Mystery Jets – Twenty One

von Sterereo am 16. April 2008

in Musik!

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„Twenty-One“: Das Alter in dem sich die prüden Ami-Kids die Klamotten vom Leib reißen und bei Alkohol-Orgien den Spring-Break-Beach voll reihern. Die Mystery Jets sind ebenso unverschämt, aber dabei doch viel weniger rüpelhaft. Sie schälen geradezu galant radiotaugliche Pop-Perlen und 80er-Revivalattacken aus ihrem vielseitigen, zweiten Album. So sind sie eben, diese adoleszenten Briten.

Mit Fliegersirenen und drückendem Gejodel heulen die Aufklärtornados los, beim Startschwenk der Luftschutz-Punker („Hideaway“). Das Album beginnt so, wie sich Muse den Prog-Rock vorstellen, wird jedoch von etwas Lala (oder hier “oh eh oh“) eingeholt. Dazu wird gesungen, als ob sich Alec Ounsworth schwer zusammenreißt.

So gerne die Sau auch raus möchte, die Mystery Jets halten sie an der kurzen Leine und schwenken in ihren unterschiedlichsten Marschrichtungen das arme Tier schwindelig. Keine schweinischen Tanzflächenfeger sind das erklärte Ziel, sondern trüffelschnüffelde Pop-Leckerchen. Beschwingt, wie erste Schwärmereien von „Broken Social Scene“, schlängelt sich „Young Love“ ins Hörerherz und das nicht zuletzt durch die zuckersüße Unterstützung der blutjungen Folkhoffnung Laura Marling. Eindimensionalität verboten, Überraschungen erwünscht: „Umbrella Head“ klingt dann plötzlich wieder wie einer dieser kranken White Stripes Songs, wo sich Jack White im Nashvill-Saloon am Western-Piano verlustiert.

Wie gute Songs geschrieben und vertont werden, wissen die Mystery Jets jedenfalls. Bester Track des Albums das unschlagbar freche „Half In Love With Elisabeth“ mit nahe dem Slapstick geparkten „döh döh döh/uh uh uh“-Einlagen. Scheinen die 80er Synthies hier nur in unterschwelligen Momenten durch die Song-Hybride, brennt bei „Two Doors Down“ der Fokuhila. „Duran Duran“ könnte sich beim Refrain friedfertig in den „New Romantic“-Armen liegen.

Es knallen die Mystery Jets mit Nahschallgeschwindigkeit über der Wolkennarbe, eine Hand am Genre-Schleudersitz und dabei die Überflieger der Strokes im Sucher, das 80er-„ABC“ auf dem Schoß und ambitionierte Kollaborationen im britischen Funkverkehr.

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