Nicolas Sturm – Doppelleben EP

von Hififi am 6. Mai 2010

in Musik!

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In „Regenhunde No. 53“ ist George Harrison’s „While My Guitar Gentle Wheeps“ drin, ich hab’s doch genau gehört, und die Regenhunde mit Nummern sind bei Tom Waits („Rain Dogs“) und Bob Dylan („Rainy Day Women #12 & 35“) geklaut. „Baustelle“ orientiert sich stark an Hannes Wader und ein Querverweis an die Beatles, „kolaidoscope eyes“ ist auch dabei. Jeder der mich kennt, weiß, dass ich diese EP gar nicht nicht mögen kann.

Nicolas Sturm hat die alten Meister studiert, bestaunt und beklaut sie nun so gekonnt, wie es nur geht. Mit der Schnoddrigkeit eines Gisbert zu Knyphausen, respektlos und doch irgendwie eigen. Dabei ist es gar nicht so einfach alle zehn Songs unter einen Hut zu bekommen. Die Grundstimmung melancholisch, dafür aber nie kitschig, ist es aber trotzdem der beschwingte Songwriter-Pop wie ihn beispielsweise “Sauerstoff Asphalt“ und „Doppelleben“ bereithalten, der zu begeistern weiß. Auf die Tränendrüse drückenden Schnulz-Bombast kennen wir gerade aus deutschen Landen nun schon zu Genüge. Sturm hält sich an alle gängigen Konventionen, wie sie aus der Liedermacher-Tradition überliefert sind, vertraut auf antiquiertes Equipment, und hält somit absolut nichts Überraschendes, wie innovativ „Neues“ bereit und überzeugt doch trotzdem. Ein altes Phänomen: der Song muss stimmen. Die Melodien fliegen ihm zu, nach eigener Aussage, nur für die Texte muss er schuften. Da gibt es sicher Schlimmeres und mit diesen „Jedes Jahr ein neues Album“-Strebern Marke Ryan Adams will er doch sicher nichts zu tun haben. Und wenn Gisbert zu Knyphausen nicht aufpasst, kommt in Zukunft sein größter Konkurrent aus den eigenen Reihen.

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