Oliver Koletzki – Großstadtmärchen

von Hififi am 30. September 2009

in Musik!

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Das 2005 Sven Väth Koletzkis „Mückenschwarm“ gefallen haben wird, kann ich mir gut vorstellen, ist doch der Opa der deutschen Techno-Szene mittlerweile hauptsächlich an recht eingängigen – ich würde es eigentlich lieber stumpfen – Rhythmen interessiert und so wurde besagter Song unter Väths Protektion ein gern gesehener Gast in den Clubs all over the world. Jetzt hat Oliver Koletzki anno 2009 offensichtlich mehr Lust auf differenzierte Beats mit deutschen Texten, wahlweise mit weiblichem, wie auch männlichem Gesang, gut so! „U-Bahn“ lässt sich vergleichsweise bestens ertragen, ach Quatsch, ist ein formidabler Hit für jede After-Hour und gern gesehener Gast für jeden Empfangs-Bereich halbwegs angesagter Tanzhallen. Zuvor, und leider gleich an zweiter Stelle muss sich der Hörer allerdings durch einen Beitrag namens „Zuckerwatte“ quälen, dessen Namen leider Programm ist. Deshalb wohl „Zuckerwatte“, weil doch unfreiwillig was hängenbleibt – an der Backe nämlich, da hat man es also, da wo man es sich wegwischen muss. Was er noch mag unser Oliver sind Versatzstücke aus Funk und Jazz, die er mit chilligen Dance-Rhytmen unterlegt und sie so derart tanzbar gestaltet, dass sich dem wohl so schnell kein partytauglicher Clubgänger entziehen kann. Eher weniger treibend, dafür sehr smooth und vor allem irgendwie gewitzt, im Sinne von gut gemacht (im Englischem auch gerne sophisticated genannt) lässt sich der Großteil der zehn Tracks beschreiben. Er weiß dann doch, was funktioniert und mit „Hypnotized“ gibt es eine gewisse Fran zu hören, die erstmal toll singen kann und dem Ganzen halt die Gewisse Würze verleiht – es sei mir dieser Allgemeinplatz verziehen, der doch aber bitteschön gut zum plakativem Songtitel passt. Einfach ein guter Club-Tune, der mit Sicherheit seine Wirkung nicht verfehlen wird. Jetzt bedient Oliver Koletzki mit diesem „Großstadtmärchen“ natürlich die Grenzgänger der Berliner Dance-Szene, die sich wahrscheinlich nicht zwischen „einfach nur Tanzen gehen“ und Ambient-Beschallung entscheiden können. Es lässt sich halt einfach für beide Gelegenheiten nutzen, dieses vielseitige Album elektronischem Grenzgängerdaseins und gerade an diesem Punkt bin ich gewillt beide Daumen nach oben zu strecken, wenn sich jemand traut, nicht nur Erwartungen zu erfüllen und sich zwischen Stühle setzt, bin ich dabei. Das ist mutig und dankenswert – endlich mal ein tanzbares Elektro-Teil, was nicht immer nur stumpf treiben will. Die Zeiten sind ja nun auch endlich vorbei. Danke dafür!

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