Mumford & Sons – Interview

von Sterereo am 28. Oktober 2009

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Entspannt sitzt das Famlienunternehmen mit dem geliehenen Namen Mumford (eigentlich heißt Marcus mit Nachnamen Johnstone) auf dem Sonnendeck und stellt sich meinen Fragen. Die Veröffentlichung des Debütalbums „Sigh No More“ liegt in diesem Moment da noch vor ihnen.

Wir hatten das Glück eure erste Deutschlandtour zu präsentieren (wie auch die kommende Tour Anm. d. Verf.). Damals gab’s noch nicht viel von euch zu hören. Die Agentur hat mir nur einen Link zu einem Youtube-Video geschickt, wo ihr vor fast komplett schwarzen Hintergrund spielt…

Marcus: … White Blank Page (zum besagten YouTube-Video).

Richtig. Ich war sofort gefesselt und sagte zu. Eines hat mich sofort stutzig gemacht. Während du die Gitarre spielst, bedienst doch auch ein Pedal für die Bassdrum.

Marcus: Das ist daraus entstanden, dass wir nicht genug sind. Als wir uns gründeten war kein Drummer zur Hand. Da ich ursprünglich Schlagzeuger bin, musste ich das halt mit übernehmen. Schließlich brauche ich meine Füße nicht zum Gitarre spielen. Ich wippe sowieso ständig mit den Füßen, also schien es eine gute Idee zu sein. Außerdem passt es sehr gut zu unserem eher ruhigen Akustiksound.

Ich habe das sonst noch nirgendwo gesehen.

Marcus: Doch, es gibt ein paar Leute. Es ist auch nichts allzu außergewöhnliches. Orgelspieler benutzen ständig ihre Füße.

Brauchte also kein bestimmtes Training?

Marcus: Nein. Es ist nur Balance und Rhythmus. Die anderen Jungs können das auch. (Deutet auf die „Sons“ Ted Dwane, Ben Lovett und Country Wilson die auch in der Runde sitzen) Eigentlich könnte es fast jeder. Es ist einfach. Aber verrate das auf keinen Fall! (lacht)

Ihr seid befreundet mit einigen Bands. Noah and the Whale, The Maccabees und zuhause noch Laura Marling. Ihr kennt euch von der Schule, richtig?

Marcus: Ja, mit einigen der Leute sind wir zusammen auf der Schule gewesen. In London. Nicht mit allen.

Hatte ihr durch die Musik etwas gemeinsam und habt euch deswegen angefreundet?

Marcus: Es ist nicht so, dass wir uns ausschließlich durch die Musik kennen gelernt haben. Wir mussten nicht erst eine Band gründen, um uns kennen zu lernen. Wir haben Musik gemacht und die anderen auch. Trotzdem stehen wir natürlich alle auf Musik und spielen auch die Songs der anderen. Irgendwann haben wir uns in dieser Gemeinschaft von Musikern wieder gefunden und es hat sich wirklich toll für uns entwickelt. Doch alles sehr unbeabsichtigt.

Spielt und jammt ihr noch viel miteinander?

Ted: Wir sind alle ständig unterwegs, also kommen wir nicht wirklich daszu zu jammen. Zuletzt mit Laura Marling. Manche haben ihr auf dem Album geholfen.

Das warst du, Marcus, oder? Ihr standet schon häufiger zusammen auf der Bühne.

Marcus: Ja, richtig. Wir waren auf ein paar Tourneen unterwegs. Nur wir beide. Winston (deutet auf ihn) hat uns bekannt gemacht, sie haben zusammen Banjo gespielt.

Diese ganze Musik wird auch gerne New Folk genannt…

Marcus: Ich sage dazu lieber „Folk’n’Roll“ (lacht)

Ben: (ernst) Weißt du, es gibt ständig neue Musik und immer muss ein neuer Begriff her!

(Die anderen kichern) Ted: Das ist ein gutes Thema für dich! (lacht) Sorry, that’s really funny!

Bens Miene verfinstert sich: Das ist alles Bullshit! (Ted lacht los) Es ist doch nur Musik. Es gibt viele neue Sachen und viele alte Sachen. Wir könnten genauso gut daher gehen und den alten Kram … (stoppt mitten im Satz). Weißt du was, ich werde mich jetzt nicht deshalb aufregen. (Wieder Lachen die Anderen, Ben rutscht im sitz zurück und verschränkt tatsächlich (!) die Arme.)

Ted: Da ist doch ständig irgendwie neue Musik und es muss eben ein neuer Name her. Jetzt haben die Leute sich die Folkmusik geschnappt. Wir bleiben lieber bei „Folk’n’Roll“.

