Neïmo – Interview

von am 29. Januar 2009

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Nachdem eine ganze Weile Stille im Peugeot-Haus am Brandenburger Tor herrschte und nur einige wenige Leute an den Stehtischen standen, als erwarteten sie nichts spannendes vom Abend, sprangen kurz nach acht die beiden gläsernen Schwingtüren am Vordereingang auf und eine Schar französischer Teenager stürmte hinein. Dieser Haufen an Pubertätshormonen sorgte dann, wie erwartet, für die meiste Stimmung. Mit ihren 14 Jahren und ihren digitalen Spiegelreflexkameras feierten sie die Band „Neimo“ aus Frankreich, die hier auf einer kleinen Bühne eine große und vor allem großartige Show ablieferte.

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie eine Band „live“ ganz anders rüberkommt, als auf der Platte. Im Fall von „Neimo“ definitiv besser. Es war große Überraschung. Die kleine Bühne kam mir durch die Performance und den Spaß am Rocken, den man der Band immer wieder ansah, doppelt so groß vor.

Nachdem sie 3 Zugaben spielten, räumten sie die Bühne und stellten sich noch für diverse Fotos zur Verfügung. Ich sprach Schlagzeuger Vincent wegen des Interviews an und er holte mir ein Bier. Wir gingen die Treppe hinauf und in eine Art Versammlungsraum, wo bereits Sänger Bruno, Gitarrist Camille und der Keyboarder Matthieu saßen und Faxen machten.

Bruno: Achso, wir machen ein Interview.

Ja genau! Ich hoffe ihr seid nicht zu erschöpft vom Konzert!

Bruno: Nein nein, das ist schon okay! Ich werde nur alt. (alle lachen)

Ach Quatsch! Ihr seid doch eigentlich alle noch ziemlich jung oder? Wie alt seid ihr?

Bruno: Wahrscheinlich älter als Du! (wieder lachen alle)

Okay, lassen wir das! Ihr spielt hier in Berlin, also muss ich euch natürlich fragen, wie es für euch ist, in Berlin zu sein!

Camille: Es ist, als wäre man in einer Arte-Show. Kennst du „Arte Tracks“? Ja, immer wenn wir diese Show sehen, liegen wir in unseren Betten und denken an Berlin und wie cool es hier ist.

Ja, das kann ich verstehen. Zumal ihr hier auch in einer sehr seltsamen Location spielt. Eine Ausstellungshalle für Autos.

Matthieu: Ja aber es geht darum, was man daraus macht und das Gefühl, das man auf der Bühne damit hat. Ich hab zum Beispiel zwischendurch total vergessen, dass ich in der Peugeot Halle spiele. Keine Ahnung ob das gut oder schlecht ist, aber … ich hatte einfach eine gute Zeit.

Camille: Wir hatten eine sehr, sehr schöne Zeit.

Bruno: Es ist wirklich lustig, denn es ist wie ein seltsamer Traum heute. Das hier ist eine Konzept-Halle und die Leute kommen und schauen sich die Ausstellungsmodelle an und erwarten nicht wirklich diese Art von Musik. Dann betrinken sich alle und haben Spaß. Es ist schon ziemlich cool.

Ja es ist immer cool, wenn sich die Leute betrinken. Das ist Rock ’n‘ Roll!

Bruno: Ja! Aber ich muss sagen, dass ich nicht so ein tolles Publikum erwartet hätte.

Ich auch nicht! Und das lustige ist, dass es eine ganze Weile leer war. Bis dann auf einmal tausend 14- bis 16-Jährige Mädchen reinstürmten.

Camille: That’s my kinda girl! (alle lachen) Kannst du uns sagen was das legale Alter hier ist? Hier in Berlin? (wieder lachen alle)

Eigentlich 18, aber vielleicht gibt es für Stars eine Ausnahme. Tut einfach so, als ob ihr jünger seid.

Camille: Oder sag einfach: „Oh! Ich bin Franzose! Das wusste ich nicht!“

Das ist gut, das muss ich mal benutzen. Ich müsste dazu allerdings Französisch sprechen können. Ein Freund von mit hat sein Zivildienst in Nantes gemacht. Er konnte kein Wort Französisch, kam wieder und sprach fließend.

Camille: Ihr habt immer noch Zivildienst in Deutschland oder? Hast du Zivildienst gemacht und musstest du deinen Kopf rasieren oder deine Haare schneiden?

Was du meinst ist die Bundeswehr. Man kann wählen. Entweder Bundeswehr oder Zivildienst. Aber es gibt auch sehr einfache Wege sich ausmustern zu lassen. Aber ich muss sagen, dass meine Zivi-Zeit, irgendwie die beste Zeit meines Lebens war. Bis jetzt. Man wird super bezahlt und muss fast nichts machen. Ich war ein Hausmeister. Hab die Treppen gefegt und viel geschlafen und viel gelesen.

