Oliver Uschmann & Alex Amsterdam – Forum Bielefeld, 04.03.09

von Hififi am 10. März 2009

in Feierlichkeiten

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Im wahren Leben wären Oliver Uschmann und sein Romanheld Hartmut wahrscheinlich gute Freunde, oder größte Feinde, weil sie sich ähnlich sind. Die Begeisterung, mit der Uschmann das von Hartmut verfasste „Manifest gegen die Vollkommenheit“ vorträgt ist spitzbübisch, sein Sinn für die Sinnlosigkeit hartmutesk. Damit jetzt keine Missverständnisse aufkommen, Hartmut ist nicht autobiographisch, genau so wenig wie der Ich-Erzähler in Uschmanns „Hartmut und Ich“-Reihe, allerdings kann er uns auch nicht erzählen das sämtliche Ähnlichkeiten ungewollt und rein zufällig seien.

Den Abend eröffnet allerdings ein alter Bekannter: Alex Amsterdam aus Düsseldorf, bzw. sind Alex Amsterdam ja mittlerweile zu zweit. Mit ihren Pop-Entwürfen im Singer/ Songwriter-Gewand versuchen sie gute Laune in die Herzen der Anwesenden zu streuen, die allerdings offensichtlicherweise wegen Oliver Uschmann gekommen sind und deswegen ist viel mehr als ein gefälliger Applaus für Alex Amsterdam an diesem Abend auch nicht zu holen.

Wenig später beginnt also die Lesung zu der Uschmann im Schlabber-Shirt auf die Bühne geschlufft kommt um von seinem Eincheck-Erlebnis im Bielefelder Etap zu berichten, als er auf ein paar ostdeutsche Glatzenträger traf, in klischeehaftes Gedankengut abdriftete um kurz darauf zu realisieren, dass es vielleicht ebenfalls etwas unkonventionell anmutet, sein Hab und Gut in Plastiktaschen mit sich zu führen.

Oliver Uschmann kann sich heute nicht richtig konzentrieren, ständig unterbricht er sich mitten im Satz um Erklärungen abzugeben, oder Exkurse zu eröffnen, die in ihrer Abstrakt- bzw. Abgehaktheit Piet Klocke alle Ehre machen. Vermischt man diesen mit Johann König so ist man na dran am Uschmann des Abends. Aber nach einer gewissen Anlaufphase sprudeln die Sätze, die Hartmut und Ich auf toxischen Substanzen nötigen einen Bärenklau zu verhindern, der sich als Gammelfleisch-Skandal entpuppt. Tut mir leid liebe Freunde der Nacht, aber das müsst ihr schon selber lesen, nacherzählen gilt nicht, aber die Gelegenheit ist optimal um das absurde Moment dieser Erzählungen aufzuzeigen. Klar, heute geht es um „Murp“, dem vierten Teil der Saga, aber es geht auch Querverweise. So sind die Amtsbesuche in „Wandelgermanen“ kafkaesk und die eben angedeuteten Rausch-Erlebnisse sind derart grotesk, dass Dr. Gonzo seine Freude daran hätte. Wenn man das alles auf den Schirm bekommt, vielleicht noch die ein oder andere musikalische Reminiszenz ableiten kann, dann ist Oliver Uschmann genau der Richtige, um sich einen Abend lang unterhalten zu lassen.

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