Winston: Musik gibt es schon seit Ewigkeiten. Musik ist einfach nur Musik. Sobald es in einer Gemeinschaft gesungen wird, ist es schon wieder Pop-Musik oder zumindest populäre Musik. Wir sind eben eine neue Gemeinschaft. Eine komplett neue Generation. Das heißt doch jetzt nicht, dass wir jetzt origineller sind als die Musiker zuvor. Alles wurde doch schon einmal gemacht. Es ist ein Kreislauf. Wir sind einfach an einem Ende des Kreises und haben Spaß daran diesen Folk zu spielen. Musik soll Spaß machen und das tut es mit diesen Jungs.

Dazu fällt mir eine wahrscheinlich schon häufig gestellt Frage ein: Wie können diese bärtigen Männer deine Söhne sein, Marcus?

Marcus: Die Idee dahinter ist, das wir ein Familienunternehmen sind. Im übertragenden Sinne. Anfangs haben wir Songs gespielt, die ich geschrieben habe. Allerdings eher Skelette von Liedern, die auf einem Jam basierten. Als wir vier dann in einem Proberaum saßen und eines dieser Songs aufgenommen haben, der sich komplett veränderte und allen von uns gehörte und nicht nur mir, da haben gemerkt, dass es eine Bandsache ist, das es eine einzigartige Sache zwischen ausschließlich uns vieren ist. So haben wir uns für Mumford & Sons entschieden, wir mögen, wie das klingt. Wie der Name eines alten Familienbetriebs. Schließlich schreiben wir alle die Songs.

Es bleibt aber dein Nachname (obwohl der eigentlich Johnstone ist, Anm. d. Verf.), so könnte schon der Eindruck entstehen es wäre „deine“ Band.

Marcus: Hauptsächlich schreibe ich auch die Songs, doch sie gehen durch den Filter der anderen Jungs.

Ich wundere mich immer noch. Auf dem YouTube-Video von damals wart ihr zu dritt.

Ted: Ach, das ist uralt. Über anderthalb Jahre. Ben war gerade nicht da. Wo warst du denn?

Ben: Auf Tour in Deutschland! Normalerweise sind wir zu viert. Wir sind eine vierköpfige Band.

Ihr kommt nicht ganz ohne Drums aus, wer darf denn dann ran?

Winston: Ben spielt das Schlagzeug, Ted auch manchmal. Auch Marcus ist ein sehr guter Schlagzeuger. Live kannst du das sehr gut beobachten.

Und im Studio?

Marcus: Wir experimentieren viel, jeder darf mal etwas spielen. Das Album klingt sowieso ziemlich so, wie wir live spielen. Deshalb haben wir manche Passagen auch so eingespielt. Andere wurden über Spuren aufgenommen. Es machte eine Menge Spaß es aufzunehmen, doch jetzt sind die Hörer dran sich ihre Meinung zu bilden. Für uns ist es abgeschlossen.

Trotzdem: Wovon habt ihr euch inspirieren lassen?

Marcus: Oh, wir sind eine Band die sich viel inspirieren lässt. Jeder von uns hört sehr unterschiedliche Musik oder kommt aus einem anderen musikalischen Lager. Ich denke, das kann man hören. Alleine aus dem Grund, weil wir solch ein Hybrid einer vierteiligen Maschine sind (lacht). Alle möglichen Ideen und Einflüssen strömen in uns ein aus vier verschiedenen Richtungen.

Kamen auch einige Kumpels von den erwähnten Bands vorbei? Ist gar Laura Marling zu hören?

Ted: Nein! Wir hatten zwar einige Freunde im Studio, aber niemanden, den man kennt.

Ben: Da sind Trompeten, Cellos und Geigen dabei. Wir hatten also ein paar Freunde, die etwas zum Sound beigetragen haben, weil wir es so besser fanden.

Spielt ihr so live?

Ben: Manchmal.

Freut ihr euch, wieder hier in Deutschland zu sein?

Marcus: Ja, Berlin ist meine Lieblingsstadt. Ich liebe es. Es ist eine tolle, elektrisierende, vibrierende Stadt. Dazu kommt diese ungewöhnliche Geschichte. Eine wirklich inspirierende Stadt. München ist auch wundervoll. Nur dieser ganze Verkehr. Wir brauchten ewig auf eurer tollen „Autobahn“.

Ted: Wir sollten mehr Deutsch lernen, damit wir uns besser verständigen können und dieses riesige Land mal richtig erkunden können.

Fotos: myspace.com/mumfordandsons und Martin Lehmann

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