Camille: Dafür bezahlt zu werden ist doch super!

Bruno: Ich mache also meinen Zivildienst in Deutschland.

Eigentlich sollte das Interview ja nur 15 Minuten gehen, aber als nach diesen 15 Minuten eine Frau ins Zimmer kam und den Jungs mitteilte, dass man jetzt speisen könne, lud mich Bruno ein, das Interview einfach am Essenstisch weiterzuführen. Während also die Portionen vor mir aufgetragen wurden, sprach ich weiter mit den sympathischen Franzosen. Dabei sprach ich größten Teils mit Bruno, Camille und Matthieu, da sich Vincent angeregt mit 2 Freunden aus Frankreich unterhielt, die mittlerweile in Berlin leben.

Guten Appetit! Keine Ahnung wie es euch geht aber ich stell mir immer Bilder vor, wenn ich Musik höre. Kleine Szenen oder so was. Da würde mich mal Folgendes interessieren: Wenn eure Musik ein Film wäre, was für ein Genre wäre das und wer sollte Regie führen?

Bruno: Es wäre so ein Mix aus den lustigen und billigen Teilen eines Dario Argento Films. Nicht unbedingt Horror. Ah, und Kevin James unbedingt. „Clerks“ ist ein genialer Film!

Camille: Ich liebe Donnie Darko, aber es hat nichts mit unserer Musik zu tun. Ich denke unsere Musik ist so wie der Film „… Rebel Without A Cause“ mit James Dean.

Bruno: Gemixt mit „Thron“! (alle lachen) Ein bisschen von dem Film „Short Circuit“, nach dem unser Song „Johnny Five“ benannt ist. Und „Howard the Duck“.

Matthieu: Es wär auf jeden Fall ein Motorrad-Film. Wie dieser mit Marlon Brando. Junge Leute gegen die Gesellschaft!

Okay und der Herr Schlagzeuger?

Vincent: Ich bin derselben Meinung, wie Matthieu. Ein Motorrad Film.

Camille: Mad Max!

Bruno: Ja mit dem tollen Tina Turner Song! (fängt an zu singen) „We don’t need another heroooooo!“ Und für den „Rebel Without A Cause“ Teil kannst du noch „West Side Story“ mit aufschreiben. Mit den Jets und den Sharks.

Wow, das war jetzt besser, als ich erwartet hatte!

(alle lachen)

Bruno: Du musst ja gedacht haben: „Mann, sind die dumm!“ (alle lachen) Was hast du erwartet? Wir sind doch nicht Blink 182!

Vincent, bitte sag mir bitte, dass du Travis Barker magst!

Vincent: Ja ich mag ihn. Er ist ein guter Schlagzeuger. Er ist cool!

(es wird etwas in Französisch geredet)

Bruno: Oh Mann! Wir haben gerade über eine Freundin von mir geredet und sie war mal mit Carl von den Libertines zusammen. Carl Barat, Mann! Sie war mit ihm zusammen.

Und mit Pete auch?

Bruno: Nee Nee! Man sollte nicht mit beiden ausgehen. Davor war sie mit Per Almqvist von The Hives zusammen! Jetzt ist sie mit Carl zusammen. Und sie ist kein Groupie. Aber Pete! Er hat zuviel Scheiße gebaut. Jetzt kommt sein Soloalbum. Mal sehen wie das wird.

Jetzt, wo wir über die Zukunft von Pete Doherty gesprochen haben … was ist mit eurer Zukunft? Ich hab was von einem zweiten Album gehört. Habt ihr davon heute schon Songs gespielt, weil ich ein paar nicht kannte.

Bruno: Nein! Die Songs waren vom ersten Album. Das hieß „From Scratch“. Es wurde niemals in Deutschland veröffentlicht. Nur in Frankreich, Belgien und der Schweitz.

Camille: Du kriegst das glaube ich bei emule oder ex-torrent.

Illegal downloaden? Ihr als Band empfehlt mir, euer erstes Album illegal runterzuladen?

Bruno: Ich finde es Quatsch und unsinnig, wenn Künstler ihre Fans verklagen, weil sie die Songs illegal runterladen.

Wir wollen Spaß haben beim Musik machen und vor allem beim performen. Was für uns zählt sind die Konzerte. Wir müssen mit unseren Platten von mir aus nicht unbedingt viel Geld machen, es gibt andere Wege. Ich habe zum Beispiel einen Song für eine McDonalds Werbung in Frankreich gemacht. Ich mag McDonalds nicht, aber die bezahlen mich gut. Dafür machen wir unsere Konzerte nicht so teuer, damit auch junge Fans sich unsere Tickets leisten können. Ich hatte früher 15 Euro Taschengeld und eine neue Platte hat vielleicht 30 Euro gekostet. Dann musste ich zwei Monate lang sparen, konnte nichts machen, mir nicht kaufen, um mir dann diese eine Platte kaufen zu können. Ich hab auch ehrlich kein Problem mit illegalem Downloaden unserer Songs.

