Nick Hornby – A Long Way Down

von Sterereo am 28. September 2005

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Maureen ist fünzig und lebt ohne jeglichen sozialen Kontakte alleine mit ihrem schwerstbehinderten Sohn. Jess ist jung und komplett durchgedreht, nebenbei lauert sie ihren Ex-Lover auf. JJ ist amerikanischer Rocksänger ohne Band und obendrein dazu verdammt auf der Insel Pizza auszufahren. Martin ist abgehalfteter Frühstücksfernsehmoderator und beendete seine Karriere indem er eine 15-Jährige bumste. Was diese Fünf gemeinsam haben? Sie befinden sich alle in der Silvesternacht auf einem Londoner Hochhausdach – mit dem Plan sich hinuter zu stürzen.

Zunächst sitzt Martin auf dem Sims des Hochhauses und nuckelt sich Mut aus einem Flachmann an. Er lässt schon einmal testweise die Beine über den Rand baumeln als Maureen dazukommt und fragt: „‚Tschuldigung, brauchen sie noch lange?“.

So beginnt das ganze Schauspiel. Als dann Jess auftaucht und sich mit Gewalt vordrängeln möchte, entgeht allen die Lust am Springen. Als JJ dann verunsichert und mit einer Pepparonipizza, die er nicht mehr vorhatte auszuliefer, auf dem Dach auftaucht ist eine neue Gang gebohren. Da Jess auf der Selbstmordgründeskala recht weit unten rangiert, entschließen sich alle ihr einen Samariterdienst zu leisten. Letztendlich schweißt es die Gang of Five zusammen und verwandelt sich in eine eigentümliche Unterart der Selbshilfegruppe.

Der Plot ist wunderschön frisch und obendrauf noch in Ego-Perspektive geschrieben. Hornby schlüpft somit in jeden Charakter – so unterschiedlich sie alle sind – und schafft es doch ihnen eine eigene Note zu gebe. Außerdem ist für alles gesorgt: es gibt jemanden zum Kopfschütteln (Jess), zum Bedauern (Maureen), zum cool finden (JJ) und zum draufschlagen wollen (Martin), alle vereint mit dem Ziel ihr jämmerliches Darsein ein Ende zu setzen.

Nick Hornby ist wohl der interesannteste aktuelle Schriftsteller für Romane jenseits von Rosamunde Pilcher oder ähnlichen Schnulzekrams. Der haupthaarlose Brite schaffte mit High Fideltiy den Durchbruch bei mir und bei vielen anderen. Außerdem liefert er mit seinen Texten immer wieder Stoff für Drehbücher, wo wohl „About a Boy“ der bisher größte Coup ist. Aber ich bin mir ziehmlich sicher, dass auch diese Geschichte ihren Weg in die Kinos schafft, ist der Plot doch (wie erwähnt) schön unverbraucht und die Charaktäre so gegensätzlich, dass auch ohne explodierende Autos für amüsante Kurzweil gesorgt ist. Und da wären wir wieder beim Thema.

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