No Direction Home/ Bob Dylan

von Hififi am 17. Juli 2006

in Film ab!

Post image for No Direction Home/ Bob Dylan

Eins steht mal felsenfest: Bob Dylan hat die dicksten Eier im ganzen Musikbusiness. Und das mit einer naturgegebenen Selbstverständlichkeit, die beeindruckt. Man könnte auch sagen, er ist störrisch wie ein Esel. Zumindest pfeift er komplett auf irgendwelche Fanerwartungen. Er würde auch vor drei Zuschauern spielen, tut selbiges in 5.000er-Hallen, obwohl er mit Sicherheit Stadien füllen könnte. Martin Scorseses Dokumentarfilm von 2004 ist mehr als eine Hommage, Scorsese ist wirklich Fan und das merkt man dem Film an.

Angefangen hat alles in Duluth/Minnesota, das Hüllhorst des mittleren Westens. Logisch das Dylan mit 20 Jahren nach New York floh und sein Leben als Boheme und Folksänger im Greenwich Village begann. In den Clubs wurden regelmäßige Workshops abgehalten an denen auch Dylan teilnahm.

Unterbrochen wird der chronologische Aufbau durch immer wiederkehrende Konzertsequenzen eines Auftritts in Newcastle 1966. Zu dieser Zeit trat Dylan bereits mit einer Band und elektrisch verstärkten Instrumenten auf. Die Publikumsresonanz war niederschmetternd. Es wurde gebuht und es gab Zwischenrufe wie: „Verräter“ oder „Judas“, aber Dylan hat einmal mehr die Nerven und ignoriert das ganze. Er zieht die gesamte Tour durch, selbst nach seinem schweren Motorradunfall, um sich danach für acht Jahre aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Über diese Zeit sagt er: „I´ve been respected by the booing. You got to realize, you kill somebody with kindness too.“

1966 war in allen Bereichen eine Zäsur. „Like A Rolling Stone“ ließ keinen Zweifel aufkommen, dass die „One-Man-Show“ unwiederbringlich vorbei war, Dylan hatte gefallen an Blues und Rock gefunden und war nicht bereit sich davon abbringen zu lassen. Pressekonferenzen wurden zur Farce, Dylans Kontakt zur Fanbasis brach ab, der Meister fuhr mit Volldampf an den Hörgewohnheiten seiner Fans vorbei, ausverkauft war trotz alledem jedes Konzert seiner ´66er-Tour.

Die Abkehr vom Protestsong muss die bitterste Pille für die Fans gewesen sein, vor allem wenn Dylan in Interviews behauptet, er wäre nie politisch gewesen. Eigentlich wollte er sich nur nicht weiter vereinnahmen lassen, kein Aushängeschild einer politischen Bewegung mehr sein.

Dabei ist es geblieben. Dieser Mann ist gerade dadurch zum Held geworden, dass er immer mit dem Kopf durch die Wand gegangen ist. Die Presse und die Fans haben erst mit der Zeit ihre Lektion gelernt. Da war Dylan schon wieder auf dem Weg ein neues Universum zu erforschen.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: