Motorpsycho – Forum Bielefeld, 04.11.09

von Hififi am 16. November 2009

in Feierlichkeiten

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Alle Jahre wieder… Das kennen wir ja alle und manche mögen’s, manchen macht die Geschenkekauferei schwer zu schaffen und dann ist es natürlich schön, wenn einem das Forum die Vorweihnachtszeit mit einer der renommiertesten Indie-Bands der letzten fast zwanzig Jahre versüßt. Und das (wie gesagt) alles Jahre wieder, das war damals in Enger so und ist es mittlerweile in Bielefeld.

Renommee ist natürlich so eine Sache beim Betrachten dieser besagten Rockband namens Motorpsycho lässt sich die Einsicht gewinnen, dass Bent Sæther, Hans Magnus Ryan und Kenneth Kapstadt wohl kaum in solchen Dimensionen denken. Hier ist alles ganz reduziert, kein Schnickschnack, keine Vorbands und die braucht wohl auch niemand, wenn es einem die drei Norweger mindestens zweieinhalb Stunden ordentlich besorgen. Indie ist mit Sicherheit wieder so eine Kategorie mit der die Norweger wenig anfangen können, wenn man bedenkt, dass dieser Begriff mittlerweile zu einem Trademark verkommen ist, als noch ernsthaft einen Musikstil zu bezeichnen. Was sie allerdings wirklich sind, ist Rock auf den geringsten gemeinsamen Nenner gebracht: Gitarre, Bass, Schlagzeug und das in dieser Reduktion bereits seit einigen Jahren. Was umso erstaunlicher anmutet, wenn das Forum mit dichten, sphärischen Klängen gefüllt wird und doch nur drei Leute auf der Bühne zu entdecken sind. Bent Sæther und sein Bass machen es möglich. Das, was dieser Mann dort spielt hat praktisch nichts mit dem Hintergrundgezupfe anderer Kollegen zu tun, sondern erhebt diesen Ausnahmemusiker in seine eigene Liga. Vielleicht lässt es sich am besten so beschreiben: Bent Sæther ist für den Part der Rhythm Guitar zuständig und Hans Magnus Ryan für die Lead Guitar. Es ist ein wenig so, als ob Sæther zwei Instrumente gleichzeitig spielen würde. Jedenfalls gesellt sich zu einem unheilvollen Grummeln gelegentliche Grooves, die auch gerne in lupenreine Riffs übergehen. Wie genau er das hinbekommt, ist mir ein Rätsel, aber ich behalte das im Auge.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich den regen Output der Norweger mittlerweile ein wenig aus den Augen verloren habe, zumal sie mittlerweile bei dreizehn regulären Alben angelangt sind (wenn ich richtig gezählt habe). Den Zahn hat mir Anfang des neuen Jahrtausends eine gewisse Hippie-Attitüde gezogen, der sich selbst das musikalische Schaffen damals unterwerfen musste. Optisch ist es sie ihnen geblieben, denn der einzige ohne Bart und Langhaar-Frisur ist Kenneth Kapstadt. Ryan sieht mittlerweile aus wie eine Mischung aus Martin Chong und Charles Manson, während Sæther zumindest gelegentlich seinen Bart zu stutzen scheint. Ich bin ganz ehrlich, ich schreibe das, weil ich ein wenig die Zeilen füllen will, weil Motorpsycho (natürlich!) immer noch eine hervorragende Live-Band sind, die meisten Songs von zeitloser Güte, aber trotz alledem diese Band ein wenig zu oft auf Tour ist. Ich will nichts Schlechtes schreiben, aber es entstehen erhebliche Lücken im zweieinhalbstündigen Set, dass wenig Abwechslung, aber eben gute Musiker bietet.

Foto: myspace.com/motorpsychopage

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