Es ist mir lieber die Leute hören unsere Songs, von mir aus auch runtergeladen, und entscheiden sich dann zu den Konzerten zu gehen und kaufen da T-Shirts, oder so. Ich hab lieber Fans, die umsonst auf unsere Konzerte kommen können und lass dafür die Firmen für Werbung, die ich für sie mache, bezahlen. Die haben ja das Geld. Wenn mir jemand für ein Konzert eine minimale Gage zahlt, sage ich: „Ja! Lass uns das machen!“ Man sollte nicht zuviel Eintritt für Konzerte nehmen. Es ist mir wichtiger Spaß zu haben, als Geld zu verdienen.

Wow, das ist ein sehr nobler Gedanke. Es ist schön zu hören, dass in der schwierigen Zeit der Musikindustrie, jemand noch so denkt. Danke für das tolle Interview.

Bruno: Ja gern. Wir gehen alle noch ins CCCP! Du kommst mit! Ich geb dir Einen aus!

Okay!

… und Er gab mir nicht nur Einen aus!

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{ 10 Kommentare… read them below or add one }

1 RockinBen Januar 29, 2009 um 12:15 Uhr

Uff! Geiles Interview! Schien mehr ne Unterhaltung unter Freunden zu sein. Die Typen machen nen netten Eindruck! So weckt man Interesse für seine Musik!

2 Sterereo Januar 29, 2009 um 12:31 Uhr

Ja, hab den Christian auch schon loben müssen. Oder wie er selber sagt: “
Wow, das war jetzt besser, als ich erwartet hatte!“ Scheinbar haben die sich auch anschließend noch gut verstanden. Ein Glück, dass wir die Burschen präsentieren dürfen und aller Wahrscheinlichkeit nach noch eine Verlosung zu den Konzerten folgt. Von der CD im Februar ganz abgesehen – die wird natürlich auch hier besprochen. 😉

3 Justy Januar 29, 2009 um 13:24 Uhr

hmm, nett wirken die ja, wenn jetzt die musik noch originell wär, aber sieht eher so aus, als werden die eine randnote was die releases dieses jahr anbetrifft, also mich zumindest reißt das album nun nicht vom hocker

4 Sterereo Januar 29, 2009 um 18:02 Uhr

Ja, schon gehört? Bei myspace gibts nur Songbrocken. Naja und selbst wenn es nicht der Überflieger wird – ich brauche nicht jede Woche so etwas wie die Arctic Monkeys. Da reicht mir manchmal schon guter Indie-Rock für ein paar nette Tage. Wenns dann von einer sympathischen Band kommt, umso besser. Selbst wenn’s Franzonsen sind, aber wie heißt es so schön, nobody’s perfect. 😉
Ich bin jedenfalls mal gespannt aufs Album und auf eine hoffentlich solide Live-Show.

5 RockinBen Januar 29, 2009 um 18:31 Uhr

Ja, so denke ich auch! Oft reicht es, wenn Musik einfach nur Spaß macht!

6 Vincent Januar 29, 2009 um 21:51 Uhr

Danke für das Lob! tatsächlich war es eher ein Gespräch und die Atmosphäre war enorm entspannt. Außerdem war ich mit den Jungs danach noch feiern und das sind wirklich Leute, die keinen Hehl aus ihrem „Rockstar-Dasein“ machen (die sind ja in Frankreich etwas berühmter). Man kann echt Scheiße mit denen bauen und das hat mir das Album ehrlich gesagt etwas sympathischer gemacht, obwohl ichs anfangs auch nicht sooo geil fand. Aber diese Band steht einfach zu ihrer Musik und sie wissen selber, dass sie da nichts besonderes machen. Dafür haben sie einfach Spaß am Spielen und geben live total Gas, so dass man nicht ruhig stehen bleiben kann.
Im April gibts nochmal ne Deutschland Tour. Schaut dochmal vorbei!

7 Sterereo Januar 29, 2009 um 21:58 Uhr

Jap, die Tour die wir hier präsentieren und bald ein paar Tickets für verlosen!

8 Justy Januar 30, 2009 um 08:58 Uhr

jepp, schon gehört, ist ja hier in frankreich schon was länger raus und kann man sich natürlich mal ganz nett nebenbei anhören, live können die natürlich bestimmt auch was taugen

9 Sterereo Januar 30, 2009 um 15:02 Uhr

Bei dir in Frankreich? Dann will ich da oben nichts gesagt haben. 😉

10 Justy Februar 3, 2009 um 09:19 Uhr

he, passt schon, bin hier nur zugezogen und das auch nah zur Grenze in die Heimat

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