Orbital – In Sides

von Hififi am 28. März 2010

in Musik!

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Mein bester Freund fragt mich in regelmäßigen Abständen, weshalb Hififi.de nicht mehr Elektronik rezensiert. Die einfache, bis unerklärliche Antwort lautet: Wir bekommen kaum elektronische Musik, dann wieder mehr Metal, dafür haben wir zwar unseren Kollegen, aber weshalb nicht mehr Sphärisches. Acid ist sicher lange tot, aber es gibt doch soviel Gutes, Oliver Koletzki zum Beispiel mit seinen „Großstadtmärchen“. Weshalb wir (und damit meine ich mich, weil ihr es jetzt einfach mal mitmachen müsst) jetzt eine neue Rubrik, die Hififi-autonom eh wieder im Sande verlaufen wird, ausrufen. Jedenfalls sind jetzt die Elektro-Wochen ausgerufen.

„In Sides“ ist mittlerweile so alt, dass ich es kaum noch fassen kann, dass dieses Album immer noch so unvergleichlich jung wirkt. Eigentlich klingt kein anderes Erzeugnis der Neunziger, so wie dieses Album. Es kommt selbstverständlich aus dem UK, und ich könnte jetzt erklären von wem und wie, aber mir soll es in den folgenden Zeilen nur um die Musik gehen. „The Girl With The Sun In Her Head“ ist über zehn Minuten lang und geht Hand in Hand mit Goldies ersten Jungle-Eskapaden um „Timeless“, den wild vor sich her stolpernden Beat betreffend. Weswegen sich Goldie und Orbital wieder stark unterscheiden, ist schnell erklärt: Die Synthie-Sounds sind Marke Kraftwerk, nur dass unsere Brüder hier eine Wall of Sound erklimmen. Hier werden die verschiedensten Melodien aufeinander getürmt, bis bei Minute Sechs das Ganze in eine Art Kirmes-Orgel übergeht, worüber die schon gehörten Effekte huschen. Und dann wie gehabt, ein Meisterwerk an flirrenden, niemals zu erdenden Sounds, die in dieser Form sicher nie wieder den Weg auf einen Tonträger finden werden. Fortan „The Box (Part 1 + 2)“, denn das muss jeder am Stück gehört haben. Das Cembalo ist allgegenwärtig und allein deshalb bereitet sich eine außerirdische Grundstimmung über diesen Song-Zyklus. Dazu kommen fiese E-Gitarren, die dem Treiben nur noch mehr gruseligem Auftrieb geben. Bei unserem Musikstammtisch war einmal mehr die Diskussion, ob „The Box“ böse klingt, oder doch nur musikalische Andersartigkeit ausstrahlt, ich denke Beides, obwohl ich es mittlerweile mit den Ohren eines Rezensenten höre und nicht mehr mit den Ohren des erstaunten Teenagers. Es ist böse und es ist noch nicht einmal Techno, es ist ein in Stein gemeißeltes Denkmal voller Weisheit und Weitblick. Obwohl ich mir sicher bin noch nie soviele Stunden mit Kopfhörern an einem Album verbracht zu haben, kann ich dieses Werk weder verstehen noch einsortieren und DASS ist nun wirklich das größte Kompliment, das ich aussprechen kann.

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{ 3 Kommentare… read them below or add one }

1 Sterereo März 29, 2010 um 18:22 Uhr

Ich habe keine Ahnung, ob das mit den Elektro-Wochen so einfach läuft, aber ich finds auf jeden Fall sehr geil. Ich frage mich nur, wie du da gerade jetzt auf Orbital gekommen bist?! Schließlich ist das Album von 1996!

2 Hififi März 30, 2010 um 08:08 Uhr

Weil ich zu der Zeit viel Krams in der Richtung gehört habe und dieses Album einfach anders ist.

3 otic März 30, 2010 um 12:31 Uhr

Brothers in love!

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