Mutter – Kamp Bielefeld, 13.11.2011

von Hififi am 19. November 2011

in Feierlichkeiten

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Zu den wirklich ärgerlichen Dingen des Lebens zählt zweifellos das Zuspätkommen. Nicht einmal nur die Verspätungen anderer, eher das gedankenlose sich selbst verspäten und etwas verpassen. Der Gedankengang „vor 21 Uhr wird es wohl nicht beginnen“ ist vor dem Besuch eines Konzertes zwar nachvollziehbar, aber überprüfen hätte man ihn können/ sollen/ müssen. So sind wir pünktlich um 21 Uhr im Kamp, in dem Mutter gerade ihren vorletzten Song des regulären Sets spielen. Na klasse!

Es liegt mir fern die Band zu kritisieren, weil sie bereits um 20 Uhr begonnen hat zu spielen, ganz im Gegenteil, und gerade an einem Sonntagabend ist dieser Umstand für alle Beteiligten ein wahrer Segen, wollen doch die Meisten sicher nicht unausgeschlafen und verkatert in die Woche starten. Und Mutter sind stimmungstechnisch eher ein gewöhnungsbedürftiger Wochenabschluss, ein wenig wie die Nachrichten-Rückblicke, die dem Zuschauer noch einmal vor Augen führen, was wieder einmal alles für ein Mist in der Welt passiert ist. Die Berliner sind schleppend, zäh, trocken, bar jeder Ironie und Ansagen sind allgemein überbewertet. Bei aller Liebe zur Musik würde sich das auf zwei, drei Stunden verteilt wohl so recht niemand schmecken lassen. Ganz die alte (von mir aus auch Hamburger) Schule, kein quatschender Uhlmann, kein aufgeplusterter Intellekt Marke Distelmeyer und erst recht kein Begemannsches Entertainment, dafür die Schroffheit Surrogats und die Gradlinigkeit von Ton, Steine, Scherben. Hier wird gemeint, was gesanglich dargereicht wird. Max Müller (Sänger und Texter) versteckt sich live zwar hinter seinem wallenden Haupthaar aber ganz sicher nicht hinter irgendeiner textimmanenten Zweideutigkeit und verzichtet dabei fast gänzlich auf die Parolenhaftigkeit von Rio Reiser. Ein Beispiel aus „Krieg ist vorbei“: „Krieg ist vorbei, ein neuer beginnt, dort sind die Opfer.“ Es wird weder gepredigt noch angeprangert.

In der 25-jährigen Bandhistorie gelang es den Berlinern regelmäßig dem Feuilleton kleine Begeisterungsstürme abzuringen – bspw. Jan Wigger von Spiegel Online – aber an diesem Abend sieht die Welt leider anders aus. Erst vor kurzem bei Ja, Panik im Bielefelder Forum zu beobachten: Bands, die der Musikjournaille gefallen, bekommen ihre Konzerte nur schwerlich gefüllt. Weshalb das so ist? Es sind selten bis gar nicht Bands die sich der Unterhaltung verschrieben haben. Nur gibt der Durchschnittskonzertbesucher seine hart erarbeiteten Kröten nicht für ein wenig Ernst- und Wahrhaftigkeit aus. Und an dieser Stelle, lasst es euch von mir predigen und ändert euer lasterhaftes Leben, verkneift euch Rammstein und Rosenstolz, lasst uns zusammen das Böse bekämpfen und tretet zusammen in das Licht der Erleuchtung, welches euch scheinen wird z.B. bei einem Konzert von Mutter. Denn lassen wir es mal 50 zahlende Zuschauer gewesen sein und das sind eindeutig zu wenig. Die drei Songs denen wir lauschen durften, waren jedenfalls groß in ihrer Strahlkraft, selbst wenn ich sie nicht benennen kann.

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