My Own Private Alaska – dto.

von Hififi am 10. November 2008

in Musik!

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My Own Private Idaho ist eine Art Roadmovie von 1991 mit River Phoenix in der Hauptrolle, der einen narkoleptischen Stricher auf Identitätssuche spielt. Alaska könnte ein Synonym für Kälte, Einsamkeit und Isolation sein, denn das würde sehr gut zu dieser Band passen, die ihren Schmerz in die Welt heraus schreit. Obskurerweise ist dafür das Piano als Lead-Instrument ausgewählt worden, welches sich aufs Ärgste mit dem Gebrüll beißt, dem man sich aussetzt, wenn die EP im Player kreist. Im Prinzip purer Screamo mit Klavier und Schlagzeug.

Klavier und Schlagzeug, keine schlechte Idee, bloß das hier leider nicht Amanda Palmer von den Dresden Dolls am Mikro sitzt sondern M, der namenlose Schreihals, der auch noch die schönste Klavierfigur wegbrüllt, als ob es kein Morgen mehr geben würde. Aber es gibt auch Songs, wo er sich angenehm zurück hält und das Klavier sprechen lässt, so z.B. „First Steps“ dem letzten von sechs Songs. Bevor ich jetzt als Trottel dastehe, möchte ich sagen, dass mir schon klar ist, was diese Band besonders macht: Klavier und Gebrüll. Passt nicht gut zusammen, ist aber gewagt und neu und vor allem anerkennenswert. Muss ich aber nicht gut finden, denn bei mir gehen leider die Alarmglocken an, wenn einer rumschreit. Konzentriere ich mich also auf T am Piano und Y an den Drums, denn die machen ihre Sache schon sehr gut. Das Schlagzeugspiel jedenfalls ist über jeden Zweifel erhaben, druckvoll und energiegeladen, den Song nach vorne peitschend. Das Piano allerdings scheint irgendwie mehr der guten alten Klassik verpflichtet und klimpert etwas weltfremd vor sich hin und hat mit dem Shouting ungefähr so viel zu tun wie Mario Barth mit anspruchsvollem Humor. Trotzdem schaffen die drei Franzosen es einen Spannungsbogen zu entwerfen, dem auch ich mich nicht entziehen kann, dazu kommt eine gewisse Epik, die die Songs zu unerwarteter Länge aufbläst.

Jetzt sollte ich wohl noch zu einem Resümee kommen, kann mich aber nicht wirklich festlegen, finde die selbstbetitelte EP interessant, stoße mich aber zu sehr an dem Gebrüll. Das ist ja eben die Krux, mir liegt es nicht, aber jeder der Screamo mag und Neuerungen aufgeschlossen gegenüber steht, der sollte hier auf jeden Fall zugreifen.

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