Octo Wallace and Friends – Bogen 2 Köln, 07.04.2010

von Hififi am 10. April 2010

in Im Lokal

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Unter dem Motto „Octo Wallace and Friends“ luden unsere fünf Lieblings-Geistesgestörten zu einem Battle der Kakophonie in den Kölner Bogen 2. Zugegeben, es ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber zumindest die Octos brennen an diesem Abend ein Feuerwerk an verstörenden Klängen in einer ohrenbetäubenden Lautstärke ab. Aber der Reihe nach, denn zuerst stehen Calling Linus um 20.45 Uhr auf dem Programm, ein neues Album namens „Polyesterday“ im Gepäck. War die Live-Umsetzung der Songs der beiden Vorgänger-Alben von daher problematisch, dass sie schwerlich ohne Synthies auskamen, aber mit Thomas Jung am Schlagzeug und Volker Rohde am Bass sind Calling Linus heutzutage eine Band, eine Band, die auch die frühen Songs entblättern und zu „einfachen“ Rocksongs umfunktionieren kann. „Polyesterday“ ist eben auch einfach nicht mehr so schwer, weniger melancholisch und eben einfacher, was einer energetischen Performance gut tut. Natürlich darf auch das großartige „Timebomb“ von „To Ride A Headless Horse“ nicht fehlen und sorgt nicht nur beim Verfasser dieser Zeilen für Begeisterung. Es ist ihnen die Spielfreude einfach anzusehen und Calling Linus sind 2010 besser als je zuvor.

Als nächstes kommt mit Chefkoch Schulz die Frickel-Fraktion auf ihre Kosten. Der Chefkoch höchstpersönlich dreht ebenfalls bei Octo Wallace am Rad und verschiedene Regler, solo und in diesem Fall mit Bandverstärkung spielt er Gitarre, singt (an PeterLicht erinnernd) und malträtiert das Glockenspiel. Dazu gesellen sich gerne Synthie-Sounds, die der Game Boy/ Nintendo-Generation nicht ganz fremd sein dürften. Schräg, einzigartig, aber auf wundersame Weise ebenfalls catchy. Vielleicht sogar der interessanteste Auftritt des Abends.

Gut, Octo Wallace finden auf Hififi.de ja regelmäßig statt, sodass es den aufmerksamen Leser nicht wundern sollte, was ich nun zu berichten habe. Denn was die Kölner ab 22.30 Uhr auf die Konzertbesucher entladen, trotzt eigentlich fast jeder Beschreibung. Erst einmal habe ich sie noch nie in dieser Lautstärke erlebt. Dazu kommt, dass Swobos Gesang perfekt zu hören war und nicht, wie durchaus schon erlebt, von seinen Mitstreitern soundmäßig „erschlagen“ wurde. Ein großes Highlight wie immer: „Listrik“. Als Ehren-Octo Peter im streng Pattonschen Sinne Amok schrie, nennt sich das „Der Hahn isst Kot!“ und wer vorher nicht wusste, was an diesem Abend auf ihn zukommen sollte, verlässt fluchtartig das Gebäude. Octo Wallace haben durchaus die Möglichkeiten einen Saal leerzuspielen, nicht weil es nicht etwa hervorragende Musik von noch besseren Musikern wäre, aber sie haben nun einmal die Tendenz, mit die Schmerzgrenze der Hörer Tango zu tanzen. Deswegen lieben wir sie ja auch, aber trotz alledem ist der Bogen 2 nach vollendetem Dienst nicht mehr ganz so gut besucht wie zuvor.

Leider bin ich danach recht gar und nehme mir eine längere Auszeit und verpasse einiges von den folgenden fff. Eine undankbare Aufgabe, der erste Regen nach der Sintflut sein zu müssen, legt Guido mit Kollegen einen achtbaren Auftritt auf die Bretter, der sicher nicht nur mich staunen lässt, wie er ohne Sauerstoffgerät zwei schweißtreibende Sets in kurzer Zeit absolvieren kann. Ein Ausnahme-Schlagzeuger ist er allemal und eins der weltbesten Neil Young-Lookalikes die so gibt. Ich danke allen Beteiligten und lege mich wieder ins Bett, die Ohren bluten jedenfalls immer noch!

Abb. ähnlich. Foto: myspace.com/octowallace

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1 otic April 10, 2010 um 19:33 Uhr

Bleibt nur noch zu ergänzen, dass CALLING LINUS ihren Megahit „I Wanna Be Adored“ schon wieder nicht gespielt haben…

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