No Country For Old Men

von Hififi am 6. April 2008

in Film ab!

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Die Oscars sind mittlerweile verteilt und „No Country For Old Men“ hat die zwei entscheidenden eingeheimst: Bester Film und beste Regie. Das die Coen-Brüder früher oder später diese begehrte Auszeichnung einmal überreicht bekommen würden, war klar. Aber für diesen Film? Welchem Genre kann dieser zugeordnet werden? Western? Thriller? Alles und gar nichts?! Und genau das ist er geworden: Alles und gar nichts.

Protagonist findet Geldkoffer. Protagonist wird gejagt. Protagonist wird getötet. Soweit zur Handlung. Nun war bei den Coens die Handlung meist eh Nebensache und so auch hier. Es wird wieder massenweise zitiert und persifliert, der gute alte Leone-Western, Hopkins „Hanniball“ und stellenweise erinnert „No Country For Old Men“ ein wenig an ein Road-Movie, wie Tarantino ihn wohl gedreht hätte, wenn er sich die sinnlosen Dialoge sparen würde. Geredet wir hier nur das Wesentlichste. Außer Provinzsheriff Ed Tom Bell, gespielt von Thommy Lee Jones, lässt den Zuschauer an seiner existentialistischen Weltsicht teilhaben und schwadroniert über Sinn und Unsinn des menschlichen Seins. Aber nichts desto Trotz begibt er sich auf die Jagd den bösen Killer Anton Chigurh (Javier Bardem) davon ab zu halten unsere Identifikationsfigur zu beseitigen, die sich auf der Flucht vor Selbigem befindet. Thommy Lee ist mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommen und schaut mit seinen feuchten Dackelaugen dem Geschehen hinterher, sodass ihm nur noch die Tatortbegehung bleibt, nachdem Chigurh seine Pflicht erfüllen konnte. Diese seine Pflicht ist ihm allerdings zur Passion geraten und der Fall somit auch noch nicht erledigt, so muss doch erst noch die Frau des Verstorbenen beseitigt werden. Ob es nun dazu kommt, lassen die Brüder allerdings offen. Warum eigentlich? Zum Ende des Films hat der Kinobesucher bereits soviel Blut fließen sehen, dass es darauf jetzt auch nicht mehr angekommen wäre. Jetzt habe ich also alles verraten: Der Film hat kein Happy End (Gott sei Dank) und der Film ist nicht wirklich so gut, wie wir es alle nach der langen Oscar-Nacht erwartet hätten. Schlecht ist er natürlich auch wieder nicht. Zurück bleibt ein fader Beigeschmack, vielleicht wegen der vielen Gewaltdarstellungen, vielleicht weil der Film in der letzten halben Stunde ausdümpelt und ich nicht weiß, ob es das gebraucht hätte. Nicht Fisch, nicht Fleisch.

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1 Pynchon April 11, 2008 um 17:48 Uhr

Mensch Nico,
da bin ich aber anderer Meinung! Für mich ein absolut erstklassger, lakonischer Thriller mit bewundernswerter Mischung aus dosiert servierter schwarzer Komik und existentialistischem Weltschmerz. Klar, der Film lässt manches offen, aber gerade da ist er auch offen für Interpretationen. Für mich gings den Coens z.B. sehr stark um die Trostlosigkeit der Landschaften, die die Figuren prägen und keinen Trost oder Antworten bereithalten- bonjour tristesse, aber keineswegs deprimierend serviert.
Du sagst gar nichts über Javier Bardems Figur! Ist das nun ein Psychokiller par excellence oder wie?! Absolut fantastische Leistung IMO!
Für mich der beste Oscar-Sieger seit „Das Schweigen der Lämmer“.

2 Hififi August 22, 2009 um 04:28 Uhr

Eigentlich gebe ich nur Plot und Gefühlslage des Zuschauers (meinereiner) wieder, fast direkt nach dem Kinobesuch. Sehr gut möglich, dass ich das jetzt schon wieder anders sehen würde, nur dazu muss ich den Film nochmal sehen. Irgendwie habe ich dazu wenig Lust, weil ich Angst habe, ihn wieder doof zu finden. Und ich mag die Coens doch sonst so… Ich glaube, mir hat vor allem das Augenzwinkern, dieses „Auch wenn es mal fies wird, haben wir immer noch nen guten Joke, oder eine Wendung parat“. Dieser Film war einfach NUR fies!

3 Hififi April 15, 2011 um 06:12 Uhr

Ich habe ihn nochmal gesehen und anscheinend mit völlig anderen Augen. Eine „Loner-Saga“ der besten Güteklasse, nur noch getoppt durch „There Will Be Blood“, im Gegensatz hierzu fließt dort weniger Blut, dafür ist Daniel Day Lewis nah am Diabolischem, und es geht um Öl – obwohl Javier Bardem ja auch… Aber warum Öl mit Blut vergleichen. Ich habe immer noch ein Problem mit den Oscars, aber dieser Film ist sehr, sehr gut!

4 Pynchon April 22, 2011 um 01:16 Uhr

Siehste, ein klassisches Beispiel für einen Film, der sich erst mit mehrmaligem Sehen erschließt. A propos „There Will be Blood“: Der kommt heut, also Karfreitag (durchaus passend, fällt mir grad so auf!) auf ZDF um 22:55 Uhr.
Neben dem fantastischen Day-Lewis muss auf die begnadete Filmmusik von Johnny Greenwood hingewiesen werden- episch!

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