Paolo Nutini – Sunny Side Up

von Hififi am 3. Juli 2009

in Musik!

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Gibt es ein Wort wie Genrehopping? Wohl eher nicht, aber es müsste erfunden werden für das zweite Album des zweiundzwanzigjährigen Italo-Schotten. Auf „Sunny Side Up“ bekommt der Hörer einen populärmusikalischen Diskurs geboten, der eigentlich kaum eine Gattung unbehandelt lässt. Wer kann, der kann, sozusagen.

Jetzt hat er mit Sicherheit einige Stunden vor der Plattensammlung seiner Eltern zugebracht und diese außergewöhnliche, wie wandelbare Stimme abbekommen und so liegt es nah, auf allen Hochzeiten zu tanzen. So etwas geht aber selten gut und mir fällt spontan auch nur Ryan Adams ein, bei dem das mal geklappt hat und mit Joe Cocker oder Rod Stewart muss ich an dieser Stelle ja wohl erst gar nicht ankommen. Jetzt hat Ryan Adams natürlich keine Soulstimme, aber im Country- und Folk-Bereich einfach die wesentlich besseren Songs, daran besteht überhaupt kein Zweifel. Nicht völlig ausgeschlossen, dass sich Nutini seiner songwriterischen Schwächen bewusst ist und es durch diese übertriebene Vielfalt an verschieden Stilen auszugleichen sucht. Natürlich sind seine Songs nicht schlecht, im Popkontext wahrscheinlich sogar einmalig, aber um noch einmal Ryan Adams zu bemühen, an dessen Tiefgang und Gänsehautmomenten „Sunny Side Up“ einfach kläglich scheitert.

Jetzt gibt es aber diese recht bemerkenswerten Soul-Elemente, die ihm stimmlich so sehr liegen und die dieses Album so schön tanzbar machen. „Coming Up Easy“ könnte in dieser Form wohl sogar von Otis Redding sein, mit einer Dylan-Gedächtnisorgel – wie auf „Highway 61 Revisited“ – versehen, Bläsern und einem beeindruckendem Kreisch-Finale unseres Protagonisten. Gleiches, vielleicht ein wenig mehr in Richtung James Brown, gibt es von „No Other Way“ zu vermelden und wenn Nutini irgendwann ein reines Soul/ Funk-Album aufnehmen sollte, bin ich sein größter Fan. Mit seinen Country/ Rock-Exkursionen kann er mich allerdings gern haben. Trotz alledem bin ich gespannt, was noch kommen wird in den nächsten Jahren und live stelle ich mir das Ganze auch sehr partytauglich vor – und manchmal reicht das ja schon.

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