Nelly Furtado – Philipshalle Düsseldorf, 25.2.07

von Hififi am 13. März 2007

in Feierlichkeiten

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Ich habe mir Zeit gelassen, die Eindrücke sind bereits verblasst und der Ärger über gewisse Vorturner ist ein wenig verraucht. Nelly Furtado ist in ihrem Wesen unerschütterlich niedlich, liebenswert und seit „Folklore“ ein ernstzunehmender Stern am Pop-Himmel. Zwei Stunden grelles Scheinwerferlicht später, weiß jeder woher sie kommt und wo sie nun steht. „Maneater“ nehme ich ihr trotzdem bis heute nicht ab.

Aber erst zu Kim Frank, den gibt es noch, echt! „Hellblau“ heißt das erste Soloalbum des mittlerweile 24-Jährigen, und passend zur Farbe klingt das Songwriting nach Windeln und Puder. Kein Bernd Begemann mehr, der den Jungs die Songs auf den Leib schneidert, nun hat Frank die Texte selbst verzapft. „Lara“ heißt die neue Single, in der Frank seinen Trennungsschmerz verarbeitet, die anderen Songs schlagen in dieselbe Kerbe. Ein Album voller „verschwitzter Pubertärpoesie“? Eindeutig: Ja! Und weil er ja trotz Trennung ne coole Sau ist, singt er den Refrain von „Weinst du“ und bricht dann wieder ab. Nein, mit seiner alten Band will er nichts mehr zu tun haben, bloß hatten die die Songs. Mit dieser Art grenzdebiler Dudelmusik gewinnt er in Düsseldorf zumindest keinen Blumentopf.

Seit Timbaland ist leider vieles anders geworden, viele Superseller lassen bei ihm ihren Sound aufpeppen und schon verkauft sich der Mist noch besser. So geschehen bei Justin Timberlake, dessen „Sexyback“ heute auch noch zu Ehren kommt, und nun auch noch die kleine, süße Kanadierin, die ihren Style pimpen lässt. „I´m Like A Bird“ klingt heutzutage dann auch nach Hip Hop und suggeriert dem Zuschauer, dass er es hier nicht mehr mit dem naiven, kleinen Mädchen der Anfangstage zu tun hat. Gott Sei Dank wird „Powerless (Say What You Want)“ in Ruhe gelassen und darf auch heute noch so klingen wie immer, selbiges gilt für „Try“. „Forca“ gerät zum Happening, die Halle steht Kopf, schließlich geht es hier um Fußball und den mögen wir „Sommermärchen“-Verwöhnten doch. Die ansonsten sinnlos umherzappelnden Tänzer werfen Bälle ins Publikum und Nelly beweist Entertainer-Qualitäten. Ansonsten gibt es halt den neuen Quatsch zu hören und Düsseldorf mag das auch so. Alles steht, klatscht, tanzt, lauter verliebte Paare, die sich sicher zu sein scheinen, hier etwas ganz besonderes miterleben zu dürfen. Besonders gut fand ich, dass Ray Garvey uns nicht mit seiner Anwesenheit behelligt hat und „All Good Things (Come To An End)“ so dann doch ein klein wenig erträglicher klang.

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1 Sterereo März 14, 2007 um 14:24 Uhr

„?Hellblau? heißt das erste Soloalbum des mittlerweile 24-Jährigen, und passend zur Farbe klingt das Songwriting nach Windeln und Puder.“ – Die Stelle gefällt mir besonders gut! Musste direkt lachen! Wirklich keine Ahnung wer diesen Kim Frank hören will. Aber für die ein oder anderen Teenies reicht es wohl immer.

Habe Nelly ja auch Live in Kanada gesehen. Damals nervten die Tänzer auch schon, und die seltsamen Hip-Hop einlagen gingen auf Qouten-Gangster Saukrates Konto. Dass dort in Düsseldorf eine Menge mehr Bombast und Superstar-Gehabe am Start war, kann ich mir denken. Wenigstens war der Reamonn-Spinner nicht da. ?All Good Things (Come To An End)? ist tatsächlich ein nettes Liedchen, wenn auch hoffnungslos überdudelt von den Sendeanstalten.

2 Ghostwriter März 23, 2007 um 03:24 Uhr

Was mach ich hier eigentlich um diese Zeit? Ach ja, gerade ne Pokersession beendet und nach langer Zeit endlich mal wieder ne Hunderter-Grenze durchbrochen.

Ich frage mich ja warum alle Welt „Forca“ mit Fussball verbindet. Gut, das Stück war die offizielle Hymne der letzten EM, jedoch war Frau Furtado zum Erföffnungsspiel nichtmal in Portugal um ihr Liedchen bei der Eröffnungsfeier zu trällern. Nein, sie weilte in unserem schönen Ostwestfalen. Besser gesagt in Bielefeld, auf der MTV-Campus Invasion. Wahrscheinlich haben die Schnarchsäcke der UEFA mitbekommen, dass dieses Stück vielleicht ganz gut anzuhören ist, mit Fussball und Stimmungsmache im Stadion jedoch nur soviel zu tun hat wie Stefanie Hertel bei Top of the Pops.
Das gleiche Phänomen gabs ja auch schon zur WM 2002. Wer kennt schon die offizielle Hymne? Niemand. Das war ne simple Singleauskopplung aus Anastacias damaligen Album. Dazu gabs nen Video mit nen paar Spielszenen und das wars dann auch schon.

In diesem Sinne, good fight, good night.

3 Sterereo März 23, 2007 um 11:44 Uhr

Hey, das mit Anastacia wusste ich!

Aber das eigentlich der Grönemeyer die WM2006 Hymne hatte, ist auch untergegangen bei dem ganzen Xavier und Sportis Quatsch.

Dennoch bleibt Forca der offizielle Song für die EM in Portugal, daran ist nix zu rütteln, auch wenn Fräulein Furtado das evtl. garnicht so geplant hatte.

4 RockinBen März 23, 2007 um 13:03 Uhr

Naja, im Prinzip hat jeder TV-Sender seine eigene Hymne zum Großereignis… Früher als die Mannschaften noch selbst Lieder für die Weltmeisterschaften eingesungen haben, da war die Welt noch in Ordnung! Ich erinnere nur an „Fußball ist unser Leben“ (WM 74) und „Wir sind schon übern Brenner“ (WM 90, glaub ich)

5 Ghostwriter März 23, 2007 um 13:52 Uhr

Das mit Grönemeyer stimmt. Ist aber auch gar nicht mal so schlecht. Die deutsche Version fand ich ziemlich misslungen. „Zeit das sich was dreht“ (Was soll sich drehen? Der Ball? Die Erdkugel? Der Zähler seines Kontostands?), bzw. „Celebrate the Game“ (schon besser, imo Stadiontauglicher).

Du Has bei der Aufzählung das grandiose „Far away in America“ aus dem Jahr 1994 vergessen! Dieses grandiose Machwerk fussballerischer Sangeskunst darf ich sogar mein eigen nennen. 🙂

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