe .

Fangen wir mit dem ersten Ärgerniss an, dem Cover. Dessen Hintergrund besteht aus etwas, das wohl an die altbekannte 60s Style Blumentapete erinnern soll, und allenfalls noch Austin Powers ein entzücktes „Groovy“ entlocken würde. Am linken Bildrand findet sich das angeschnittene Profil einer, passend zum Hintergrund gestylten Dame. Ob deren Gesichtsausdruck nun eher Laszivität oder Erschrockenheit vermitteln soll, sei jedem selbst überlassen. Ich tippe auf Erschrockenheit, ob des überdimensionalen Mp3-Players in schweinchenrosa, der auf ihrer Handfläche platziert wurde und die Bildmitte bestimmt. Was dieser Trumm dort zu suchen hat, bleibt mir ein Rätsel. Im „Screen“ jenes Ungetüms findet sich die Tapete wieder, davor der Bandname in passender Flower-Power-Typo. Konsequenterweise bleibt bei diesem überladenen Cover nur noch ein schmaler Streifen am oberen Bildrand in sich der lange Doppel-Titel quetscht. Um dem Ganzen den Rest zu geben, ist der Titel in einer (geschmacklich grenzwertigen) Typo gehalten, die nun aber auch rein gar nichts mit dem restlichen Flower-Power-Feeling des Covers zu tun hat, was zu schmerzendem Stilbruch führt..

Pardon Ms. Arden waren mir persönlich bis dato absolut unbekannt und ich hielt sie auch für unbekannte Newcomer. Doch ein Sticker auf dem Case weist sie als „offizielle Sony Ericsson Fan Walk Band 2009“ aus. Dahinter verbirgt sich eine Art Jakobsweg für 100 ausgewählte Musik-Fans, die sich zu Fuß auf eine 400 km Wanderung zu den MTV Music Awards machten (kein Witz!). Der Sticker soll wohl als eine Art Qualitätssiegel verstanden werden, weckt aber bei mir eher Skepsis. Ein großer Handy-Hersteller, MTV, eine junge, zielgruppenaffine Band – das riecht nach Hype, nach Push, nach sehr viel Kommerz. Natürlich kann so etwas auch gut gehen und sich idealerweise, wie im Fall Dandy Warhols/Vodafone, für beide Seiten richtig lohnen, aber erste Zweifel sind geweckt. Mehr als zweifelhaft ist auch, was sich der Autor des „Waschzettels“ beim Verfassen desselben wohl gedacht haben mag. Normalerweise ist ein Waschzettel höchstenes einen flüchtigen Blick und keinesfalls eine Erwähnung in einer Rezension wert, aber dieses Exemplar ist dann doch zu außergewöhnlich und noch ärgerlicher als das Cover: „Musik kann so schön sein…“ so beginnt der Text und man fragt sich, ob der Autor nicht statt Pünktchen auch lieber ein „muss aber nicht“ eingefügt hätte. „Ein einziger Song kann dein Leben verändern. Wenn der Funke erst einmal von der Bühne auf die Körper und Seelen der Zuhörer übergeht, dann ist das wie mit der Liebe: Es bedarf keinerlei Erklärungen und Entschuldigungen – der Moment zählt.“ Was soll denn das? Soll das heißen, wenn der Funke nicht überspringt ist der Hörer selber Schuld? Unterschwellig bekommt man den Eindruck, dass der Verasser des Waschzettels wohl Bedenken hat, es könnten am Ende doch Entschuldigen und Erklärungen nötig sein und hier schon mal vorbeugen möchte. Es folgt eine Beschreibung des Live-Erlebnisses Pardon Ms. Arden, die ebenso blumig und überladen ist wie das Cover. Zur Musik heißt es: „Die Musik ist einfach ehrlich und zieht jeden tief in den Bann“, das ist dann beinah schon schmerzhaft wahr, weil eben nichtssagend wie die Musik. Doch das Beste kommt wie immer zum Schluss: „Die neue Doppel-A Single ‚This Ain’t Indie (This is a revenge)/Lemon Tea ist frisch, flott und trifft den Zeitgeist.“ Ich hatte kürzlich den Nachdruck der ersten Ausgabe des Musikexpress von 1969 in den Händen. Dort finden sich auch in einigen Texten die Attribute „frisch“ und „flott“ wieder. Aber das war eben 1969 und da gehörten sie zum damaligen „Zeitgeist“ . Wer aber 2009 die Musik einer sehr jungen Band so beschreibt, der ist entweder unfähig oder bezeugt mit so einem Satz seine Kapitulation vor der gestellten Aufgabe – sprich es fällt ihm wirklich nichts besseres ein. Der Band tut er damit jedenfalls keinen Gefallen. Immerhin ist die Bandinfo um einiges besser und weckt leise Hoffnungen. Gegründet erst 2007, seien sie „schon längst keine Unbekannten mehr in Indieland (sic!)“ heißt es dort. Ihre Debüt-Single fand sich in diversen Campus-Charts wieder, 2008 spielten sie auf dem FM4 Frequency Festival, für „Chikinki, Kilians, Hush Puppies, Jack Penate und andere Hipsters(!)“, waren sie schon Support und die altehrwürdige Süddeutsche Zeitung kürte sie zur „größten Indie-Hoffnung Süddeutschlands für 2009“. Ok,das reicht, kommen wir endlich zur Musik auf dem flotten Tonträger und damit zum Verwunderlichen. Aufgenommen wurde die Single nämlich im Westend Studio, das ja nicht unbekannt ist, nahmen dort doch schon die Arctic Monkeys und die Sportfreunde Stiller auf Darauf weist auch die Bandinfo stolz hin, was auch sinnvoll ist, denn sonst hätte man es nicht gemerkt. Der Titelsong „this ain´t Indie” wurde zu Recht so genannt, denn mit Indie(Pop/Rock) haben er und die zwei anderen Songs „Lemon Tea“ und „Caredfell“ genauso wenig zu tun wie mit Flower-Power-Pop, was das Cover ja stark vermuten lies. Es ist eher eine unentschiedene Mischung aus 90s College Rock, und 60s Garage angereichert mit ein paar Ska-Elementen und einer hier und da eingestreuten Prise Punk, auf jeden Fall ist es alles andere als „frisch“. „This ain´t indie“ erinnerte mich zumindest im Refrain vage an „Boss Of Me“ (den Titelsong zur Serie „Malcolm mittendrin“) von „They Might be Giants“, allerdings nur den Stil nicht die Qualität betreffend. Das Songwriting der beiden ersten Songs ist sehr ähnlich, es geht „flott“ los ist aber zu wenig abwechslungsreich, so dass selbst kanppe drei Minuten zu lang erscheinen. Bei „This Ain´t Indie“ soll im letzten Drittel ein Interlude für Auflockerung wirken, das aber leider so wirkt, als sei es mittels eines Zufallsgenerators kreiert worden. „Lemon Tea“ kommt deutlich schneller in die Hufe, was zunächst erfreut. Allerdings setzt um Sekunde 30 herum ein zweistimmiger Gesang ein, der so halbherzig ist, dass es nur schief gehen kann, was es dann auch tut. Dem Strickmuster des ersten Songs folgend, gibt es im letzten Drittel wieder ein Interlude, das in einen kurzen acapella-Part mündet, der den zweistimmigen Gesang vom Anfang noch toppt. Merkwürdig und endlich eine Abwechslung ist der letzte Song „Caredfell“. Er beginnt countryesk-folkig und man könnte ihm gar Qualitäten einer Rockabilly-Ballade zuschreiben. Leider wird dies aber nicht konsequent durchgehalten, denn die Refrains und beinah das komplette letzte Drittel sind im Stil einer astreinen Brit-Pop-Hymne gehalten, was ja nicht schlimm und auch gut gemacht ist, aber eben den ganzen Song unstimmig werden lässt und man sich einaml mehr fragt, „Was für Musik wollt ihr eigentlich machen?“ Wenn man bedenkt, welche Bands Pardon Ms. Arden bereits supportet haben, hat man natürlich eine Erwartungshaltung, die die Single nicht annähernd halten kann. Der Sound der Band schwankt gewaltig. Mal klingen die Gitarren so dünn, wie durch einen kleinen Transistorverstärker gehaucht, mal gerade eben druckvoll genug. Der Bass rumpelt meist leicht matschig irgendwo im Hintergrund ohne entscheidende Akzente zu setzen. Einzig das Schlagzeug vermag in allen drei Songs zu überzeugen, vor allem bei „Caredfell“ bringt der Drummer eine richtig gute Leistung. Doch die größte Schwäche ist der Gesang. Eintönig, emotionslos, häufig zu dünn und manchmal auch unsicher wirkt er. Vielleicht bin ich gehöre ich nicht zur Zielgruppe dieser Musik, vielleicht sind Pardon Ms. Arden ja eine super Live-Band, ihre Supports sprechen dafür, vielleicht war ihr Debüt besser aber diese Single, tut mir leid, funktioniert insgesamt überhaupt nicht!

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